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Schwimmen für Kinder
Anfängerkurse sind Mangelware

Damit der Nachwuchs seine Schwimmflügel ablegen kann, helfen in aller Regel Anfängerkurse. Was aber, wenn die ständig ausgebucht sind?
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nja Siegen/Kreuztal. Über  120 Anfragen auf 40 freie Plätze in den Schwimmkursen, angeboten von der Stadt Kreuztal im Rahmen ihrer sommerlichen Ferienspiele – diese Zahlen sprechen Bände und spiegeln die Situation in der Region ganz gut wider. Während der Corona-Lockdowns fielen Schulschwimmen und privat gebuchte Kurse über viele Monate lang aus, der Nachholbedarf ist daher groß. Schwierig gestaltet sich laut Stadt Kreuztal auch die Suche nach geeigneten Lehrern: Die Trainer sind heiß begehrt. Kreuztal wird daher im kommenden Jahr das hauptamtliche Personal des Buschhüttener Freibads in die Ferienkurse einbinden.

Die kleine Nele aus Ferndorf hatte Glück.

nja Siegen/Kreuztal. Über  120 Anfragen auf 40 freie Plätze in den Schwimmkursen, angeboten von der Stadt Kreuztal im Rahmen ihrer sommerlichen Ferienspiele – diese Zahlen sprechen Bände und spiegeln die Situation in der Region ganz gut wider. Während der Corona-Lockdowns fielen Schulschwimmen und privat gebuchte Kurse über viele Monate lang aus, der Nachholbedarf ist daher groß. Schwierig gestaltet sich laut Stadt Kreuztal auch die Suche nach geeigneten Lehrern: Die Trainer sind heiß begehrt. Kreuztal wird daher im kommenden Jahr das hauptamtliche Personal des Buschhüttener Freibads in die Ferienkurse einbinden.

Die kleine Nele aus Ferndorf hatte Glück. Sie musste im Sommer – zur Überraschung ihrer Eltern – gar nicht lange warten, um „zum Zug“ zu kommen: In einer kommerziellen Siegener Schwimmschule lernte sie flugs die sichere Fortbewegung im Wasser. Eine Ausnahme? Wie ist die derzeitige Lage hier bei uns in der Region? Die SZ fragte hier und da nach.

Schwimmen für Kinder: SG Wellenbrecher

Die SG Wellenbrecher, die das nasse Element im Dahlbrucher Hallenbad nutzt, bietet seit Beginn der Pandemie keine Anfängerkurse mehr an. Zu schwierig sei es, Abstandsregeln einzuhalten, daher warte man den bevorstehenden Winter auf alle Fälle noch ab, sagt Vorsitzender Jan Strackbein. Zu unsicher sei zudem die Pandemie-Lage: „Es ist doch unbefriedigend für alle, wenn Kurse anlaufen und dann wieder unterbrochen werden müssen.“ Der normale Unterricht für all jene, die zumindest im Besitz des Seepferdchen-Abzeichens sind, laufe aber. Einigen Kindern, die im vergangenen Jahr schwimmen gelernt haben, müsse man das Streckenschwimmen – über eine Bahn hinaus – erst wieder beibringen.

Es ist doch unbefriedigend für alle, wenn Kurse anlaufen und dann wieder unterbrochen werden müssen.
Jan Strackbein
Vorsitzender SG Wellenbrecher

Strackbein gehört auch zum Vorstand des DLRG-Bezirks Siegen-Wittgenstein und weiß, dass einige Ortsgruppen wieder Anfängerkurse anbieten. Vermehrt gebe es zurzeit auch wieder Auffrischungskurse für Rettungsschwimmer. Die Befähigung dazu muss alle zwei Jahre nachgewiesen werden: Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Freibäder im Sommer mit fachlich versiertem Personal besetzt sind.

Aufnahmestopp in Siegen

"Wir bieten auch in den Herbstferien das Kinderschwimmtraining an, um jede Möglichkeit  auszunutzen. Trotzdem ist die Warteliste so lang geworden, dass wir uns mittlerweile für einen Aufnahmestopp entschieden haben, da die Wartezeit von der Anmeldung bis zur Teilnahmemöglichkeit nicht gut vorauszusagen ist und sich im Zweifel über viele Wochen hinziehen kann", sagt  Felix Besser von der DLRG-Ortsgruppe Siegen.  "Die neue Corona-Verordnung erlaubt uns aber wieder in größeren Gruppen zu trainieren. Dadurch haben wir die Trainingszeit für die Lernanfänger verlängert und können anstatt des Schichtbetriebs wieder ein normales Training anbieten." Diesen bisherigen Betrieb weiterhin, aber mit größeren Gruppen aufrecht zu erhalten,  würde zu viel Personal erfordern, "außerdem wären dann besonders viele Kinder in den Umkleiden, Duschen und Gängen, wodurch es wieder schwierig wäre, die Abstände einzuhalten. Zudem haben wir festgestellt, dass wir diese zusätzliche Zeit, die wir jetzt für ein Kind haben, eigentlich brauchen, damit es vernünftig Schwimmen lernen kann".

Schwimmen für Kinder: DLRG-Ortsgruppe Weidenau

„Unsere Warteliste für die Schwimmanfänger erstreckt sich derzeit über zwei Jahre – und dies, obwohl wir zwei Kurse zusätzlich anbieten“, sagt Katja Scholz, Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Weidenau. „Seepferdchen“ werden noch aufgenommen, „aber auch hier stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenzen“. Dies gelte außerdem für die ehrenamtlichen Übungsleiter, rund 50 Frauen und Männer. „Viele Eltern haben derweil versucht, ihren Kindern das Schwimmen eigenständig beizubringen.“ Grundsätzlich eine gute Idee – wenn sie denn auch richtig und zielführend umgesetzt wird. Indes: „Vielen dieser Kinder fehlt das Gefühl, dass das Wasser sie trägt. Sie haben z. B. nicht gelernt zu gleiten. Die Eltern haben direkt mit den Schwimmbewegungen angefangen“, sagt Scholz. Dies sei nicht immer zielführend. 

Ihre Empfehlung an Mamas und Papas, die die Wartezeit auf einen Kurs nicht tatenlos verstreichen lassen wollen: „Versuchen Sie, mit ihren Kindern im Wasser zu spielen und ihnen auf diese Weise die Angst zu nehmen.“ Die Orientierung unter Wasser – Stichwort: Augen auf – sei ebenfalls ganz wichtig. Die Arbeit der Ehrenamtler beginne nicht selten schon beim Duschen: „Es gibt Jungen und Mädchen, die haben schon Angst vor Shampoo in den Augen.“


Schwimmen für Kinder: DLRG-Ortsgruppe Bad Berleburg

Bei der DLRG-Ortsgruppe Bad Berleburg werden Jungs und Mädels ab vier Jahren schon spielerisch ans Wasser gewöhnt. Auf der Warteliste für die Nichtschwimmer stehen derzeit 73 Namen, sagt Vorsitzender Carsten Mosch. Bis zu anderthalb Jahre Wartezeit lassen ihn darüber nachdenken, die Liste erst einmal zu schließen. Die Gruppenstärke wurde vorsichtshalber um etwa die Hälfte reduziert. Die Übungsleiter tragen am Beckenrand Maske, im Wasser ein Visier. „Das dient dem Infektionsschutz, schafft andererseits aber auch Barrieren“, so Mosch. „Kinder distanzieren sich – und verstehen uns oft nicht. Das ist keine gute Lernatmosphäre.“ Aber besser als nichts.

Eltern müssen ihre Kinder hier jede Woche neu online für die Übungsstunde anmelden – das erleichtert den Überblick und die Kontaktnachverfolgung. Nach den Herbstferien beginnt auch wieder die Kooperation mit der örtlichen Burgfeldschule. Ein weiterer, vorsichtiger Schritt Richtung Normalität.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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