Burbach-Prozess verspätet fortgesetzt
Angeklagter verstorben

tile Siegen. Nachdem wegen der Beerdigung eines der angeklagten Wachleute im sogenannten Burbach-Prozess, dessen Verfahren inzwischen abgetrennt worden war, die Hauptverhandlung am Mittwoch auf den frühen Nachmittag verschoben worden war - einige der mitangeklagten ehemaligen Security-Mitarbeiter begleiteten ihren toten Kollegen auf seinem letzten Gang -, konnte der Prozess trotzdem erst mit über zwei Stunden Verspätung fortgesetzt werden. Ein in Leer (Ostfriesland) wohnhafter Angeklagter hatte lange im Stau gesteckt.

Ex-Heimleiter letztmals im Zeugenstand

In der verbliebenen Zeit saß zum letzten Mal der ehemalige Leiter der Notaufnahmeeinrichtung auf der Lipper Höhe im Zeugenstand. Diesmal musste sich der 38-Jährige vor allem den Fragen der Verteidiger stellen. Insbesondere der Anwalt der mutmaßlichen Stellvertreterin des bereits verurteilten Heimleiters hatte Klärungsbedarf. Den Fokus legte er dabei auf die Frage, welche Rolle seiner Mandantin im Gesamtgefüge des Einrichtungsbetriebs zugekommen war, ob sie überhaupt Kenntnis von den Vorgängen rund um die Problemzimmer gehabt habe und wenn ja, inwieweit sie hier in Entscheidungen eingebunden war.
Der Ex-Leiter, erneut von seinem Rechtsberater unterstützt, konnte sich allerdings an wenig Konkretes erinnern. Ja, er meine, die Angeklagte habe von den Zimmern gewusst, aber an ein Gespräch mit ihr über dieses Thema, könne er sich nicht mehr erinnern. Nein, eine „echte“ Stellvertreterin sei sie nicht gewesen. So habe sie etwa nicht über das Konto bei der Sparkasse Burbach-Neunkirchen verfügen können, das u. a. zur Auszahlung der Taschengelder an die Bewohner eingerichtet worden war. Auch das intensive Nachfragen von Oberstaatsanwalt Christian Kuhli mit Verweis auf ein Meeting-Protokoll, das nahelege, dass die heute 42-Jährige durchaus in die Abläufe rund um die Problemzimmer eingebunden gewesen sein müsse, förderte keine weiteren Erinnerungen bei dem Zeugen zutage.

Weiteres Verfahren abgetrennt

Derweil wurde bekannt, dass das Verfahren eines weiteren Angeklagten separat fortgeführt wird. Zum einen habe dieser ein Geständnis angekündigt, zum anderen halte er sich nun für einige Monate im Ausland auf, teilte die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach mit. Da in der Vergangenheit Anträge anderer Anwälte auf Abtrennung der Verfahren ihrer Mandanten abgewiesen worden waren, äußerten einige Verteidiger ihren Unmut über diese mutmaßliche Ungleichbehandlung. Bis zur nächsten Woche berät die 1. große Strafkammer am Siegener Landgericht nun über einen Antrag auf eine dienstamtliche Stellungnahme in dieser Sache.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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