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Tat am Tannenhof Wilnsdorf
Angeklagter zu langer Haftstrafe verurteilt

Der 28 Jahre alte, in Moldawien geborene Angeklagte Ion R. (l.) wurde zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Verteidiger Carsten Marx forderte einen Freispruch.
  • Der 28 Jahre alte, in Moldawien geborene Angeklagte Ion R. (l.) wurde zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Verteidiger Carsten Marx forderte einen Freispruch.
  • Foto: kay (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mick Siegen. Aus Mord ist Totschlag geworden. Der Mann, der am 23. April nach Wilnsdorf fuhr, um auf dem Tannenhof einen anderen zu erstechen, muss nach Auffassung des Siegener Schwurgerichts für elf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Dazu ist er verurteilt worden, an die Witwe und die beiden Kinder des Toten insgesamt 50 000 Euro zu zahlen, weiter noch monatliche Renten an alle drei.
Am Freitagmorgen war die Kammer zunächst der Anregung von Verteidiger Carsten Marx gefolgt und hatte den rechtlichen Hinweis gegeben, dass auch eine Verurteilung wegen Totschlages in Betracht komme. Aus Sicht aller Beteiligten hat sich durch die Hauptverhandlung nicht aufklären lassen, was die Hintergründe des Streites waren, welche Motive den Angeklagten getrieben haben könnten.

mick Siegen. Aus Mord ist Totschlag geworden. Der Mann, der am 23. April nach Wilnsdorf fuhr, um auf dem Tannenhof einen anderen zu erstechen, muss nach Auffassung des Siegener Schwurgerichts für elf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Dazu ist er verurteilt worden, an die Witwe und die beiden Kinder des Toten insgesamt 50 000 Euro zu zahlen, weiter noch monatliche Renten an alle drei.
Am Freitagmorgen war die Kammer zunächst der Anregung von Verteidiger Carsten Marx gefolgt und hatte den rechtlichen Hinweis gegeben, dass auch eine Verurteilung wegen Totschlages in Betracht komme. Aus Sicht aller Beteiligten hat sich durch die Hauptverhandlung nicht aufklären lassen, was die Hintergründe des Streites waren, welche Motive den Angeklagten getrieben haben könnten. Vor allem blieb ungewiss, ob es wirklich eine Schuld des Mannes über 20 000 Euro beim Opfer gab. Das zuvor angenommene Mordmerkmal der Habgier fiel damit weg.

Keine Gründe für die Rechtfertigung der Tat auf dem Tannenhof

Das Gericht folgte den Argumenten von Staatsanwalt und Nebenklage, sah keinerlei Gründe einer Rechtfertigung oder Entschuldigung für die Tat. Objektive Hinweise auf einen Angriff durch das Opfer seien nicht gefunden worden. Dagegen stünden 34 Stiche, davon drei sogar von hinten. Staatsanwalt Fabian Glöckner fand die Anklageschrift vom Mordmotiv abgesehen „weitgehend bestätigt“ und war überzeugt, dass der Angeklagte mit einem „selbstgefertigten Messer“ zum Tannenhof gefahren war, um sein Opfer zur Rede zu stellen und notfalls auch zu erstechen.
Dessen Geschichte über eine angebliche Erpressung durch den Geschädigten, verbunden mit Morddrohungen gegen ihn und seine Familie in Moldawien sowie eine dahinterstehende kriminelle Vereinigung, betrachtete er – wie später auch das Gericht – als eine reine Schutzbehauptung mit zum Teil lebensfremden Darstellungen. Bei der Verhaftung sei nicht davon die Rede gewesen, vielmehr habe der Angeklagte von sich aus gefragt, ob er „das A…loch“ denn auch erstochen hätte. Glöckner forderte zwölf Jahre, Nebenklagevertreter Genadi Lewinski sogar Lebenslänglich für einen aus seiner Sicht „schweren Fall des Totschlags“. Er argumentierte, der Täter sei „mit Hass“ an den Tatort gefahren, im vollen Bewusstsein, sein Opfer zu töten. Dieses habe laut vernehmlich auf dem Parkplatz gerufen, „ich habe doch Kinder“, zu diesem Zeitpunkt wohl schon einige Stiche abbekommen und den tödlichen Ernst seiner Lage erkannt, sei dann später „in den Armen seiner Frau gestorben“. Im Zuschauerraum war da Schluchzen zu hören, von den Familienmitgliedern.

Verteidigung sieht eine klare Notwehrlage

Verteidiger Carsten Marx forderte Freispruch, sah eine klare Notwehrlage, höchstens einen Notwehrexzess. Was auch immer die genauen Hintergründe seien, jedenfalls habe es eine Beziehung der Männer gegeben und das spätere Opfer letztlich den Grund gesetzt, der seinen Mandanten auf den Tannenhof führte. Dieser sei bedroht und aus seiner Sicht in Lebensgefahr gewesen, habe zugestochen, ohne zu denken. Hilfsweise beantragte Marx sieben Jahre Haft für den Fall eines Urteils wegen Totschlags. Da müssten viele mildernde Gründe zur Anrechnung kommen. Der Mandant schloss sich seinem Anwalt an, der nach dem Urteil bestätigte, Revision einlegen zu wollen. Allerdings sei für ihn mit der Verhinderung einer lebenslänglichen Strafe schon einmal ein wichtiges Ziel erreicht.

Gericht kritisiert den Angeklagten deutlich

Das Gericht kritisierte den Angeklagten. „Wir müssen nicht alles glauben, was uns erzählt wird“, bekräftigte Richterin Elfriede Dreisbach die Einschätzung, dessen Geständnis sei nicht vollwertig gewesen. Er habe lediglich seinen Verteidiger vorlesen lassen, Nachfragen seien abgelehnt worden. Zur Glaubwürdigkeitsprüfung gehöre aber auch das Nachfragen und das Beobachten, wie sich ein Angeklagter daraufhin verhalte. Daneben habe der Mann in anderen Belangen eindeutig gelogen. Er sei etwa im Frühjahr nicht obdachlos gewesen. Auch hatte er von Drohanrufen durch das Opfer am Abend vor der Tat berichtet, die sich auf beiden Mobiltelefonen aber nicht hätten nachweisen lassen.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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