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Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafe
Absperrungen fast wie beim „Rotlicht-Prozess“

Am vorletzten Tag einer Verhandlung um Amphetamine glich das Langericht Siegen - hier ein Archivfoto - einer Festung.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mick Siegen. Seit November wird vor der 1. Großen Strafkammer gegen zwei Männer verhandelt, denen Handel mit größeren Mengen von Amphetamin sowie das Betreiben einer illegalen Spielhalle vorgeworfen wird. Ein dritter Angeklagter wurde bereits verurteilt, die Entscheidung über die beiden anderen ist für den 10. Februar terminiert. Am vorletzten Tag kam es noch einmal zu Komplikationen. Rund um das Justizgebäude wimmelte es am Freitag von Einsatzfahrzeugen, auf den Fluren verteilten sich die dazugehörenden Polizeibeamten. Der Bereich vor dem Schwurgerichtssaal war abgesperrt wie seit dem „Rotlicht“-Prozess nicht mehr.
Zeuge musste sich als Polizeiinformant offenbaren
Pässe wurden gescannt, Mobiltelefone mussten abgegeben werden.

mick Siegen. Seit November wird vor der 1. Großen Strafkammer gegen zwei Männer verhandelt, denen Handel mit größeren Mengen von Amphetamin sowie das Betreiben einer illegalen Spielhalle vorgeworfen wird. Ein dritter Angeklagter wurde bereits verurteilt, die Entscheidung über die beiden anderen ist für den 10. Februar terminiert. Am vorletzten Tag kam es noch einmal zu Komplikationen. Rund um das Justizgebäude wimmelte es am Freitag von Einsatzfahrzeugen, auf den Fluren verteilten sich die dazugehörenden Polizeibeamten. Der Bereich vor dem Schwurgerichtssaal war abgesperrt wie seit dem „Rotlicht“-Prozess nicht mehr.

Zeuge musste sich als Polizeiinformant offenbaren

Pässe wurden gescannt, Mobiltelefone mussten abgegeben werden. Offensichtlich hatte es Drohungen gegeben, nachdem sich vor einer Woche ein Zeuge als Polizeiinformant offenbaren musste und mit Personenschutz aus dem Gebäude geleitet wurde. Die Kammer hatte ihn kein zweites Mal geladen, sein Anwalt ließ wissen, der Mandant komme auch nicht und werde den Namen seines Zuträgers nicht nennen. Allerdings lagen wohl Ankündigungen seiner Familie vor, an diesem Tag ins Gericht zu kommen. Um potenzielle Gewalt zwischen den Parteien zu verhindern, ging die Justiz kein Risiko ein. Glücklicherweise bewahrheiteten sich die Befürchtungen nicht und es blieb ruhig.

Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafe

Staatsanwältin Tabea Schneider ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und hielt einen Schlussvortrag, der aus ihrer Sicht die Anklagevorwürfe – soweit noch Gegenstand – bestätigte. Die Vorgänge um die Spielhalle wurden eingestellt, es ging am Freitag nur noch um den Amphetaminhandel der beiden Männer, bei dem einer für den Ankauf der „Bunkerwohnung“ sowie den Kontakt mit den Kunden verantwortlich war, der zweite die Wohnung betreute und dort die Ware portionierte.
Entsprechend unterschiedlich fielen auch die Anträge aus. Tabea Schneider forderte acht Jahre und neun Monate gegen den vorbestraften Haupttäter, der bereits 2015 für den Besitz von zehn Kilo Amphetamin vier Jahre ins Gefängnis ging. „Kaum hatte er einen Fuß vor die Gefängnistür gesetzt, hat er sofort wieder angefangen“, stellte Schneider bezüglich des Mannes fest und fand nicht einen Grund, der für den Angeklagten sprechen könnte. Gegen seinen Mittäter, der bislang keine Vorstrafen hat, beantragte sie sechs Jahre. Nach der Beweisaufnahme stehe fest, dass unter anderem zweimal rund sechs Kilo Amphetamin gekauft und weitervertrieben wurden.

Verteidigung stellt die Qualität der Beweise infrage

Anwalt Marc Wandt aus Essen stellte in der Folge einmal mehr die Qualität der Beweismittel infrage. Ein anonymer Brief und ein Informant, der lediglich vom Hörensagen berichtet habe, könnten kein Anlass für derart heftige Grundrechtseingriffe sein, berief sich Wandt auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes. Damit sei die Verwertung der Informationen aus den Überwachungsmaßnahmen unzulässig. Der Polizei-Zeuge habe selbst zugegeben, nie in der Spielhalle gewesen zu sein und nenne den Namen des angeblichen Informanten nicht, „von dem wir aber glauben, dass wir ihn kennen“! Unabhängig davon wertete er die Überzeugung der Staatsanwältin als Wunschdenken. Er habe in den abgespielten Audiodateien nichts von den konkreten Beweisen gehört, die von Tabea Schneider so sicher behauptet würden. „Das hier ist kein Wunschkonzert, sonst brauchten wir gar keine Hauptverhandlung“, spottete Wandt und warf der Anklägerin vor, viele Vorwürfe auf Beweise zu stützen, die gar nicht eingeführt worden seien. Es habe Drogenhandel gegeben, aber lange nicht im vorgeworfenen Maße. Für diese Taten reichten dreieinhalb Jahre. Sein Mitverteidiger Marcel Tomczak schließt sich ohne weitere Ausführungen an.
Katharina Batz verwies für den zweiten Angeklagten auf dessen Geständnis und die Tatsache, dass ihm lediglich der Besitz der im Mai 2020 in der „Bunkerwohnung“ sichergestellten 2678,77 Gramm Amphetamin nachzuweisen sei. Auch sie zweifelte daran, dass die Ergebnisse der Überwachungsmaßnahmen verwertbar sind und deutete die Inhalte ansonsten ähnlich wie ihr Essener Kollege. Sie bat um „eine milde Strafe, die nicht über zweieinhalb Jahre hinausgeht“.
Aufgrund der langen Unterbrechung werden die letzten Worte der Angeklagten erst am 10. Februar gehört.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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