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Nachrichtenapp „SWEN“ für die „Generation Z“
Apache 207 statt AKK

Das Gründertrio Stefan Dahlmann, Jan Gruber und Patrick Loosert will mit seiner App „SWEN“ (im Rückwärtssprech für News) „Nachrichten für die Jugendlichen wieder sexy machen“.
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  • Das Gründertrio Stefan Dahlmann, Jan Gruber und Patrick Loosert will mit seiner App „SWEN“ (im Rückwärtssprech für News) „Nachrichten für die Jugendlichen wieder sexy machen“.
  • Foto: SWEN
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

sabe Siegen. Wenn es nicht mehr möglich ist, Fakten von Fiktion zu unterscheiden, verliert Kommunikation einen großen Teil ihrer Funktion. Wenn die Kommunikationskanäle sich multiplizieren, Medien wie Facebook oder Twitter wie bei der vergangenen US-Wahl nicht länger als soziale Netzwerke, sondern als mediale Waffen genutzt werden, dann wachsen die Bühnen für Rattenfänger, dann bekommt es die Wahrheit schwer. Der objektive, ehrliche Inhalt einer Nachricht verschwindet hinter dem Getöse der „Fake News“.
Twitter statt TagesschauFür ganze Gesellschaften von morgen, so geht es etwa aus dem „Digital News Reports 2019“ des Reuters Institute hervor, nämlich vornehmlich die Generation Z (Menschen, die von 1997 bis 2012 zur Welt gekommen sind), verschiebt sich der mediale Nachrichtenkonsum.

sabe Siegen. Wenn es nicht mehr möglich ist, Fakten von Fiktion zu unterscheiden, verliert Kommunikation einen großen Teil ihrer Funktion. Wenn die Kommunikationskanäle sich multiplizieren, Medien wie Facebook oder Twitter wie bei der vergangenen US-Wahl nicht länger als soziale Netzwerke, sondern als mediale Waffen genutzt werden, dann wachsen die Bühnen für Rattenfänger, dann bekommt es die Wahrheit schwer. Der objektive, ehrliche Inhalt einer Nachricht verschwindet hinter dem Getöse der „Fake News“.

Twitter statt Tagesschau

Für ganze Gesellschaften von morgen, so geht es etwa aus dem „Digital News Reports 2019“ des Reuters Institute hervor, nämlich vornehmlich die Generation Z (Menschen, die von 1997 bis 2012 zur Welt gekommen sind), verschiebt sich der mediale Nachrichtenkonsum. Weg von Marietta Slomka, hin zu Influencern und Bloggern. Über 23 Prozent der Befragten gaben das soziale Netzwerk „Instagram“ als vorrangiges Medium an, über das sie Nachrichten konsumieren, Facebook und Youtube liegen knapp dahinter, mit jeweils 22 Prozent.

„SWEN“ will vermitteln

„SWEN“ heißt der neue Nachrichtensprecher mit Siegener Wurzeln, der da vermitteln will. Er bietet an: Apache 207 (Deutscher Rapper) statt AKK. Das Gründertrio Stefan Dahlmann, Jan Gruber und Patrick Loosert will mit seiner App „SWEN“ (im Rückwärtssprech für News) „Nachrichten für die Jugendlichen wieder sexy machen“. Der Twist: nicht nur informieren, sondern auch unterhalten. Und zwar zielgruppengerecht. „Und das geht am besten, wenn man eine gemeinsame Sprache spricht“, sagt Jan Gruber. „Der Politiker von heute drückt sich eben nicht direkt und einfach aus, da springen viele Jugendliche einfach ab. Wenn man sich mal ein Interview von Annegret Kramp-Karrenbauer anschaut, die 20 Minuten in Politikersprech um den heißen Brei herum redet, wie soll jemand, der nur Instagram und Snapchat gewohnt ist, da durchblicken?“

News in Jargonsprache

Das Ziel sei es, die Jugend da abzuholen, wo sie unterwegs ist. Und zwar fokussiert und unterhaltsam. Dabei haben sich die drei – zumindest was den Aufbau und die ausgebaute Funktionen der App betreffen – nicht nur in mancher Hinsicht bei interaktiven (und funktionierenden) Tools beliebter (Jugend-)Plattformen Inspiration geholt, sondern vor allem aus den Ent- und Empfehlungen der gewünschten Zielgruppe.
Herausgekommen ist eine Nachrichten-App mit Meta-Ebenen. Die Jugendlichen können sich entscheiden zwischen Good News, News, Motivation oder auch einem Corona-Topic. Dabei kann entweder alles im Alman-Modus (also in Hochdeutsch) oder im Bratan-Modus (Jugendsprache) rezipiert werden (auch die Namen der Modi gehen auf Jargonsprache zurück).

Alles in allem für die Generation Z

„SWEN“ ist aber auch Motivator, spuckt er seinen Usern nämlich zudem an anderer Stelle auch ein motivierendes Zitat oder zielgerichteten Inhalt zu selbst gewählten Themen im Lifestyle-Genre aus. Das können auch die neuesten Reise- oder Nachhaltigkeitstrends sein. „Alles in allem muss es sein, damit die Generation Z zuhört“, sagt Jan Gruber. Klingt cringe (Jugendwort für „seltsam“)? Macht die Nachrichtenlage aber für viele Heranwachsende eben mehr chedoo (Jugendwort für „cool“), glauben die Gründer. „Am liebsten hätten wir es, wenn uns Capital Bra oder Ufo 361 (Anm. d. Red.: beides deutsche Rapper) uns die Beiträge verfassen, das sind die Leute, die die Jugendlichen feiern, und nicht Horst Seehofer. Sie sollen aber auch verstehen, was der Innenminister zu sagen hat.“

„Der Zukunft eine Stimme geben“

„Wir verstehen uns auch als mit einem Bildungsauftrag versehen“, durch den Meinungsaustausch zu und über bestimmte Themen, könnten gerade nämlich die, die nach deutschem Wahlsystem noch zu jung zum Wählen sind, über SWEN ihre Ansichten teilen. „Ein wichtiges Thema“, findet Jan Gruber. „Die Jugend hat mit Bewegungen wie Fridays for Future gezeigt, dass sie durchaus nicht unpolitisch ist, sogar mitbestimmen will.“
Eine Lücke, die SWEN schließen soll, Dafür braucht es ein bisschen Szene, ein bisschen Subkultur und ein bisschen Mischsprache, aber vor allem: gute Vorarbeit. Sprich: guten Journalismus und ordentliche Recherche. Denn: Das dreiköpfige Team bereitet die Kernaussagen der News kurz, bündig und unterhaltsam in Jugendsprache auf (langfristig soll das nicht nur manuell, sondern automatisiert laufen), um dann später, bei tieferem Interesse, auf gut recherchierte Artikel oder Websites – beispielsweise von Zeitungen oder Nachrichtensendern (Stichwort Verwertungsgesellschaften) – weiterzuleiten. „Wenn wir es schaffen, dass die Jugendlichen durch SWEN auf einen Artikel klicken und am Ende des Tages wissen, wer für die CDU kandidiert, mitreden und diskutieren können, dann wäre eines unserer Ziele erreicht.“

Interview zum Thema mit
SZ-Lokalchef Christian Hoffmann

sabe Siegen/Olpe/WWW. Die Zeitung ist heute längst mehr als ihre Printausgabe. Sie ist eine Quelle, die neben der gedruckten Fassung auf unterschiedliche Arten, auf unterschiedlichen Endgeräten und über unterschiedliche Kanäle konsumiert wird. Gerade bei jungen Menschen verschiebt sich dabei das Konsumverhalten von Nachrichten stark (s. Haupttext). Entgegen hartnäckigen Vorurteilen („Jugendliche lesen keine Zeitung mehr“) geht aus Quellen wie der „Media-Analyse 2018“ hervor: Die Nachricht ist nicht tot. Auch nicht bei der jungen Generation. Aber die Darstellungsformate sind im Wandel – ein Gespräch über Glaubwürdigkeit, Crossmedialität und „Capital Bra“ mit dem Lokalchef der Siegener Zeitung Christian Hoffmann.

Junge Leser und Zeitung – passt das noch zusammen?

  • Ja, das passt nach wie vor zusammen. Sehr gut sogar. „Zeitung machen“ bedeutet nichts anderes, als journalistisch aufbereitete Inhalte, Nachrichten eben, zu produzieren und verständlich weiterzugeben. Ohne solche News kann ich nicht mitreden. Nicht über die Ergebnisse vom Bundesliga-Wochenende oder den neuen Dirtbikepark vor meiner Haustür und auch nicht darüber, welchen Politiker ich vielleicht wählen und damit im Rathaus oder in der Landesregierung haben möchte. 

Viele junge Menschen informieren sich aber immer mehr über soziale Medien. Ist das ein Problem – Stichwort „Fake News“?

  • Problematisch kann der Umgang mit der Präsentation der Nachricht sein, ja. Soziale Medien können anreißen, können polarisieren, können Spaß machen, können aufmerksam machen. Da ist die SZ ja mit von der Partie. Allerdings gehen Nachrichten, die über die sozialen Medien verteilt werden, nicht in die Tiefe. Ab einem bestimmten Punkt muss man also den Kanal wechseln bzw. diejenigen, die ich neugierig gemacht habe, entsprechend abholen. Da sind wir wieder bei den journalistisch aufbereiteten Inhalten. Und wenn ich die habe, und die bekomme ich von Redaktionen wie der SZ mit ihrer Ortskenntnis und dem Wissen um die Menschen und die Zusammenhänge über Zeitläufe, dann kann ich sortieren, einordnen und unterscheiden. Zwischen echten und „Fake News“. Bei uns steckt hinter jedem gesetzten Post bereits eine journalistische Recherche. Und das ist nur der Auftakt ... 

In der Tat, auch wir als SZ bespielen Social-Media-Kanäle wie Facebook oder Instagram ... 

  • ... klar, die Netzwerke gehören längst zum Alltag vieler. Also wollen wir, nicht nur, aber eben auch, mit jungen Menschen ins Gespräch kommen. Wir reichen die Hand durchs Internet und bieten dem Nutzer oder Leser oder dem Zuschauer – ob jetzt durch unsere Homepage, das E-Paper oder die sozialen Medien – an, die Nachricht oder die Geschichte in der Tiefe weiterzulesen. Gerne auch gedruckt! Stichwort „Tiefe“ noch einmal: Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass bei uns hinter jedem gesetzten Post bereits eine journalistische Recherche steckt. Und das ist nur der Auftakt ...

Was unternimmt die SZ, um die Sprache junger Leser zu sprechen und eine junge Zielgruppe zu erreichen? Wir wollen uns ja keinen Capital Bra (Rapper) als Texter besorgen.

  • Im Prinzip arbeiten wir, also Capital Bra und die Redaktion, recht ähnlich, nämlich oft mit Signalwörtern. Wir verpacken die nur ein bisschen unterschiedlich. Wir bereiten die Inhalte so auf, dass sie verständlich, lesbar, kurz und schnell konsumierbar abgenommen, gelesen oder geschaut werden können. Ich bringe mal ein Beispiel: Wir Zeitungsleute haben gestern als Überschrift „Vom Balzen, Baggern, Blickewerfen“ in fetten Lettern geschrieben. Das war doch sehr sperrig, gewollt, so mit Alliteration als Stilmittel und so. Heute machen wir das ganz „clean“, also ganz sauber und sagen: „Flirten will gelernt sein“. Punkt.
Das Gründertrio Stefan Dahlmann, Jan Gruber und Patrick Loosert will mit seiner App „SWEN“ (im Rückwärtssprech für News) „Nachrichten für die Jugendlichen wieder sexy machen“.
Die App „SWEN“ (im Rückwärtssprech für News) soll „Nachrichten für die Jugendlichen wieder sexy machen“.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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