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Plädoyers im Prozess um Brandstiftung im Gasthof Meier
Angeklagter soll in die Psychiatrie

mick Siegen. Am Freitag, 15. Januar, soll nun endlich die Entscheidung in einer Sache fallen, die seit dem Frühherbst Thema im Siegener Landgericht ist. Dass der Angeklagte (56) im April ein Feuer in seinem Zimmer im Gasthof Meier gelegt hat, ist unstrittig und von ihm auch zugegeben. Nun geht es um die angemessene Sanktion. Die liegt für Staatsanwalt Philipp Scharfenbaum in der Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Einrichtung. Verteidiger Ihsan Tanyolu hält dagegen eine zeitlich eingegrenzte Therapie für milder und ausreichend.
Staatsanwalt glaubt nicht an Therapiefähigkeit des Mannes
Philipp Scharfenbaum glaubt im Einklang mit Gutachter Dr. Bernd Roggenwallner zumindest aktuell nicht an eine Therapiefähigkeit des Angeklagten.

mick Siegen. Am Freitag, 15. Januar, soll nun endlich die Entscheidung in einer Sache fallen, die seit dem Frühherbst Thema im Siegener Landgericht ist. Dass der Angeklagte (56) im April ein Feuer in seinem Zimmer im Gasthof Meier gelegt hat, ist unstrittig und von ihm auch zugegeben. Nun geht es um die angemessene Sanktion. Die liegt für Staatsanwalt Philipp Scharfenbaum in der Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Einrichtung. Verteidiger Ihsan Tanyolu hält dagegen eine zeitlich eingegrenzte Therapie für milder und ausreichend.

Staatsanwalt glaubt nicht an Therapiefähigkeit des Mannes

Philipp Scharfenbaum glaubt im Einklang mit Gutachter Dr. Bernd Roggenwallner zumindest aktuell nicht an eine Therapiefähigkeit des Angeklagten. Werde dieser nach einem Misserfolg aber nach ein paar Monaten in die JVA geschickt, sei diesem „überhaupt nicht geholfen“. Und dort müsste der Angeklagte dann zumindest bis zum Ablauf der Strafe bleiben, die der Staatsanwalt für die Vollendung einer schweren Brandstiftung beantragt hat: Zwei Jahre ohne Bewährung. Weil er zur Tatzeit nicht etwa schuldunfähig gewesen sei.
Und: Nur durch großes Glück seien er, die Eigentümerin und deren Sohn mit dem Leben davongekommen. Für den Anlagevertreter aus Olpe geht es in diesem Prozess um zwei wesentliche Aspekte, den Schutz der Allgemeinheit und die Hilfe für den Angeklagten. „Er ist kein böser Mensch, er ist ein kranker Mensch“, betont Scharfenbaum.

Verteidigung möchte geringere Strafe

Daraus resultiere aber eine Gefahr für die Allgemeinheit. Mit dem – zweiten – Gutachter geht der Staatsanwalt davon aus, dass der Angeklagte aufgrund einer hirnorganischen Schädigung nicht in der Lage ist, ein normales Alltagsleben zu führen. Durch diese Erkrankung vermöge er es zugleich nicht, in Krisenzeiten andere Lösungsmittel zu nutzen, als Feuer zu legen. Anwalt Ihsan Tanyolu schließt sich danach weitgehend den Ausführungen des Staatsanwaltes an. Er möchte allerdings eine geringere Strafe und sieht beide psychiatrische Gutachten nicht übermäßig geglückt.
Vor allem kritisiert er die Einschätzung Dr. Roggenwallners, sein Mandant sei nicht fähig, mit den Problemen des Alltags umzugehen. Dieser habe im Gasthof gelebt, sich selbst verpflegt, die Miete bezahlt und auch sonst derart eigenständig gewirtschaftet, dass der damalige Betreuer eine weitere Unterstützung nicht mehr für nötig gehalten hätte. Tanyolu verweist auch auf dessen Beobachtungen, dass sich der Zustand des Mandanten nach der Entlassung aus der Psychiatrie in Folge des ersten Feuers vom 16. August 2019 deutlich verbessert hätte. Was wiederum den ersten Gutachter Dr. Thomas Schlömer bewogen hatte, eine Therapie in einer Entziehungseinrichtung trotz vieler Hindernisse für machbar anzunehmen.

Ausdrücklicher Dank an die Kammer

Ungeachtet der potentiellen Gefahr eines Scheiterns und der damit verbundenen Übereinstellung in den normalen Verzug, die ihm ebenfalls Sorge bereite, sehe er als Verteidiger die Pflicht, diese mildere Maßnahme als die bessere für den Angeklagten zu beantragen. Das Ziel müsse sein, die bestmögliche Zukunft für diesen Menschen auch längerfristig in die Wege zu leiten, der bestimmt kein gefährlicher Pyromane sei, um den es so oft in ähnlichen Fällen gehe. Der Anwalt sagt ausdrücklichen Dank an die Kammer, für die Geduld und Bereitschaft, alle Möglichkeiten dieses Verfahrens zu nutzen.

Angeklagter will keinen Alkohol mehr trinken

Und dann ist der Angeklagte noch einmal an der Reihe, mit dem letzten Wort. „Wollen Sie denn auch noch etwas sagen zu dem Ganzen?“, fragt die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach. Der 56-Jährige versichert, ohnehin keinen Alkohol mehr trinken zu wollen: „Das geht doch nicht mehr!“ Dann will er einmal mehr wissen, ob er denn in seiner jetzigen Klinik in Dortmund bleiben dürfe. Das werde sich das Gericht bis zum nächsten Mal überlegen, antwortet ihm die Richterin.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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