Anklage vor Jugendschöffengericht
Acht Anklagen - Strafe ohne Bewährung

Dieses Mal kam der Angeklagte nicht mit einer Bewährungsstrafe davon.
  • Dieses Mal kam der Angeklagte nicht mit einer Bewährungsstrafe davon.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

mick Siegen. Acht Anklagen waren es, die sich der Angeklagte im Jugendschöffengericht am Dienstag vorhalten lassen musste. Es ging um mehrere Fahrten ohne Fahrerlaubnis, einen Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz, um unerlaubten Drogen- und Waffenbesitz sowie Körperverletzung, versuchte Nötigung, Beleidigung und Sachbeschädigung – all das war in gut zwölf Monaten geschehen.

Zwar kam im Falle einiger Anklagepunkte ein Freispruch heraus, für die anderen sprach Amtsrichterin Antonia Kuhli allerdings ein Jahr Jugendstrafe ohne Bewährung aus. Der Grund: die fehlende Aussicht auf eine positive Sozialprognose. Aber wie kam es zu den Taten? Mit 16 oder 17 habe er mit dem Kiffen begonnen, berichtete der junge Mann nicht ohne Stolz, nun schon einige Zeit „sauber“ zu sein. Auch von seinen alten Freunden habe er sich weitgehend losgesagt und wolle nun unbedingt eine Therapie machen. Mindestens ein Dutzend Mal gab sich der 19-Jährige reumütig: „Es war meine eigene Dummheit.“

Sozialstunden nicht abgeleistet

Seit dem Jahr 2017 war der Angeklagte immer wieder straffällig geworden. Und hier liegt das Haupthindernis für die Bewährung, die sein Verteidiger beantragt hatte. „Sie haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass Sie sich nicht bewähren können“, musste sich der Angeklagte anhören. Erst am 7. November 2019 war er vom gleichen Gericht zu einer Jugendstrafe von einem halben Jahr verurteilt worden – mit Bewährung, weil er auch damals Besserung gelobt hatte. Aber: Die 120 Sozialstunden leistete er bis heute nicht ab, „und da war noch kein Corona!“ Der Kontakt zur Bewährungshelferin habe praktisch nicht stattgefunden: „Ich weiß gar nicht, was die Frau macht.“ „Die arbeitet“, schüttelte Richterin Kuhli den Kopf: „Die hat nicht nur Sie zu betreuen!“

Es waren solche Aussagen, die das Gericht am Ende an der Zuverlässigkeit des Angeklagten zweifeln ließen. Noch schlimmer allerdings: Gerade erst unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis bestraft, war er im Dezember kurze Zeit später wegen eines solchen Vergehens aufgefallen. Bis Mitte des Jahres 2020 waren es satte vier Fälle, zum Teil unter Drogeneinfluss. Einmal stellte man eine Pistole samt Munition bei ihm sicher. „Ich wollte cool sein“, war die Begründung für die derbe Beleidigung eines Polizisten.

In einem Fall freigesprochen

Immerhin: In einem Fall wurde der Mann freigesprochen. Das Opfer einer Schlägerei versicherte, der Angeklagte habe an dem Tag ein paar Meter entfernt gestanden und nichts gemacht.

Anders war es im Falle einer Taxifahrt vom Weidenauer Bahnhof nach Gosenbach. Da war er mit einem anderen einstmals guten Freund – „ein Junkie“ – unterwegs gewesen, hatte das Taxi genommen und nicht bezahlen können. Die EC-Karte des Freundes habe nicht funktioniert. Er hörte den Taxifahrer von der Polizei sprechen und schlug zu. Aber erst, nachdem der Geschädigte ihm Pfefferspray vor die Nase gehalten habe, entschuldigte sich der Angeklagte.

Er müsse nur raus aus Siegen, „diese Stadt ist mein Gefängnis“, sagte der junge Mann beim Warten auf das Urteil auf dem Flur des Gerichtsgebäudes. Jetzt wartet erst einmal wieder die Jugendhaft.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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