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SZ-Test: Ohne Verpackung einzukaufen ist vielerorts möglich
Alles lose in die Dose

Wer Müll vermeiden möchte, der sollte immer eine Dose dabeihaben. Denn die Chance ist groß, dass auch der Imbiss zwischendurch darin verpackt wird.
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  • Wer Müll vermeiden möchte, der sollte immer eine Dose dabeihaben. Denn die Chance ist groß, dass auch der Imbiss zwischendurch darin verpackt wird.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs/sos Siegen. Die Flut an Verpackungsmüll hat bisweilen absurde Züge angenommen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes fielen im Jahr 2017 sage und schreibe 18,7 Mill. Tonnen solcher Abfälle in Deutschland an – im EU-Vergleich produziert die Bundesrepublik seit Jahren den meisten Müll. Immer mehr Menschen sagen den Verpackungen aber den Kampf an, ein nachhaltiges Einkaufen liegt voll im Trend. Grund genug für die Siegener Zeitung, der Sache einmal auf den Grund zu gehen. Wie gut kann man in Siegen einkaufen, ohne dabei aberwitzige Müllberge zu produzieren? Wo funktioniert das Mitbringen von eigenen, wiederverwendbaren Behältnissen problemlos, an welcher Stelle treten Schwierigkeiten auf?

cs/sos Siegen. Die Flut an Verpackungsmüll hat bisweilen absurde Züge angenommen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes fielen im Jahr 2017 sage und schreibe 18,7 Mill. Tonnen solcher Abfälle in Deutschland an – im EU-Vergleich produziert die Bundesrepublik seit Jahren den meisten Müll. Immer mehr Menschen sagen den Verpackungen aber den Kampf an, ein nachhaltiges Einkaufen liegt voll im Trend. Grund genug für die Siegener Zeitung, der Sache einmal auf den Grund zu gehen. Wie gut kann man in Siegen einkaufen, ohne dabei aberwitzige Müllberge zu produzieren? Wo funktioniert das Mitbringen von eigenen, wiederverwendbaren Behältnissen problemlos, an welcher Stelle treten Schwierigkeiten auf?

Eigene Dosen an vielen Frischetheken kein Problem

Vor allem gekühlte Lebensmittel sind in Supermärkten häufig in Plastik verpackt. An einigen Frischetheken aber gibt es die Möglichkeit, eigene Gefäße mitzubringen und Wurst oder Käse darin einpacken zu lassen. Die Verkäuferin im Rewe-Markt in Geisweid beispielsweise schneidet die Käsescheiben wie immer ab, legt sie auf ein Papier auf der Waage und verfrachtet sie dann in die auf der Theke abgestellte Dose. Es sei nicht erlaubt, den Behälter mit auf ihre Seite zu nehmen, erklärt sie. Auch berühren dürfe sie ihn nicht. Aber das Papier, das sie als Untergrund beim Wiegen benutzt hatte, könne sie wiederverwenden.
Was bei festem Leerdamer kein Problem ist, funktioniert bei der Zwiebelcreme nicht. Denn um die Paste wiegen zu können, müsste sie auf ein Papier gestrichen werden, schließlich darf kein Gefäß in den Hygienebereich gelangen. Der Kunde könnte die Creme dann zwar abkratzen – eine Verpackungsersparnis wäre dies aber nicht, weil das Papier nun weggeworfen werden muss. Laut der Rewe-Unternehmenskommunikation wird dies bundesweit in etwa 2000 Märkten umgesetzt. Entweder bringen Kunden ihre eigenen Mehrwegboxen mit – sichtbar gereinigt und nicht aus Glas oder Holz bestehend –, oder sie kaufen sich an den Marktmetzgereien vorgereinigte Dosen. Diese werden dann auf einem Tablett hinter die Theke genommen.
Grundsätzlich könne jeder „Rewe-Markt, der sich an das national abgestimmte Handhabungskonzept hält, Kundenbehältnisse an der Bedienungstheke für Fleisch, Wurst und Käse befüllen. Alternativ kann er ein Handhabungskonzept mit dem zuständigen Veterinäramt/der zuständigen Lebensmittelüberwachung individuell abstimmen“, heißt es weiter.

Mehrweg-Salatboxen in den Dornseifer-Märkten

Einmal eine Box für 4,49 Euro gekauft, lässt sich an den Salat-Theken der Dornseifer-Märkte viel Plastikmüll einsparen.
  • Einmal eine Box für 4,49 Euro gekauft, lässt sich an den Salat-Theken der Dornseifer-Märkte viel Plastikmüll einsparen.
  • Foto: Sonja Schweisfurth
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Die Wursttheke der Edeka-Filiale in Weidenau ist auf mitgebrachte Dosen nicht eingestellt. „Wir nehmen bisher nach wie vor Papier und Tüten“, so die Verkäuferin. Alles andere sei nicht erlaubt. Wie die Edeka-Zentrale mitteilt, liege die Entscheidung darüber im Ermessen der eigenständigen Kaufleute.
Das funktioniert in den Dornseifer-Märkten deutlich besser. An den Salat-Theken können Kunden einen entsprechenden Behälter zum Preis von 4,49 Euro erwerben, der dann immer wieder verwendet werden kann. Weil das Gewicht der Box im System hinterlegt ist und an der Kasse automatisch abgezogen wird, kann ausschließlich diese Dose verwendet werden. Auch an der Frischetheke werden die Wurstwaren problemlos in die mitgebrachte Dose gepackt, die Verkäuferin achtet beim SZ-Test – wie die Mitarbeiterin im Geisweider Rewe-Markt – darauf, das Behältnis nicht zu berühren und lässt sich dieses auf einem Tablett über die Theke reichen. Beim Bezahlen wird der Salat zunächst nicht korrekt verbucht – die Kassiererin erklärt, dass sie schlicht die falsche Taste betätigt habe: „Die Salatboxen werden immer mehr genutzt, auch an der Frischetheke bringen immer mehr Kunden ihre eigenen Gefäße mit“, berichtet sie ihre Erfahrungen.

Bäckereien füllen den Kaffee kurzerhand um

Er avancierte in den vergangenen Jahren zu einem Sinnbild für klimaschädliches Verhalten, Stuttgarts ehemaliger Oberbürgermeister Fritz Kuhn bezeichnete ihn gar als „Symbol für eine Ex-und-Hopp-Gesellschaft“: den Coffee-to-go-Einwegbecher. Die Deutschen nutzen für Heißgetränke laut Umweltbundesamt jährlich 2,8 Mrd. Einwegbecher, das entspricht 34 Bechern pro Kopf. Oft landen diese mitsamt Deckel nach kurzer Zeit in der Umwelt, weil sie achtlos weggeworfen werden.
Wer seinen Kaffee unterwegs mit gutem Gewissen genießen möchte, kann das in Siegens Innenstadt problemlos tun: Sowohl die Hesse- als auch die Schneiders-Filiale am Kölner Tor füllen ihre angebotenen Heißgetränke ohne zu zögern in den vom Kunden mitgebrachten Mehrwegbecher ab. Einziger Unterschied: Die Mitarbeiter der Schneiders-Bäckerei nehmen den Becher nicht mit hinter die Verkaufstheke – aus hygienischen Gründen, wie eine Verkäuferin erklärte. So wird der Milchkaffee auf dem Thresen kurzerhand umgefüllt.

In der Siegener Hesse-Filiale am Kölner Tor wird der mitgebrachte Kaffeebecher ganz unkompliziert an der Maschine aufgefüllt.
  • In der Siegener Hesse-Filiale am Kölner Tor wird der mitgebrachte Kaffeebecher ganz unkompliziert an der Maschine aufgefüllt.
  • Foto: Christian Schwermer
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Auch am Wochenmarkt lässt sich viel Müll vermeiden

Ähnlich wird es in dem Wagen von Schinken Becker auf dem Wochenmarkt in der Siegener Oberstadt gehandhabt. Die Dose kommt auf die Theke und die Wurst hinein. Da ist es egal, welche Form, Größe oder Beschaffenheit das Gefäß hat. „Wir haben weniger Müll – und Sie auch“, freut sich die Verkäuferin.
Viele Kunden kämen auch mit Bienenwachstüchern, erzählt der junge Mann vom Marktbstand Jan van Werth Siegerland.

„Ich packe den Käse auch in die Hosentasche, wenn das jemand möchte.“

„Ich packe den Käse auch in die Hosentasche, wenn das jemand möchte“, sagt er lachend. Auch sein Kollege vom Käsehandel Simon Ebener hat bereits Erfahrungen mit Marktbesuchern, die ihre eigenen Gefäße mitbringen – inzwischen sei das sicher ein Drittel der Kundschaft, schätzt er. Gar kein Problem, sagt er. Nur den Frischkäse hat er bereits in Plastikbehälter abgefüllt. Sonst müsse dieser jede Woche kontrolliert werden.

Auch Dönerbuden machen mit

Auch die schnelle Mahlzeit zwischendurch lässt sich häufig ohne Schwierigkeiten in eigene Dosen einpacken. In den zwei besuchten Dönerimbissen Istanbul Sofra und Troja Döner Deluxe füllten die Verkäufer die Pommes ohne Wimpernzucken in die mitgebrachten Schalen ab. Größere Speisen wie Dönerteller werden laut Aussage der Verkäufer auf Wunsch ebenfalls in mitgebrachte Gefäße gefüllt. So werden die Wegwerfboxen, die sich über der Friteuse stapeln, eingespart.
Freunde der asiatischen Küche dürfen sich genau so freuen: Im Asia-Imbiss Richtung Oberstadt beispielsweise wird die Dose, die eigentlich für Butterbrote herhält, mit heißen Nudeln befüllt. Die einzige Nachfrage: „Mit oder ohne Hähnchen?“ Und wer damit umzugehen weiß, kann das Plastikbesteck durch Holzstäbchen ersetzen.

Die Nudeln wurden ohne Probleme in die Brotdose gefüllt.

Nur zaghafte Bemühungen bei Burger King und Mc Donalds

Nicht ohne Verpackung geht es bei den großen Fast-Food-Ketten Mc Donalds und Burger King. Aufgrund der strengen Vorschriften, um die Hygienestandards zu gewährleisten, „ist es nicht gestattet, Fremdkörper, wie zum Beispiel von Gästen mitgebrachte Dosen, zur Essensausgabe zu verwenden“, heißt es seitens der Pressestelle von Burger King Deutschland. „Nur durch unsere Verpackungen, Standards und Prozesse können wir unserem hohen Anspruch an Produktqualität und Hygiene gerecht werden und auch möglichen Kreuzkontaminationen vorbeugen.“ Mitgebrachte Kaffee-Mehrwegbecher hingegen würden befüllt. Zu konkreten Abfallmengen, die im Laufe eines Jahres anfallen, wollte das Unternehmen keine Auskunft geben.
Da zeigte sich Burger Kings großer Konkurrent auf dem Markt durchaus auskunftsfreudiger: 35 552 Tonnen an Papier, Pappe und Kartonagen seien im Jahr 2018 in deutschen Mc-Donalds-Restaurants angefallen, teilte die Pressestelle mit. „Die in unseren Restaurants anfallenden Abfälle werden soweit als möglich getrennt erfasst und der Wiederverwertung zugeführt“, heißt es weiter. Aber: In den Mc-Donalds-Restaurants sei es „leider nicht möglich, Produkte in von Gästen mitgebrachte Behältnisse herauszugeben, da die Verpackung bei der Zubereitung vieler Produkte in der Küche Teil des Zubereitungsprozesses ist“.
Zudem könne die Sauberkeit mitgebrachter Behältnisse durch die Mitarbeiter nicht hinreichend überprüft werden. Ähnlich wie bei Burger King sei es jedoch möglich, Heißgetränke in saubere Becher des Gastes zu füllen, und in 62 Restaurants teste man derzeit ein Pfandsystem für Kaltgetränke zur Mitnahme außer Haus. Die Reduktion von Verpackungen sei ein wichtiges Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie des Fast-Food-Giganten. Insgesamt gilt jedoch: Wer im Alltag Verpackungsmüll reduzieren möchte, sollte mit Besuchen bei Burger Kind und Mc Donalds eher sparsam umgehen.

Nachfragen lohnt immer

Der stichprobenartige Test zeigt, dass sich grundsätzlich immer ein Nachfragen lohnt, sei es beim Supermarkt nebenan, dem Händler auf dem Markt oder dem Imbiss um die Ecke. Wer Lust hat, Verpackungen im Alltag zu reduzieren oder gar zu vermeiden, der wird sicher ab und an überrascht sein, wer sich alles darauf einlässt. Und je größer die Nachfrage, desto mehr bemühen sich vielleicht auch die großen Ketten, den Wünschen der Kunden nachzukommen. Einen Versuch ist es wert.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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