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Vergewaltigung in Erndtebrück
Angeklagter gesteht die Tat

Vor dem Siegener Landgericht hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt.
  • Vor dem Siegener Landgericht hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt.
  • Foto: Christian Schwermer
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

mick Siegen/Erndtebrück. Für den Ehemann der Geschädigten ist es ein Moment spürbarer Erleichterung. Als der Angeklagte am Donnerstagvormittag laut „Ja, ich war es!“ in den Gerichtsaal ruft, drischt er kräftig auf die Stuhllehne. Und wundert er sich später laut darüber, dass der 22-jährige Mann noch immer auf freiem Fuß ist. Eine Unmöglichkeit für ihn und ganz Erndtebrück, bekräftigt der Mann, dessen Frau am 18. März 2020 vergewaltigt wurde, nicht weit von ihrem Haus und der Familie entfernt.

Direkt abgestritten hatte der 22-Jährige die Tat schon länger nicht mehr, vor allem nach einem ziemlich vernichtenden DNA-Gutachten. Er versuchte aber, sich auf einen völligen Blackout zurückzuziehen, die Wahrheit nicht direkt aussprechen zu müssen. Auch noch am 11.

mick Siegen/Erndtebrück. Für den Ehemann der Geschädigten ist es ein Moment spürbarer Erleichterung. Als der Angeklagte am Donnerstagvormittag laut „Ja, ich war es!“ in den Gerichtsaal ruft, drischt er kräftig auf die Stuhllehne. Und wundert er sich später laut darüber, dass der 22-jährige Mann noch immer auf freiem Fuß ist. Eine Unmöglichkeit für ihn und ganz Erndtebrück, bekräftigt der Mann, dessen Frau am 18. März 2020 vergewaltigt wurde, nicht weit von ihrem Haus und der Familie entfernt.

Direkt abgestritten hatte der 22-Jährige die Tat schon länger nicht mehr, vor allem nach einem ziemlich vernichtenden DNA-Gutachten. Er versuchte aber, sich auf einen völligen Blackout zurückzuziehen, die Wahrheit nicht direkt aussprechen zu müssen. Auch noch am 11. April bei der Untersuchung durch den Gutachter, der ihm nun am Donnerstag in der Verhandlung eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und ein Suchtproblem bescheinigt.

Gericht sieht Ausnahmesituation

Für den Tatabend kann Nervenarzt Dr. Bernd Roggenwallner für den nunmehr weitgehend als überführt geltenden Wittgensteiner aufgrund einer Alkoholisierung von 2,27 Promille zuzüglich der Einnahme diverser Drogen einen mittelschweren Rausch nicht ausschließen, mithin eine vorübergehende krankhafte seelische Störung. Chancen für eine erfolgreiche Zwangsentziehung sieht er grundsätzlich positiv, weil der Angeklagte selbst Interesse geäußert habe. Es liege auch grundsätzlich die Gefahr weiterer Straftaten vor, sagt der Sachverständige, weil der junge Mann selbst betont habe, unter Alkohol regelmäßig aggressiv zu werden. Am Ende müsse das Gericht aber über die Schwere einer Gefahr durch diese potentiellen Taten befinden.

In dieser Hinsicht gibt es bei der Kammer allerdings Bedenken, nimmt die Vorsitzende ein paar Überlegungen vorweg. „Wir gehen von einer Ausnahmesituation aus. Von einer einmaligen Tat“, sagt Richterin Elfriede Dreisbach. Sie verweist auf die vergleichsweise harmlosen Vorstrafen des jungen Mannes, die auch dazu geführt hätten, dem Antrag der Staatsanwältin auf einen Haftbefehl nicht zu entsprechen. Wie geplant, hat der Sachverständige den Angeklagten am 11. April untersucht. Das Opfer ist am Vormittag von ihm auch noch gehört worden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Danach hat Dr. Roggenwallner ebenfalls Gelegenheit, die Ex-Freundin des Angeklagten zu befragen. Sie wird zunächst darauf hingewiesen, etwaige falsche Angaben aus ihrer ersten Vernehmung noch berichtigen zu können. Damals zeigte sie sich von der Unschuld ihres Freundes unbeirrt überzeugt. Der hätte so etwas niemals tun können.

Alkoholisiert und unter Drogen

Genau dies habe er ihr auch versichert, wiederholt sie nun, hat aber noch zusätzliche Angaben zu machen. Er habe sie am Tatabend telefonisch zur Hauptschule in Erndtebrück bestellt und da bereits gesagt, dass er von einer Vergewaltigung wisse, die garantiert ihm „in die Schuhe geschoben“ werde. Weil das immer so gewesen sei. Die Zeugin beschreibt ihren „Ex“ an diesem Abend als alkoholisiert und wahrscheinlich auch unter Drogen, er habe zwischendurch geweint. Was aber in diesem Zustand für ihn nicht ungewöhnlich gewesen sei, sagt sie auf Nachfrage von Verteidiger Uwe Krechel, der sich wundert, dass sie das nicht überrascht hat.

Mit Vorwürfen des Vaters des Angeklagten konfrontiert, bestreitet sie entschieden, in der gut dreijährigen Beziehung jemals fremdgegangen zu sein, wenngleich ihr Ex-Freund immer einmal wieder behauptet hätte, sie habe „ganz Erndtebrück durch“. Sie habe ihm vertraut, ihn geliebt und ihm mit ihrer Aussage helfen wollen. Nun aber sei sie überzeugt, belogen worden zu sein, habe deshalb die Beziehung beendet. „Das ist völliger Schwachsinn“, reagiert sie auf eine ihr vorgehaltene Behauptung des Vaters, der Angeklagte habe sich nicht waschen dürfen, damit sie einen etwaigen Kontakt zu einer anderen Frau bei ihm riechen könne: „Ich habe immer wieder versucht, mit ihm zu duschen, wenn er stank!“

Spätes Geständnis besser als keins

„Das war wahr, da war nichts gelogen“, bestätigt der Angeklagte danach alle Angaben mit hängendem Kopf. Er habe die Polizei auf dem Schulhof reden hören. Oder das Opfer und ihren Mann, meint er dann, als ihm erklärt wird, die Beamten seien erst zwei Stunden später gekommen. „Das ist die Scheißhausantwort Nummer 1“, regt sich sein Verteidiger auf und will eine klare Ansage in seine Richtung und die des Opfers hören. Er habe oft partielle Blackouts, versucht es der Angeklagte. Bei einer Auseinandersetzung mit seinem Vater könne er alles erinnern, bis auf die Schlägerei und die Polizei, lässt er sich ein.

Und gibt schließlich auch noch zu, dass seine Erinnerung für den 18. März wieder einsetze, als das Opfer ihm einen Ellbogencheck versetzt habe. Dann bleibe ja nur eine Möglichkeit, wenn der wahre Täter nicht drei Minuten vorher zur Seite gegangen sei, ätzt Uwe Krechel. „Kann es sein, dass Sie es waren? Oder waren Sie es?“ Der Bonner Jurist schimpft und poltert. „Nicht mal Beelzebub oder Mephisto können Sie mehr retten“, drängt Krechel weiter, versucht dabei, seinem Mandanten zu verdeutlichen, wie positiv ein Geständnis „auch in letzter Minute“ noch für ein Urteil sein kann. Bis das „Ja, ich war es!“ schließlich kommt. Danach ist Schluss.

Urteil am 10. Mai

Staatsanwältin Jahan Memarian-Gerlach möchte etwas längere Vorbereitungszeit für ihr Plädoyer. Alle Schlussvorträge sowie das letzte Wort sollen am 10. Mai gehört werden. Am gleichen Tag will die Kammer unbedingt das Urteil fällen.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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