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Prozess um Brandstiftung im Gasthof Meier
Angeklagter muss ins Gefängnis

Nach vier Monaten ist der Prozess um die Brandstiftung im Gasthof Meier zu Ende gegangen.
  • Nach vier Monaten ist der Prozess um die Brandstiftung im Gasthof Meier zu Ende gegangen.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mick Siegen. Zwei Jahre Haft für die schwere Brandstiftung im April im Siegener Gasthof Meier und damit verbunden die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung – das ist das Urteil gegen einen 56-jährigen Siegener, der die Tat gestanden hatte. Er wollte sich in jener Nacht das Leben nehmen, hatte vorher sogar Geldscheine zerrissen. Dass er selbst überlebte und zwei weitere Menschen ebenfalls davonkamen, ist einem Glücksfall zu verdanken. Der Täter selbst änderte seine Meinung, versuchte zu fliehen und wurde vom Sohn der Eigentümerin gefunden, der ausnahmsweise in der Wohnung seiner kranken Mutter schlief.
All das bringt die 1.

mick Siegen. Zwei Jahre Haft für die schwere Brandstiftung im April im Siegener Gasthof Meier und damit verbunden die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung – das ist das Urteil gegen einen 56-jährigen Siegener, der die Tat gestanden hatte. Er wollte sich in jener Nacht das Leben nehmen, hatte vorher sogar Geldscheine zerrissen. Dass er selbst überlebte und zwei weitere Menschen ebenfalls davonkamen, ist einem Glücksfall zu verdanken. Der Täter selbst änderte seine Meinung, versuchte zu fliehen und wurde vom Sohn der Eigentümerin gefunden, der ausnahmsweise in der Wohnung seiner kranken Mutter schlief.
All das bringt die 1. große Strafkammer zu dem Schluss, dass der Angeklagte in tiefer Verzweiflung und Hilflosigkeit seinem Leben gegenüber handelte, aber dennoch in der Lage war, folgerichtige Entscheidungen zu treffen. Seine Steuerungs- und Schuldfähigkeit war zur Tatzeit eingeschränkt, aber nicht völlig ausgeschaltet.

Therapie in einer Entziehungseinrichtung keine Option

Trotzdem hat die Kammer keinen Spielraum für eine Therapie in einer Entziehungseinrichtung gesehen, wie sie vom ersten von zwei Gutachtern empfohlen wurde. Es seien keine leeren Flaschen im Zimmer des Angeklagten gefunden worden, er war zur Tatzeit nachweislich nicht betrunken. Obwohl das Gericht überzeugt ist, dass der Mann in seinem Leben durchaus verstärkt Alkohol getrunken hat, könne keine Verbindung der Brandstiftung zu einem möglichen Suchtverhalten hergestellt werden.
Überhaupt haben die Richter zum täglichen Leben des Mannes im Gasthof kaum etwas feststellen können. Er lebte dort seit Frühjahr 2020, weil seine eigene Wohnung nach einem vorherigen Feuer im August 2019 – zu dessen Hintergründen auch nichts Konkretes ermittelt werden konnte – nicht bewohnbar war. Auch die ursprünglich einmal diagnostizierte Depression wird vom Gericht nicht gesehen. Dagegen spreche sein Verhalten allgemein und auch, dass alle verabreichten Antidepressiva ohne Wirkung geblieben seien.

Angeklagter wird mit dem realen Leben nicht fertig

Nachhaltig für die Unterbringungsentscheidung sind vor allem die Aussagen des Personals der Dortmunder LWL-Klinik gewesen, in der sich der Angeklagte bereits in vorläufiger Unterbringung befindet. Danach hat sich das Verhalten des 56-jährigen Siegeners – und damit sein Gesundheitszustand – seit Monaten trotz aller Bemühungen nicht geändert. Er werde mit dem realen Leben nicht fertig, „selbst ein betreutes Wohnen würde ihn überfordern“, begründet Richterin Elfriede Dreisbach das Urteil ihrer Kammer. Der Angeklagte und nunmehr Verurteilte leide an einer hirnorganischen Störung, die vor allem auf die Kohlenmonoxidvergiftung beim ersten Brand in seiner Eigentumswohnung am 16. August 2019 zurückgehe. Eine Vorschädigung durch übermäßiges Trinken sei nicht ausgeschlossen.

"Wir werden uns sicher nicht wiedersehen"

In der Tatnacht habe sich der Ex-Betreiber eines Tattoo-Studios aus Verzweiflung über die für ihn desolate Lebenssituation umbringen wollen, aus Hilflosigkeit keine Perspektiven mehr gesehen, und er sei auch durch die schlimmen Folgen des ersten Feuers nicht vom Entzünden eines zweiten abgehalten worden – was einen hohen Sachschaden verursacht und Menschenleben gefährdet hätte.
Gutachter Dr. Bernd Roggenwallner hatte hier die Entwicklung eines Verhaltensmusters gesehen, gegen das sich der Mann nicht wehren könne, die mithin auch eine stete Wiederholungsgefahr begründe. Bewährung könne es daher nicht geben. Zudem erfordere der Gesundheitszustand die Unterbringung, betont Elfriede Dreisbach und wünscht ihrem Gegenüber alles Gute. Käme er auf freien Fuß, „wäre er sofort wieder überfordert“. Über ein mögliches Rechtsmittel könne er nun mit seinem Anwalt sprechen: „Wir werden uns sicher nicht wiedersehen.“
Damit hat das Verfahren nach fast genau vier Monaten ein Ende gefunden.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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