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BIS AUF WEITERES
Andi, Iqbal und Helene

SZ-Redakteur Andreas Goebel.

In mir laufen bei vielen Liedern, die ich höre, Erinnerungsfilmchen ab. Musikstücke sind für mich Mutterschiffe der Gefühle, in guten wie in schlechten Zeiten. Als ich zum Beispiel Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer auf „Highway to Hell“ habe tanzen sehen, war es bei mir aus mit dem Lied. Er hat es für immer versaut. An empfindsameren Tagen bin ich besonders empfänglich für Melodien. In solchen Momenten verschmelzen bestimmte Harmonien mit Szenen aus meinem Leben und den dazugehörigen Gefühlen auf ewig miteinander, so als zögen sich in meinem Frontalhirn Kabelbinder klickend um die betreffenden Synapsen.

Mit den Jahren ist es im Oberstübchen voller geworden. Neulich hörte ich nach langer Zeit mal wieder „Beds are Burning“ von Midnight Oil. Diesen Gassenhauer kennen Sie vielleicht.

In mir laufen bei vielen Liedern, die ich höre, Erinnerungsfilmchen ab. Musikstücke sind für mich Mutterschiffe der Gefühle, in guten wie in schlechten Zeiten. Als ich zum Beispiel Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer auf „Highway to Hell“ habe tanzen sehen, war es bei mir aus mit dem Lied. Er hat es für immer versaut. An empfindsameren Tagen bin ich besonders empfänglich für Melodien. In solchen Momenten verschmelzen bestimmte Harmonien mit Szenen aus meinem Leben und den dazugehörigen Gefühlen auf ewig miteinander, so als zögen sich in meinem Frontalhirn Kabelbinder klickend um die betreffenden Synapsen.

Mit den Jahren ist es im Oberstübchen voller geworden. Neulich hörte ich nach langer Zeit mal wieder „Beds are Burning“ von Midnight Oil. Diesen Gassenhauer kennen Sie vielleicht. Der Song war in der großen WG in Edinburgh, wo ich 1989/90 mal illegal (also ohne Miete zu zahlen) gelebt habe, unser Erkennungslied. Wenn der Vermieter, ein Pakistaner namens Iqbal, gesehen worden war, musste man flott sein. Iqbal ließ sich die Miete nicht überweisen, sondern kassierte sie in bar ab in den ersten Tagen des Monats. Wenn aus dem Zimmer meiner Mitbewohnerin Alison in ohrenbetäubender Lautstärke der Refrain ertönte, nämlich: „The time has come … to pay the rent“, war es für mich höchste Eisenbahn, das Haus über den Hintereingang zu verlassen.

Die Einheit Musik/Erinnerung ist nicht auf meine Jugend beschränkt. Es ist noch heute so. Meine innere Landkarte ist gepflastert mit musikalisch-biografischer Topografie, angefangen vom Radetzkymarsch, wo ich stets das verzückte Gesicht meines Opas Jupp inmitten seiner Kyffhäuser-Kameraden vor mir sehe, bis zu Helene Fischers „Atemlos“. Ich singe bei dem Lied immer „Hackevoll durch die Nacht“ mit, seit ich die interessante Coverversion auf Youtube gesehen habe.
Vielleicht sitzen wir ja in 20 Jahren alle auf einem brennenden Bett – der Andi, die Helene, der Iqbal und ich. Wir sind in rasender Fahrt auf einem Highway unterwegs, mit unbestimmtem Ziel. Als Soundtrack könnte ich mir gut den Radetzkymarsch vorstellen.
a.goebel@siegener-zeitung.de

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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