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Keine Tötungsabsicht
Angeklagter bestreitet Mordmotiv

Ein  28-jähriger Mann muss sich vor dem Siegener Landgericht verantworten. Er soll am 23. April  einen früheren Geschäftspartner (44) in dessen Wilnsdorfer Wohnung haben.
  • Ein 28-jähriger Mann muss sich vor dem Siegener Landgericht verantworten. Er soll am 23. April einen früheren Geschäftspartner (44) in dessen Wilnsdorfer Wohnung haben.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

mick Siegen. Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall offensichtlich klar. Mord aus Habgier steht in der Anklage, die einem 28-jährigen Mann vorwirft, am Abend des 23. April 2020 einen früheren Geschäftspartner (44) in dessen Wilnsdorfer Wohnung aufgesucht und erstochen zu haben. Gut drei Wochen nach deren Verlesung kommt nun der Angeklagte zu Wort. In Person seines Verteidigers streitet er die Tat an sich nicht ab. Die Hintergründe allerdings lassen die Frage aufkommen, ob es sich wirklich um eine Tötung aus niedrigen Beweggründen gehandelt hat. Oder nur einen Totschlag. War es vielleicht sogar eine Notwehrhandlung?
Bei Vernehmung falsch übersetzt?

mick Siegen. Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall offensichtlich klar. Mord aus Habgier steht in der Anklage, die einem 28-jährigen Mann vorwirft, am Abend des 23. April 2020 einen früheren Geschäftspartner (44) in dessen Wilnsdorfer Wohnung aufgesucht und erstochen zu haben. Gut drei Wochen nach deren Verlesung kommt nun der Angeklagte zu Wort. In Person seines Verteidigers streitet er die Tat an sich nicht ab. Die Hintergründe allerdings lassen die Frage aufkommen, ob es sich wirklich um eine Tötung aus niedrigen Beweggründen gehandelt hat. Oder nur einen Totschlag. War es vielleicht sogar eine Notwehrhandlung?

Bei Vernehmung falsch übersetzt?

Was Anwalt Carsten Marx da am Dienstag vorträgt, klingt wie ein Drama, ein bitterböses Spiel, in das der junge Mann hineingeraten ist, der die russische und moldawische Staatsangehörigkeit besitzt. Ein Spiel mit einer gefährlichen Verbrecherbande, die als „Arbeitsvermittlung“ agiert. Zum Auftakt betont Marx, dass die Formulierung bei der polizeilichen Vernehmung seines Mandanten, dieser wäre nach Wilnsdorf gefahren, um das Opfer zu töten, nicht korrekt sei. Der Satz müsse wohl auf eine falsche Übersetzung zurückgehen. „Er war schockiert, als ich ihn damit konfrontiert habe und möchte das klarstellen“, sagt Marx. Der Angeklagte sei mit dem später Getöteten und weiteren Angehörigen einer Arbeitsvermittlung, die aber nicht legal, sondern eher eine kriminelle Vereinigung sei, in Berührung gekommen, die ihn ständig und immer stärker unter Druck gesetzt habe. Sein Mandant sei gezwungen worden, jeden Monat 500 Euro an die Gruppe zu zahlen, was er sich eigentlich gar nicht habe leisten können: „Er hat es sich vom Munde abgespart und zum Teil auch geliehen.“ Einige Male sei bezahlt worden, dann nicht mehr. Der Mandant wisse von einem Fall, wo sein späteres Opfer die 500 Euro per Western Union an dessen Ehefrau überwiesen hätte, mit dem diese eine versetzte Goldkette im Pfandhaus ausgelöst habe.

Erpresser drohte am Telefon

Der Mandant habe versucht, das Geld für die Reparatur von der Bande einzufordern, bei einem Treffen in einem Hotel. Dort sei dem Mandanten eröffnet worden, er bekomme nichts, schulde den „Arbeitsvermittlern“ vielmehr ab sofort weitere 20 000 Euro, die er zeitig bezahlen solle. Im anderen Fall könne es seiner Familie in Moldawien schlecht ergehen.
„Er solle sich das gut überlegen“, sei gedroht worden und der Angeklagte zusätzlich „noch auf der Toilette des Hotels zusammengeschlagen“ worden, liest der Verteidiger weiter vor. Am Tattag habe es am Telefon erneut die Forderung gegeben, jetzt schnell zu zahlen, oder mit Konsequenzen zu rechnen.
Er werde ihn finden und töten, soll der Erpresser am Telefon gedroht haben, was den Angeklagten entsetzte. Der habe ein paar Bier getrunken und sei dann nach Wilnsdorf gefahren, in der Hoffnung, alles ein für alle Male zu klären. Carsten Marx betont hier erneut, dass der junge Mann nicht mit einer Tötungsabsicht nach Wilnsdorf gefahren sei.

Todesangst empfunden

Allerdings habe er ein Messer eingesteckt, um sich gegen eine mögliche weitere Aggression wehren zu können. Vor Ort sei es zum Streit gekommen, mit Schubsern von Seiten des Opfers. Der Angeklagte sei dabei zu Boden gegangen. Dort, auf dem Rücken liegend, wurde er von dem älteren Mann mit einer Hand fest am Hals gepackt und mit der anderen Hand geschlagen. Sein Mandant habe Todesangst empfunden, keine Chance gehabt, sich in dieser Lage mit den Fäusten oder anders zu wehren und schließlich das Messer gezogen, gibt der Anwalt die Einlassung wieder. An die Zahl der Stiche könne sich dieser nicht mehr erinnern.
Namen von weiteren Beteiligten oder Hintermännern werden nicht genannt. Der Angeklagte habe nach wie vor große Angst um seine Familie und auch sein eigenes Leben. Der Arm der Bande könne sogar in die JVA reichen, habe er befürchtet. Im Augenblick liege aber dort wohl keine Gefährdung vor, glaubt der Anwalt. Fragen des Gerichtes und der Staatsanwalt lässt Marx zumindest an diesem Tag nicht zu. Das Gericht verliest noch einige Gutachten, die etwa nachweisen, dass der Angeklagte zur Tatzeit Alkohol und Spuren von Amphetamin sowie Cannabis im Blut hatte. Das Verfahren wird am 9. November mit Zeugen fortgesetzt.

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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