AUF EIN BIER mit...
Antje Schmidt-Classen

Antje Schmidt-Classen unterstützt seit rund 40 Jahren Familien im rumänischen Siebenbürgen, gründete den Verein „Paten des Taubstummenheims Hermannstadt“.
  • Antje Schmidt-Classen unterstützt seit rund 40 Jahren Familien im rumänischen Siebenbürgen, gründete den Verein „Paten des Taubstummenheims Hermannstadt“.
  • Foto: kalle
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

kalle Siegen. Schon seit Anfang der 80er-Jahre greift sie Familien im rumänischen Siebenbürgen unter die Arme: Antje Schmidt-Classen, ehemalige Siegener Grundschullehrerin, kann sich gut an die Jahre erinnern, als viele Rumänen ihrem Land den Rücken kehrten, weil sie keine Zukunft für ihre Kinder sahen, an die schlechte Versorgungslage unter dem damaligen Diktator Nicolae Ceausescu. Und daran, dass die Lebensbedingungen auch nach dem Niedergang Ceausescus im Balkanstaat kaum besser wurden. Mittlerweile unterstützt sie seit rund 40 Jahren Familien, gründete den Verein „Paten des Taubstummenheims Hermannstadt“. Für ihren Einsatz wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, in Hermannstadt mit der Ehrenbürgerschaft. Heute kann durch die Hilfe des Vereins auch während Corona in der Taubstummenschule Unterricht stattfinden.

Frau Schmidt-Classen, was hat Sie zu dieser Hilfe in Rumänien veranlasst?

Ich hatte als Lehrerin an der Lindenbergschule Kontakt zu Siebenbürger Familien, die mir von der Not in ihrem Land berichteten. Ich konnte vieles nicht glauben, wollte mir das Land und die Menschen selbst anschauen. Also machte ich mich auf den Weg, ab der rumänischen Grenze vom Geheimdienst beobachtet. In Siebenbürgen erlebte ich traumatisierende Zustände. Es waren die Alten, die Kranken und die Behinderten, denen man keine Chance auf eine gute Zukunft gab. Hunderte Pakete mit Medikamenten und Lebensmitteln wurden danach von Siegen auf die Reise nach Transsilvanien geschickt.

Was brachte dann die großen Hilfsaktionen vieler sozialer Verbände in Rumänien ins Rollen?
Es waren die Medienberichte im TV oder den Zeitungen, die in Deutschland für eine unglaubliche Hilfsbereitschaft sorgten. Der Spiegel titelte damals „Das Land der lebenden Toten“. Die schrecklichen Bilder aus den Heimen rüttelten Europa wach. Mit dem Roten Kreuz wurde ein erster großer Transport von Siegen aus nach Siebenbürgen geschickt. Mir war aber damals schnell klar, dass man sich nicht bei der Hilfe verzetteln durfte. Das „Prinzip Gießkanne“ ließ weite Teile der Hilfe in dunklen Kanälen versickern. Ich habe dann den Verein „Paten des Taubstummenheims Hermannstadt“ mit fünf Freundinnen und meinem Sohn Arne aus der Taufe gehoben. Unser Einsatz sollte auf rechtlichen Füßen stehen. Daraus sind jetzt mittlerweile 40 Jahre geworden. Und mit Corona kamen noch einmal neue Herausforderungen. Wir haben den taubstummen Kindern alle Hilfen zukommen lassen, damit die Jungen und Mädchen nach der Schule beruflich auf eigenen Beinen stehen können. Das war unser Ziel und das ist uns auch gelungen. Zuletzt wurde die Schule von uns digital ausgestattet. So konnte auch in der Corona-Phase der Unterricht weiter durchgeführt werden. Die Taubstummenschule ist längst das Vorzeigeobjekt in Rumänien.

Für ihren Einsatz wurden Sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet und erhielten von Hermannstadt die Ehrenbürgerschaft.
Die beiden Auszeichnungen sind für mich eine Ehre, aber gleichzeitig eine große Verpflichtung, diese Hilfe auch in Zukunft weiter zu leisten. Auch 30 Jahre nach der Revolution sind es vor allem Menschen mit Behinderung, die der Hilfe bedürfen. Hier werde ich nicht lockerlassen, solange ich die Kraft dafür habe und die Spender uns treu bleiben.

Autor:

Karl-Hermann Schlabach (Redakteur) aus Siegen

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