An Zehnjährigem vergangen

Fünf Jahre Haft für 58-jährigen Wiederholungstäter

pebe Siegen. »Die Dinge sind in der Kammer durchaus kontrovers und umfangreich diskutiert worden.« Solche Sätze sind in einer Urteilsbegründung eher selten zu hören. Dass Richterin Bärbel Hambloch-Lauterwasser so deutlich auf divergierende Meinungen zwischen den Kammermitgliedern hinwies, konnte den 58-jährigen Angeklagten spätestens gestern zum Nachdenken bringen. Fünf Jahre soll er nach dem Willen der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Siegen in den »Bau« – verurteilt wegen versuchten und vollendeten sexuellen Missbrauchs an einem Kind in mehreren Fällen und wegen schweren sexuellen Missbrauchs. Einbezogen werden musste eine Geldstrafe des Amtsgerichts Siegen.

Es war nicht das erste Mal, dass sich der Angeklagte wegen eines Missbrauchsvorwurfs vor Gericht wiederfand. In 25 Jahren hatte er insgesamt zwölf Jahre Haft wegen einschlägiger Taten verbüßt. Einen »typischen Fall für diese Art von Straftaten« nannte die Richterin den Angeklagten und die Tatvorwürfe. »Typisch«, weil die sexuelle »Verwirrung« des 58-Jährigen schon in der Kindheit begonnen hatte: rigide Erziehungsmethoden, ein »problematisches Verhältnis zur Mutter« und während mehrerer Heimaufenthalte unfreiwillige homosexuelle Erfahrungen. »Verwahrloste sexuelle Symptomatik« habe der psychiatrische Gutachter diagnostiziert, zitierte die Richterin, der ihr Engagement trotz aller beruflichen Distanz anzumerken war. Der Angeklagte habe eine »polymorph ausgeprägte sexuelle Devianz bzw. Fixierung auf pubertierende Kinder«.

Diese hatte er auch mit einem zehnjährigen Jungen, dem Sohn einer Bekannten, ausgelebt. Zu Mutter und Sohn hatte der Angeklagte, so skizzierte die Richterin, ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Als die Mutter kurzfristig in Urlaub fahren konnte, bat sie den Angeklagten, sich um ihren Sohn zu kümmern. Die Folge: mehrere sexuelle Übergriffe. Davon sollte der Junge seiner Mutter nichts erzählen. Ein Dreivierteljahr später missbrauchte der Angeklagte den Jungen erneut. Verhaftet wurde er schließlich, weil ein Nachbar lange Ohren bekam, als der Zehnjährige sich mit anderen Kindern über Sexualpraktiken unterhielt.

Der Junge sei in seinen Aussagen völlig glaubwürdig, habe keinerlei Belastungstendenzen gezeigt, und seine Aussage sei »völlig unverdächtig entstanden«, sagte die Richterin. Für das Geschehen spreche auch das »Verschwiegenheitsgebot als typisches Merkmal für Missbrauch«. Hinweise auf körperliche Schäden seien bei dem Jungen nach den Geschehnissen nicht festgestellt worden. Auch für bleibende seelische Schädigungen gebe es derzeit keinen Anhaltspunkt.

Dies spreche denn auch für den Angeklagten, wie auch die Tatsache, dass er zumindest ein Teilgeständnis abgelegt habe und »zumindest eine verbale Einsicht in die Notwendigkeit einer Therapie« zeige. Gegen den 58-Jährigen spreche, dass er ein »krasser Wiederholungstäter« sei: »Die letzte Strafe ist ein Jahr vorbei, da geht es schon wieder los.« Trotz des Wissens um seine Gefährdung habe er nicht abgelehnt, den Jungen zu betreuen. So habe er zusätzlich auch noch das Vertrauen der Mutter und des Kindes ausgenutzt. Verminderte Schuldfähigkeit stellte das Gericht beim Angeklagten nicht positiv fest. Es folgte damit dem Psychiater, der eine solche Einschränkung lediglich nicht ausschließen mochte.

Die fünf Jahre Haft mit anschließender Führungsaufsicht seien »ausreichend und angemessen«, betonte Hambloch-Lauterwasser. »Es wäre nun wünschenswert, wenn die Vollstreckung der Strafe da durchgeführt würde, wo der Angeklagte eine Sexualtherapie machen kann«, meinte die Richterin und dann, zum Angeklagten gewandt: »Sie sollten alle Hebel für eine Therapiemaßnahme in Bewegung setzen, sonst wird das nichts mehr.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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