Anders ist anders

 Graffitikünstler Julian Irlich will nicht so gerne in die Zeitung, erst recht nicht auf ein Foto, sondern lässt lieber seine Arbeiten für sich sprechen. Foto: ne
  • Graffitikünstler Julian Irlich will nicht so gerne in die Zeitung, erst recht nicht auf ein Foto, sondern lässt lieber seine Arbeiten für sich sprechen. Foto: ne
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

ne - „Graffiti mal anders“ ist die kleine Bilderschau betitelt, die der junge Writer Julian Irlich im Eingangsbereich des Siegener Jugendzentrums Bluebox in der Sandstraße 54 präsentierte. Die rund dreizehn klein- bis mittelformatigen Arbeiten, Acryl auf Leinwand, die zur Vernissage in Petersburger Hängung auf einer rund drei Meter großen Pinnwand ausgestellt sind – der Künstler hat angekündigt, bis zum gestrigen Ausstellungsende noch ein paar mehr zu zeigen – scheinen nur denjenigen Interessierten „anders“ zu sein, die sich unter dem Begriff Graffiti ausschließlich mit Farb-Spraydosen hergestellte, wandgroße, bonbonbunte Writings vorstellen.

Der 1992 in Kirchen geborene Brachbacher, der versichert, in keiner Crew zu sein oder gar illegal unterwegs, widmet sich dem visuellen Ausdruck der Hip-Hop-Szene seit gut sieben Jahren. Da war er 15 Jahre alt und entdeckte die bunten, dynamischen Ausdrucksformen für sich, die ein Lebensgefühl in beschleunigte, visuell irritierende Symbole und Typografien packen, probierte aus, mit dem Ziel eines eigenen Stils, einer eigenen, unverwechselbaren Handschrift. Ehrensache beim Graffiti.

Seine erste Einzelausstellung ist ein bisschen lieblos inszeniert, da hätte man sich mehr Engagement seitens der gastgebenden Institution gewünscht, doch die Arbeiten lohnen den Blick: Traditionelle Characters, etwa die personifizierten Cans, sind schön grafisch-dynamisch von der Kontur her in Szene gesetzt, Umrandungen, Typografien, die so typischen Sfumato-Stellen, das Sprühneblige in Hintergrund und Binnenstruktur der Zeichen verblüfft durch raumsuggerierende Perfektion.

Zirkuswagen hat Irlich schon gestalten können beim Zirkus Trumpf, Garagentore oder Zimmerwände privater Mäzene, eine Wand im Freudenberger Jugendzentrum, seine Leinwandbilder finden erste Käufer. Graffitis, das beweist der junge Künstler, haben ihre Plätze in Unterführungen, dunklen Ecken, Tiefgaragen, auf Brandmauern und Eisenbahnzügen längst verlassen und zeigen sich im legalen Weiß gut gehüteter Galerieräume. Oder im Eingangsbereich der Bluebox: Zwischen Feuerlöscher und Plastikmülleimer bleiben sie fröhlich und erfrischend, wie ursprünglich gedacht. Schön, dass sich im Kunstsommer Jugendkulturkunst positionieren konnte, wahrgenommen wird, obwohl (noch) abseits des Kulturmainstreams.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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