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Uni Siegen in die Stadt
Anwohner am Häutebachweg kritisieren die Pläne

Der Häutebachweg wird zentrale Verkehrsachse für den neuen Uni-Campus Süd: allerdings in Form einer Fahrradstraße.
  • Der Häutebachweg wird zentrale Verkehrsachse für den neuen Uni-Campus Süd: allerdings in Form einer Fahrradstraße.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Siegen. „Friedrichstraße und Häutebachweg sind heutzutage nicht gerade die Perlen von Siegen.“ Verkehrsplaner Dr. Michael Baier fand am Dienstagabend deutliche Worte, als die zweite Quartiersversammlung zum groß angelegten Uni-kommt-in-die-Stadt-Projekt „Siegen.Wissen verbindet“ auf das Ende zusteuerte. Zum Leben in einer Innenstadt gehöre auch Baulärm dazu. „Sie sollten das Vorhaben als große Chance für Siegen sehen.“

Zahlreiche kritische Wortbeiträge waren in den zwei Stunden zuvor diskutiert worden – eben auch zu Baulärm und Veränderungen.

js Siegen. „Friedrichstraße und Häutebachweg sind heutzutage nicht gerade die Perlen von Siegen.“ Verkehrsplaner Dr. Michael Baier fand am Dienstagabend deutliche Worte, als die zweite Quartiersversammlung zum groß angelegten Uni-kommt-in-die-Stadt-Projekt „Siegen.Wissen verbindet“ auf das Ende zusteuerte. Zum Leben in einer Innenstadt gehöre auch Baulärm dazu. „Sie sollten das Vorhaben als große Chance für Siegen sehen.“

Zahlreiche kritische Wortbeiträge waren in den zwei Stunden zuvor diskutiert worden – eben auch zu Baulärm und Veränderungen. Anders als in der Vorwoche, als Uni-Rektor Ulf Richter und Siegens Stadtbaurat Henrik Schumann die Anrainer des künftigen Campus Nord rund um die Friedrichstraße zu einem frühzeitigen Informationsaustausch geladen hatten, brachte die zweite Runde deutlich mehr Gäste ins Gespräch. Der Campus Süd, künftige Heimat der universitären Disziplinen Bildung, Architektur und Künste, soll im Bereich des Häutebachwegs entstehen. Dort bereitet die Zukunftsvision von Stadt und Hochschule durchaus Sorge.

Uni Siegen in die Stadt: "Innenstädte verändern sich"

Die Gebäude, die auf den inzwischen von der Uni erworbenen Arealen zwischen dem heutigem Löhrtorbad und der Mediengruppe Vorländer entstehen sollen, dürften zwar deutlich „luftiger“ und weniger urban ausfallen als die nördlich des Siegbergs geplanten – das große Lob für die in ihren Details noch nicht ausgefeilten Planungen jedoch blieb aus.
Dabei hatten Schumann und Richter in ihren einleitenden Vorträgen die Vorzüge und Potenziale für die Entwicklung des städtebaulich stiefmütterlich behandelten Quartiers aufgezeigt. „Ich bin mir sicher, dass sich durch das Projekt die Qualität steigern wird und eine gut funktionierende Nachbarschaft entstehen wird“, erklärte der Stadtbaurat. „Innenstädte verändern sich, liegt in der Natur der Sache.“

Bewohner des Quartiers formulieren Sorgen

Eine deutliche Umstrukturierung wird insbesondere der Häutebachweg erfahren. Die heutige Anliegerstraße, die nur zu oft als Schleichweg genutzt wird und als kostenfreier Parkraum in der City dient, soll zur Fahrradstraße werden und nach Möglichkeit die Anbindung an die Koblenzer Straße verlieren. Das bringe Probleme mit dem Lieferverkehr, brachten einige Anwohner zur Sprache – ein Aspekt, der bei der Verkehrsplanung noch genau untersucht werde, entgegnete Schumann. „Wir machen unsere Hausaufgaben.“

Wird der Verkehr vom Häutebachweg Siegen auf die umliegenden Straßen verdrängt?

Sorge hatten einige Anwesende davor, dass die Beruhigung des Häutebachwegs zu einer Verdrängung des Verkehrs auf die umliegenden Straßen führen könnte. Auch war ihnen nicht wohl bei dem Gedanken, dass der Stadtbaurat nicht ganz ausschließen konnte, dass eines Tages auch Straßenbaubeiträge gefordert werden könnten. Darüber könne aber nur spekuliert werden zum jetzigen frühen Planungsstadium. Es gelte abzuwarten, wie viele Fördermittel in das Projekt fließen und ob am Ende ein Eigenanteil übrig bleibe, der gemäß KAG umgelegt werden müsse. „Das ist eine Wissenschaft für sich.“

Welche Gebäude überhaupt abgerissen werden sollten, wollte eine Bürgerin wissen. Bekannt und beschlossen ist, dass die Tage des Hallenbads gezählt sind. Zudem, so erklärte Richter, werden das alte Druckhaus und das Mariengebäude verschwinden. „Mit höchster Wahrscheinlichkeit“ werde auch das IKK-Gebäude abgerissen.

„Höchst übergriffig für uns Anwohner“, meinte Falk Al-Omary. Der FDP-Mann und Anrainer sprach von einem „rot-grünen“ Projekt, das den Bürgern einen bestimmten Lebensstil aufzwingen wolle. Ein Nachbar der neuen Mensa beschwerte sich darüber, dass er bei deren Bau nicht ausreichend informiert worden sei. „Das war eine schlimme Zeit für uns.“ Es müsse alles dafür getan werden, damit sich dieses Chaos nicht wiederhole.

Stadt Siegen will Betroffenen bei der Suche nach neuer Bleibe helfen

Bei einigen Anwohnern sorgt das Uni-Projekt für besonders große Bauchschmerzen – etwa bei der Frau, die sich mit einer Kindertagespflegestelle im Quartier eine nunmehr bedrohte Existenz aufgebaut hat; oder bei der Nachbarin, die zuvor am Herrengarten gelebt hat und dort schon eine Abriss-bedingte Miet-Kündigung erhielt. „Und jetzt muss ich hier auch wieder raus.“ Wann genau das sein werde, konnte Ulf Richter nicht sagen. In den nächsten zwei bis drei Jahren sei das aber noch nicht der Fall. Er sagte zu, dass er Betroffenen bei der Suche nach Ausgleichsflächen in der Stadt helfen werde.
Ein wichtiger Punkt beim Campus Süd: Die Öffnung der Weiß werde für deutlich besseren Hochwasserschutz sorgen, erklärte Stephan Roth vom Entsorgungsbetrieb der Stadt Siegen. „Für uns ist das erstmals die Chance, hier etwas deutlich zu verbessern. Dafür hätten sogar die Uni-Gebäude etwas „rücken“ müssen.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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