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Widersprüchliche Aussagen im Messerstecher-Prozess
Angeklagter wollte sich nur wehren

Vor dem Schwurgericht musste sich am Donnerstag ein Angeklagter, der mutmaßlich für eine Messerattacke in den Hals verantwortlich sein soll.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

juka Siegen. Zwei Vorfälle und viele fast komplett unterschiedliche Darstellungen. Am zweiten Prozesstag gegen einen 36-jährigen Siegener, der am 28. August 2020 an Kochs Ecke einem Bekannten unvermittelt ein Taschenmesser in den Hals gestoßen und dabei die Schlagader nur um einen knappen Zentimeter verfehlt haben soll, äußerte sich erstmals auch der Angeklagte selbst. Mit dem mutmaßlichen Opfer ist der vielleicht wichtigste Zeuge für das Gericht hingegen nicht auffindbar, wie Richterin Elfriede Dreisbach erklärte. Sami K., der sich wegen versuchtem Totschlag und schwerer Körperverletzung verantworten muss, stellte die Geschehnisse ganz anders dar, als Staatsanwältin Tabea Schneider sie in der Anklage verlesen hatte.
Algerier mit Messer am Hals verletzt
Der Ursprung lag laut K.

juka Siegen. Zwei Vorfälle und viele fast komplett unterschiedliche Darstellungen. Am zweiten Prozesstag gegen einen 36-jährigen Siegener, der am 28. August 2020 an Kochs Ecke einem Bekannten unvermittelt ein Taschenmesser in den Hals gestoßen und dabei die Schlagader nur um einen knappen Zentimeter verfehlt haben soll, äußerte sich erstmals auch der Angeklagte selbst. Mit dem mutmaßlichen Opfer ist der vielleicht wichtigste Zeuge für das Gericht hingegen nicht auffindbar, wie Richterin Elfriede Dreisbach erklärte. Sami K., der sich wegen versuchtem Totschlag und schwerer Körperverletzung verantworten muss, stellte die Geschehnisse ganz anders dar, als Staatsanwältin Tabea Schneider sie in der Anklage verlesen hatte.

Algerier mit Messer am Hals verletzt

Der Ursprung lag laut K. bereits einen Monat vor der eigentlichen Tat. Da sollen das spätere mutmaßliche Opfer und ein Kollege auf den Angeklagten losgegangen und ihn mit einem Messer bedroht haben. Der 36-Jährige habe versucht, den Angriff abzuwehren und sich dabei eine Verletzung am Arm zugezogen. Die Angreifer hätten ihn dann auf den Boden geworfen und auf ihn eingetreten, bis ihm die Flucht gelang. „Ich habe danach große Ängste entwickelt, wieder von denen angegriffen zu werden. Ich war wehrlos ausgesetzt“, sagte K. am Donnerstag aus.

Messer gezogen, um sich zu verteidigen

Der Angeklagte, der nach eigenen Angaben seit dem 14. Lebensjahr Drogen konsumiert, sich aber in eine Therapie begeben wolle, berichtet davon, dass die Angreifer auch gedroht hätten, seinem Sohn und seinem Vater etwas anzutun. Die Auseinandersetzung habe ihren Ursprung darin gehabt, dass K. vier Parfümflaschen im Wert von 200 Euro von den Männern gekauft, aber nicht bezahlt habe, erklärt der Angeklagte. Am 28. August sei er dann erneut auf die beiden Männer, von denen er auch Drogen gekauft haben will, getroffen, wieder sei er angegriffen worden. Er habe daraufhin ein Messer gezogen, um sich zu verteidigen. „Ich habe nicht gedacht, dass ich ihn lebensgefährlich verletzen könnte“, beteuert der 36-Jährige. Er habe nicht einmal gewusst, wo er ihn getroffen habe, noch habe er Blut gesehen. "Ich wollte mich nur wehren". Dennoch ergriff er mit einer Begleitung die Flucht.

„Komm wir gehen, ich habe den getötet“

Die Begleitperson sagte am Donnerstag ebenfalls aus, erinnerte sich allerdings kaum an Details und machte auch nicht den Eindruck, als wolle er zur Aufklärung beitragen. Auf die Fragen reagierte er zusehends genervt, zu einer zurückliegenden psychiatrischen Behandlung und der gestellten Diagnose wollte er keine Angaben machen. „Sie geben hier ein jämmerliches Bild ab. Wenn Sie wollten, könnten Sie uns die Wahrheit sagen. Aber Sie mauern ja nur“, monierte Dreisbach.

Angriffe vom Angeklagten ausgegangen

Dafür erklärte der zweite Mann, der mit dem Geschädigten unterwegs war, dass die Angriffe jeweils vom Angeklagten ausgegangen seien. Ende Juli sei K. auf den Mann losgegangen und habe versucht, ihn mit einem Messer am Kopf zu verletzen. Man habe ihn nur auf den Boden geschmissen, um das Messer aus der Hand zu nehmen. Auch bei der eigentlichen Tat sei K. einfach auf den Mann losgegangen und habe ihm das Messer in den Hals gerammt. Worte seien zuvor nicht gefallen. Auch von dem mutmaßlichen Konflikt aufgrund der Parfümflaschen wollte der Mann nichts wissen. Der Angeklagte habe keinerlei Geschäfte mit den beiden Männern gemacht, noch nicht einmal gekannt habe man sich, beteuert der Zeuge. Am 18. Mai wird der Prozess fortgesetzt.

Autor:

Julian Kaiser (Volontär) aus Siegen

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