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Prozess um Mord in Lennestadt
Anzünden des Kindes sollte Mutter bestrafen

Die Gutachterin hält den Angeklagten für voll schuldfähig.

mick Lennestadt/Siegen. Während der Angeklagte in der vergangenen Woche keine Erklärung dafür geben konnte, warum er am 3. Mai seinen Sohn zur Bewusstlosigkeit würgte, dann anzündete und selbst aus dem Fenster sprang, hat er bei der Untersuchung durch Dr. med. Nahlah Saimeh ein mögliches Tatmotiv geliefert. Er habe ihr gegenüber bejaht, dass es durchaus eine Bestrafung für die Mutter des Kindes habe sein können.
Kombinierte PersönlichkeitsstörungDas Gutachten der Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Schwerpunkt forensische Psychiatrie, war der einzige Punkt auf dem Verhandlungsplan an diesem Donnerstag.

mick Lennestadt/Siegen. Während der Angeklagte in der vergangenen Woche keine Erklärung dafür geben konnte, warum er am 3. Mai seinen Sohn zur Bewusstlosigkeit würgte, dann anzündete und selbst aus dem Fenster sprang, hat er bei der Untersuchung durch Dr. med. Nahlah Saimeh ein mögliches Tatmotiv geliefert. Er habe ihr gegenüber bejaht, dass es durchaus eine Bestrafung für die Mutter des Kindes habe sein können.

Kombinierte Persönlichkeitsstörung

Das Gutachten der Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Schwerpunkt forensische Psychiatrie, war der einzige Punkt auf dem Verhandlungsplan an diesem Donnerstag. Sie hat eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und Borderline-Zügen festgestellt, die sich in einer völligen Unfähigkeit manifestiert, Empathie für andere Menschen zu empfinden oder gar eine Beziehung aufbauen und führen zu können. Für die erfahrene Medizinerin ist der 34-Jährige trotz Genusses von Amphetamin weder in der Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt, noch schuldunfähig.

Angeklagter sieht sich selbst als Opfer

Sie beschrieb ihn als Narzisst, der sich selbst als vornehmliches Opfer des Geschehens betrachte. Er habe sich offensichtlich tief gekränkt gefühlt wegen der Trennung von seiner Lebensgefährtin und der damit verbundenen Wegnahme seines Sohnes, den er nur noch zeitweise sehen durfte. Mit dem Tod des Kindes habe er diese Verfügungszeit der Mutter entzogen und für sich selbst „bis in die Ewigkeit“ verlängert.

Sohn war für Marokkaner Teil seiner selbst

Dabei habe der dreijährige Junge für den Täter keine eigene Persönlichkeit gehabt, war vielmehr ein Teil des Mannes selbst, über den er jederzeit und bedingungslos verfügen konnte. Hintergrund sei die Sozialisierung des Angeklagten, der in Casablanca aufwuchs, ohne jede Liebe und Erziehung. Der Mann habe die Schule früh verlassen, sich vornehmlich im Hafenviertel der marokkanischen Stadt herumgetrieben, damals nach eigenem Bekunden auch bereits einem Gleichaltrigen ein Messer in den Rücken gestoßen. Mit 16 sei er mit ein paar Freunden auf ein Schiff gestiegen, dort eingeschlafen und erst auf hoher See wieder erwacht. Er landete in Marseille, setzte dort sein ruhe- und „völlig zielloses Leben fort“, mit vielen Straftaten. Nach Aufenthalten in Belgien, Italien, Deutschland und Skandinavien sei er schließlich wieder in Deutschland gelandet. Er wisse nicht, ob er noch andere Kinder bei seinen vielen sexuellen Kontakten gezeugt hat, „das erfahre er ja nicht“.

Handgreifliche Partnerin 

Die Mutter seines getöteten Kindes habe versucht, ihn an sie zu binden, unter anderem gedroht, ihn fälschlich der Vergewaltigung zu bezichtigen. Er sei die Beziehung schließlich gegen seine Überzeugung eingegangen. Die Partnerin sei gegen ihn handgreiflich geworden. Er hingegen habe nie geschlagen, nur geschubst, aus Angst vor ihrer großen Familie. Aus Sicht des Angeklagten hat die Frau „ihn psychisch kaputtgemacht“. Weil sie ihn zu einem Leben gezwungen habe, das ihm nicht lag.

Etliche Vorstrafen

Dr. Nahlah Saimeh unterstrich damit ihren Eindruck von der Ich-Bezogenheit des jungen Mannes, der seit 2004 auch eine ordentliche Liste an Vorstrafen in Deutschland angesammelt und einige Zeit im Gefängnis verbracht hat. Er habe ihr vorgeschwärmt, in der Attendorner JVA gut bekannt zu sein, sich mit den Wärtern zu duzen. Allerdings sei die Stimmung ihm gegenüber seit der jetzigen Tat deutlich kühler geworden. Es habe sogar Morddrohungen gegeben.

Nicht empathiefähig

Der ältere Bruder des Mannes sitze in der Toskana im Gefängnis. Er habe ihn dort besucht, der Bruder sei wegen Drogenkonsums stark verändert gewesen. Das zeige, dass der Angeklagte durchaus fähig sei, solchen Persönlichkeitswandel zu erkennen, sagte die Gutachterin, die den Marokkaner dennoch wegen seiner Störung für unfähig hält, etwas für seine Mitmenschen zu empfinden. Schon in jungen Jahren habe er begonnen, sich zu ritzen und auch Suizid-Vorstellungen gehabt. Aktuell sieht die Medizinerin aber keine akute Gefahr.
Das Verfahren geht am Freitag, 11. Dezember, weiter.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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