SZ

Polizei greift hart durch
Alkoholisierte machen Randale am Kornmarkt

So friedlich wie auf diesem Foto, das vor einer Woche entstand, ging es an diesem Wochenende nicht zu am Kornmarkt. Zu später Stunde und bei steigendem Alkoholpegel brachen sich Aggressionen Bahn. Die Polizei musste den Platz räumen.
  • So friedlich wie auf diesem Foto, das vor einer Woche entstand, ging es an diesem Wochenende nicht zu am Kornmarkt. Zu später Stunde und bei steigendem Alkoholpegel brachen sich Aggressionen Bahn. Die Polizei musste den Platz räumen.
  • Foto: Archivbild: bjö
  • hochgeladen von Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin)

ihm Siegen. Erschreckende Bilanz des Wochenendes in der Oberstadt: Die Polizei musste sowohl in der Nacht zum Samstag als auch in der zum Sonntag ausrücken und den gesamten Platz am Rathaus räumen, weil auch mitten in der Nacht keine Ruhe einkehrte. Am Ende standen insgesamt 20 Platzverweise und acht Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung. Körperverletzung und Beleidigung. Drei Personen wurden in Gewahrsam genommen.

Vergleichsweise harmlos begann es am Freitagabend. Rund 500 Menschen versammelten sich nach Polizeiangaben auf den Stufen unterhalb der Nikolaikirche, rund um den Mikadobrunnen und in der Fissmeranlage. Sie feierten friedlich, aber lautstark, heißt es im Polizeibericht.

ihm Siegen. Erschreckende Bilanz des Wochenendes in der Oberstadt: Die Polizei musste sowohl in der Nacht zum Samstag als auch in der zum Sonntag ausrücken und den gesamten Platz am Rathaus räumen, weil auch mitten in der Nacht keine Ruhe einkehrte. Am Ende standen insgesamt 20 Platzverweise und acht Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung. Körperverletzung und Beleidigung. Drei Personen wurden in Gewahrsam genommen.

Vergleichsweise harmlos begann es am Freitagabend. Rund 500 Menschen versammelten sich nach Polizeiangaben auf den Stufen unterhalb der Nikolaikirche, rund um den Mikadobrunnen und in der Fissmeranlage. Sie feierten friedlich, aber lautstark, heißt es im Polizeibericht.

Polizei räumt den Platz

Gegen Mitternacht, so hat der CDU-Stadtverordnete Henner Klaas von Anwohnern gehört, kam eine Gruppe junger Leute die Kölner Straße hinauf – im Gepäck eine wirklich leistungsstarke Musikanlage. Jubelnd begrüßt von anderen, habe man dann aufgedreht. Anwohner riefen die Polizei, die zur Ruhe mahnte. Nach wenigen Minuten aber schwoll der Lärmpegel erneut an, sodass die Beamten gegen 1 Uhr den Kornmarkt räumten.

Ein 34-jähriger Deutscher erhielt eine Strafanzeige wegen Beleidigung – er war schon zuvor polizeibekannt. Ein Jugendlicher wurde in die Obhut der Eltern übergeben – Jugendliche unter 18 dürfen sich nach 24 Uhr nicht ohne Erziehungsberechtigte in der Öffentlichkeit aufhalten.

Zu einer regelrechten Eskalation kam es in der Nacht zum Sonntag. Rund 400 Menschen hielten sich am Fuß der Nikolaikirche auf. Die Mehrheit habe sich friedlich verhalten, schreibt die Polizei in ihrem Bericht. Aber der Alkohol floss offenbar reichlich, und einige Alkoholisierte hätten sich uneinsichtig und aggressiv verhalten. Zu sehr später Stunde, gegen 3 Uhr, mussten die Beamten, die mit nach Augenzeugenberichten mit zehn Streifenwagen angerückt waren, den Kornmarkt erneut räumen. Es flogen Flaschen, es gab Verletzte.

Sanitäter massiv bedroht

Notfallsanitäter kamen mit drei Rettungswagen in die Oberstadt, um sich um die Verletzten zu kümmern. Siegens Feuerwehrchef Matthias Ebertz berichtet der SZ von aggressiven Kornmarkt-Besuchern, die die Rettungskräfte massiv verbal angegangen seien. „Das war für unsere Leute ein Bedrohungsszenario, das ist schlimm.“ Weil innerhalb von Sekunden die verbale Aggression in Handgreiflichkeiten umschlagen könne, seien die Sanitäter stets unsicher, wann sie sich zum Eigenschutz zurückziehen müssten oder ob sie sich weiter um die Patienten kümmern könnten.

Die Bilanz der Samstagnacht: 20 Platzverweise und drei Personen in Polizeigewahrsam, weil sie die Anweisungen der Polizei missachteten. Es handelt sich um eine 19-jährige Deutsche, die bislang bei der Polizei noch nicht aufgefallen war, einen 25-jährigen Deutsch-Kasachen und einen 20-jährigen Deutschen (über einen eventuellen Migrationshintergrund gab es keine Auskunft). Beide Männer waren bereits polizeibekannt. Außerdem gab es sieben Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und Beleidigung.

Bürgermeister Mues war Augenzeuge

Bürgermeister Steffen Mues erlebte das Desaster am Kornmarkt in der Nacht zum Sonntag persönlich mit. Er wollte sich, wie schon einige Wochen zuvor, ein eigenes Bild von der Lage machen. Und die sei zunächst friedlich und entspannt gewesen, berichtet er im Gespräch mit der SZ. Kurz nach Mitternacht hätten die jungen Leute beieinander gesessen - „mit ein bisschen Wohlwollen waren auch die Abstände einigermaßen gewahrt“.

Aber dann, zwischen 0.30 und 1 Uhr, habe sich das Bild urplötzlich geändert. „Wie aus dem Nichts tauchten ganze Gruppen von jungen Männern auf dem Platz auf.“ Woher sie kamen, hat Mues nicht gesehen. Die Neuankömmlinge – ihr Alter schätzt das Stadtoberhaupt auf 20 bis 25 – hielten offenkundig nichts vom Abstandhalten. Wie Beobachter berichteten, waren es augenscheinlich großenteils Menschen mit Migrationshintergrund.

"Heftigste Schlägereien"

Sehr schnell, so Mues, sei die Polizei vor Ort gewesen, um die Corona-Bestimmungen durchzusetzen. Und dann sei es plötzlich zu heftigsten Schlägereien innerhalb oder zwischen diesen Gruppen gekommen. Die Verletzten, die die Mitarbeiter des Rettungsdienstes versorgen wollten, hätten sich recht schnell aus dem Staub gemacht – keiner legte offenbar Wert darauf, dass seine Personalien erfasst wurden.

Schluss nach Mitternacht?

Der Bürgermeister beurteilt die Situation nach diesem Wochenende anders als bisher: „Wir werden jetzt reagieren!“ Nun gehe es nicht „nur“ um Müll, Lärm und Wildpinkeln. Er werde morgen mit den anderen Verantwortungsträgern beraten, was zu tun ist. „Das Handwerkszeug ist einfach: Platzverweis und Alkoholverbot.“ Den Kornmarkt und die Stufen generell abzusperren, sei technisch schwierig und auch nicht wünschenswert, sagte Mues. „Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass man zwischen Mitternacht und 1 Uhr den Platz räumt. Denn erst kommt es ja zu den Problemen.“ Allerdings hat das Stadtoberhaupt auch die benachbarten Straßen im Blick. Wenn man den Kornmarkt sperre, verlagere sich das Geschehen womöglich woanders hin. „Wir hatten jetzt schon Vermüllung auf dem Schulhof der Realschule.“

Alkoholverbot denkbar

Das andere Instrument, ein Alkoholverbot, komme für ihn durchaus in Frage, versicherte Mues. Die gastronomischen Betriebe dürften in einem solchen Fall in ihren Biergärten weiterhin Alkohol ausschenken, aber jeglicher Außer-Haus-Verkauf sei dann ebenso wie der Konsum mitgebrachter Alkoholika verboten. „Das müssten wir rechtssicher umsetzen, wohl mit einer Allgemeinverfügung.“
Die Frage nach einer privaten Security-Einheit beantwortete Mues ablehnend. Er sei kein Freund von Sicherheitsdiensten, die das Ordnungsamt bei Einsätzen unterstützten. Die städtischen Mitarbeiter sähen mittlerweile auch recht beeindruckend aus – mit Sicherheitswesten und Handschellen. Vielleicht könne ein Streetworker noch helfen.

Kleine Schritte richtig

„Es gibt einfach eine gewisse Anzahl von Leuten, die sich nicht benehmen können“, seufzt Heinjochen Fuchs, Vorstandsmitglied der Immobilien- und Standortgemeinschaft Oberstadt (ISG), im sonntäglichen Telefonat mit der SZ. So froh die Geschäftsleute der Oberstadt sind, dass ihr Quartier auf dem Siegberg endlich wieder als „in“ gilt, so sehr bedauert Fuchs die nächtlichen Auswüchse. Er findet richtig, dass die Stadt in kleinen Schritten versucht, die Situation zu entschärfen. Die besser sichtbaren und auffällig platzierten Mülleimer und die bessere Ausschilderung der Toiletten seien sinnvoll.

Wenn das nicht reiche, könne man versuchen, die Firma Ströer als Betreiberin der Toiletten zu bitten, wenigstens jemanden abzustellen, der in der Nacht Geld wechselt – die Toilettenbenutzung kostet 50 Cent. Und wenn es gar nicht anders gehe, müsse ein Toilettenwagen herbei – möglichst umsonst, Würde die ISG diesen Wagen bestellen? „Nur in Abstimmung mit der Stadt“, antwortete Fuchs.

UWG will "Runden Tisch"

Einen „Runden Tisch“ in Sachen Sicherheitskonzept Innenstadt fordert die Siegener UWG noch vor der Kommunalwahl. Nach diesem Wochenende bestehe dringender Handlungsbedarf, das Sicherheitskonzept der Stadt sei offensichtlich nicht zielführend. Man müsse mit den Bürgern in einen offenen Dialog eintreten.

Henner Klaas hatte bereits vergangene Woche zu einem Krisengespräch am Kornmarkt gerufen. Er kündigte nun gegenüber der SZ an, dass er sich kommenden Freitag mit drei CDU-Kollegen selbst ein Bild von der Nacht am Kornmarkt machen werde.

Der Lärm ist seiner Einschätzung nach für die Anwohner das größte Problem. „Nach meinem Gefühl müsste spätestens um Mitternacht Schluss sein – so wie wir es auch bei der Außengastronomie in der Alten Poststraße beschlossen haben.“ Der Ordnungsdienst müsse stärker durchgreifen, „aber wenn die Leute keinen Respekt mehr haben ...“

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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