Achenbacher wollen keinen Hochfrequenz-Mast haben

Mit Unterschriften bekräftigten die Besucher der Achenbacher Bürgerversammlung, dass sie solch einen stark strahlenden Funkmast nicht haben wollen. Foto: jg
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jg Achenbach. Knapp hinter Hesselbach und Fischelbach liegt auf hessischer Seite das Dorf Achenbach, das zur Gemeinde Breidenbach gehört. Dort fand am Montagabend eine Bürgerversammlung statt, deren Thema: ein geplanter, kombinierter Mast für den Mobilfunk-Anbieter O2 und den Rettungsdienst-Digitalfunk bei den Windrädern oberhalb der Ortschaft. Rund 280 Leute waren im vollbesetzten Dorfgemeinschaftshaus. Seit der offiziellen Eröffnung sei das Haus noch nie so voll gewesen, begrüßte Ortsvorsteher Walter Lauber die Zuhörer, die nicht nur aus dem Dorf selbst kamen, sondern auch aus den anderen Orten rundherum. Die strahlenden Masten beunruhigen immer größere Bevölkerungsgruppen und die Reichweite ihrer Strahlung ist enorm.

Bereits im Februar hatte der Achenbacher Ortsbeirat, genau wie der von Oberdieten und Kleingladenbach, einstimmig deutlich gemacht, dass er solch einen Mast nicht haben wollte. Dabei lag die Betonung auf „solch einem Mast“, denn es ist gerade die Hochfrequenz-Leistung, die die Menschen hier stört. 9000 Mikrowatt pro Quadratmeter sei die angepeilte Leistung des O2-Mastes, wobei die erlaubten Höchstwerte in Deutschland mit 10 000 Mikrowatt pro Quadratmeter sowieso extrem hoch lägen, so der Ortsvorsteher. Belgiens Höchstwert liege bei 100, der Salzburger Wert belaufe sich auf 1 Mikrowatt pro Quadratmeter. Er sei gerade in Österreich gewesen, die Antworten auf seine Nachfrage, wie das mit dem Handy klappe, seien eindeutig gewesen. Die Österreicher hätten gesagt: „Wir haben keine Probleme, es funktioniert immer.“ Damit Handys vernünftig liefen, bräuchten sie eine Leistung von 0,0001 oder 0,00001 Mikrowatt pro Quadratmeter. Die deutschen Höchstwerte werden von Telefon-Anbietern für ihre Masten so gern ausgenutzt, weil mit einer höheren Leistung natürlich weniger Masten aufgestellt werden müssen, was den Firmen höhere Renditen beschert.

In Achenbach hatte sich eine Fünfer-Gruppe zusammengeschlossen, die die Bürgerversammlung jetzt organisiert hatte. Peter Lauber war einer von ihnen. Er stellte zunächst einmal klar: „Wir sind keine Mobilfunk-Gegner.“ Aber die geplante Strahlungsleistung sei ihnen zu hoch. Masten mit einer deutlich niedrigeren Strahlung könnten durchaus aufgestellt werden. Insbesondere zeigten sich die Achenbacher enttäuscht, weil trotz ihrer eindeutigen Abwehr-Haltung der Breidenbacher Gemeindevorstand in seiner - wie immer - nicht-öffentlichen Sitzung dem Antrag auf eine Aufstellung des Mastes kürzlich zugestimmt hatte.

Hierzu sagte Breidenbachs Bürgermeister Werner Reitz, dass diese Entscheidung während seines Urlaubs getroffen worden sei, nichtsdestotrotz wolle er in der Sache Rede und Antwort stehen. Vor allem sprach der Verwaltungschef über den Digitalfunk für die Rettungskräfte, dessen Sinn jedoch weitgehend unumstritten war. Aber am Ende räumte er ein, dass die heftige Gegenreaktion ihm deutlich gemacht habe, dass der ursprüngliche Beschluss womöglich revidiert werden müsse.

In der kommenden Woche tritt nun die Gemeindevertretung zusammen, die in öffentlicher Sitzung entweder direkt oder nach einer neuerlichen Diskussion über die Problematik in den entsprechenden Ausschüssen über das Thema beschließen wird. Wobei unter den Zuhörern in Achenbach jetzt auch der Betreiber der Windkraft-Anlagen war, der sich sehr darüber wunderte, dass der Gemeindevorstand überhaupt dem Ansinnen stattgegeben habe, obwohl ihm die Gemeinde zugesichert habe, alles zu unterlassen, was die Windkraft an dieser Stelle beeinträchtigen könne. Er sei nicht mal befragt worden zum Thema. Für die Aufstellung des Mobilfunkmastes bekäme Breidenbach eine einmalige Entschädigung von 1500 Euro, darüberhinaus von O2 und für den Digitalfunk pro Jahr jeweils 2000 Euro Entschädigung, wie Bürgermeister Reitz erläuterte. Wobei das Wort „Entschädigung“ in der Versammlung schon übel aufstieß. Peter Lauber fand: „Hier wird unsere Gesundheit verkauft.“ Ein ganz junger Besucher beschwerte sich bei seinem Bürgermeister, dass er doch eigentlich dafür Sorge tragen müsse, dass die äußersten Grenzwerte nicht erreicht würden. Die könnten doch nicht sein Maßstab sein. Ein anderer wies darauf hin, dass es früher bei der Bundeswehr auch vermeintlich gesundheitlich unbedenkliche Grenzwerte für Radaranlagen gegeben habe. Die seien falsch gewesen. Mittlerweile seien an viele - aus diesem Grund - krebserkrankte Soldaten Entschädigungen gezahlt worden.So wird es also frühestens in der kommenden Woche in Breidenbach zu einer Entscheidung kommen. Wobei das jedoch kaum Auswirkung auf den geplanten Hesselbacher Mast habe, so Walter Lauber. Auch wenn Achenbach einen Mast bekomme, seien die Planungen für Hesselbach noch nicht gestorben, wusste der Ortsvorsteher. Sein Hesselbacher Amtskollege Jürgen Tang, der auch in Achenbach war, hörte das besorgt. Auch er ermutigte die Anwesenden, sich gegen die Planungen zu wehren. Wobei Breidenbachs Bürgermeister Reitz ebenfalls über die Landesgrenze schaute und sich wunderte, wie in Bad Laasphe mitten in der Stadt ein Schornstein mit etlichen solcher Sender stehen könne. Schließlich handele es sich doch hierbei eigentlich um eine Kurstadt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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