Annäherung an die Gestalt

Britta Lenk stellt in Volksbank aus: »Suspension Of Disbelief«

gmz Siegen. Hell strahlen die blauen Leuchtkästen, erfüllen den Raum mit geheimnisvollem Licht, lassen die grünlich-dunklen, biomorphen Formen, die darauf »schwimmen«, lebendig scheinen. Daneben leuchten Formen, die wie stilisierte Stadtlandschaften in fröhlichen, bunten Farben wirken. Andere Leuchtkästen wiederum bannen den Blick des Betrachters mit energiegeladener, im Kreis konzentrierter Kraft. »Suspension Of Disbelief« heißt die Ausstellung der Künstlerin Britta Lenk, die heute, 19.30 Uhr, in der Volksbank-Zentrale in Siegen eröffnet wird (bis 22. Dezember). Britta Lenk hat in Siegen studiert und lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Köln und Rom.

Die »Außerkraftsetzung des Unglaubens«, so die freie Übertragung des Ausstellungstitels, die Aufhebung der Negierung, ist sicher (noch) keine affirmierende künstlerische Position, aber eine fragende Haltung, die sich der Darstellung, dem Bild, positiv nähert. Der Titel beschreibt auch Britta Lenks durchaus ungewöhnliche Arbeitsweise. In ihren Leuchtkästen, mit denen sie in das klassische Werberepertoire hineingreift, verbindet sie die Wirkung der weithin sichtbaren Botschaft mit einer Aufforderung, die Botschaft – wie die schwebende Gestaltungskraft der Wassergräser oder Algen – genauer anzusehen und auch auf die Details hinter der »plakativen« Aussage zu achten. Beim genauen Blick auf die Gräser, auf die Flächen der »Häuser« oder in die vibrierenden Kreise entdeckt man weitere Details, die dem Blick auf das Offensichtliche entgehen: So entdeckt man, dass die zunächst einheitlich wirkenden Flächen der Objekte durchzogen sind mit Öffnungen, Kratern, Brüchen, die den Blick freigeben auf darunter liegende Folien, die eine andere, nur von Nahem erkennbare Farbnuance setzen.

Man ahnt so, wie Britta Lenk arbeitet. So wird beim zweiten Blick sichtbar, dass sie auf die Kästen mit Ölstiften malt oder zeichnet, verschiedene (auch verschiedenfarbige) Folien übereinander schichtet, mit Heißluft bearbeitet, so dass sie beinahe verschmelzen oder zumindest so miteinander verbunden sind, dass sie nicht mehr zu trennen sind. Dadurch erhält die Folie eine ungewöhnliche Sprödigkeit, ungewöhnliche Verwerfungen oder spannende »Krater«, die die Materialität sichtbar machen und mit ihr die Frage nach der Wirkung und der Glaubwürdigkeit des optischen Eindrucks aufwerfen: Was ist echt, was ist Wirkung – bei diesen Arbeiten, die mit den Materialien der Werbung umgehen?

Auch in ihren weniger »leuchtenden« Arbeiten stellt Britta Lenk diese Fragen. Mit Heißkleber beispielsweise formt sie plastische Gebilde – Spiralen, Zylinder, mit den Spitzen aufeinander stehende Kegel – und klebt sie anschließend auf einen Träger. Durch die Reduktion der Dreidimensionalität erhält das zweidimensionale Bild eine Tiefe, die den Betrachter auffordert, »hinter das Bild« zu sehen. Das gleiche gilt für die Folienbilder, die die Komplexität von Farblichkeit und Materialität thematisieren, indem sie Schichten und Collagen zu einem Eindruck verbinden, der aber analysiert werden muss. – Die Aufhebung des Unglaubens erfordert eben eine fragende Auseinandersetzung!

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