SZ-Plus

Bundesweiter Alarmtag
App „NINA“ ein Totalausfall

Der Sirenenalarm jeden Samstag um 12 Uhr ist keine Alternative - das wurde auch im Rahmen des bundesweiten Alarmtages noch einmal deutlich.
  • Der Sirenenalarm jeden Samstag um 12 Uhr ist keine Alternative - das wurde auch im Rahmen des bundesweiten Alarmtages noch einmal deutlich.
  • Foto: Pixabay (Symbolfoto)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mir/damo Siegen/Altenkirchen. 11.04 Uhr am Donnerstag am Obergraben: Kollege Daniel steht in der Tür und horcht: „Noch immer kein Ton, ich höre nichts.“ Just in der Sekunde beginnt das Geheule, von allen Seiten sind durchs offene Fenster unterschiedliche Sirenentöne zu hören. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei, der bundesweite Alarmtag ist schon längst Geschichte.Gegen Mittag häufen sich die OnlineKommentare, die SZ hatte um Reaktionen gebeten. „Hier ging nur die Kirchenuhr“, meldet ein Leser aus Driedorf nahe der Krombachtalsperre. Aus einem Büro in Siegen-Mitte beschreibt ein User das Geräusch, „als würde der Wind leise heulen“. Kerstin Folkerts hat ihre eigene Wahrnehmung: „In Burbach ist der Drucker im Büro lauter zu hören als die Sirenen.

mir/damo Siegen/Altenkirchen. 11.04 Uhr am Donnerstag am Obergraben: Kollege Daniel steht in der Tür und horcht: „Noch immer kein Ton, ich höre nichts.“ Just in der Sekunde beginnt das Geheule, von allen Seiten sind durchs offene Fenster unterschiedliche Sirenentöne zu hören. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei, der bundesweite Alarmtag ist schon längst Geschichte.Gegen Mittag häufen sich die OnlineKommentare, die SZ hatte um Reaktionen gebeten. „Hier ging nur die Kirchenuhr“, meldet ein Leser aus Driedorf nahe der Krombachtalsperre. Aus einem Büro in Siegen-Mitte beschreibt ein User das Geräusch, „als würde der Wind leise heulen“. Kerstin Folkerts hat ihre eigene Wahrnehmung: „In Burbach ist der Drucker im Büro lauter zu hören als die Sirenen.“ Und Karola Kunze meint: „Es war leise, der Kater hat weitergeschlafen.“ Aus Lindenberg und Freudenberg werden laute Sirenen gemeldet, aus Dahlbruch und Hilchenbach ebenfalls.

Thomas Tremmel sieht viele positive Meldungen

Thomas Tremmel, im Siegener Kreishaus der Experte für den Bevölkerungsschutz, hält dagegen: „Es gab auch positive Meldungen.“ Weit über 100 Kommentare sind bei der Leitstelle bis in den Nachmittag hinein eingegangen. Allein diese Tatsache wertet Tremmel durchaus als Erfolg. Dieser Mitmacheffekt war durchaus gewollt. Alle Aussagen werden in drei Kategorien eingetütet: Sirenen nicht zu hören, Sirenen nicht gelaufen und sonstige Auffälligkeiten. Das Sammelsurium geht laut Tremmel an die Ordnungsämter und Feuerwehren. Die klären alles um die Grundfrage, ob einzelne Orte oder Wohnbezirke unterversorgt sein könnten.
153 Sirenen sind ausgelöst worden, bis Donnerstag sind ein paar Ausfälle bekannt geworden: Niederdresselndorf, Wilnsdorf Grundschule, Kaan-Marienborn.

"NINA" mit großen Problemen

Die Alarm-App „NINA“ hat Probleme bereitet, das zeichnet sich klar ab. Um 11.30 Uhr kam von dort die erste Meldung. „Das ist nicht zu akzeptieren“, stellt Tremmel trocken fest. Den Grund kennt er: „Es sollte bewusst bundesweit alarmiert werden. Wir hier in Siegen wissen, dass wir die App bei einem lokalen Bedarf sehr wohl und sehr präzise auslösen können. Beim Brand in Bad Berleburg ist das jüngst perfekt gelungen.“
Sollte wieder jeden Samstag alarmiert werden? Pünktlich um 12 Uhr. Wie immer noch auf Langeoog. „Nein, das bringt uns nicht viel. Wir wollen den Weckeffekt der Sirenen nutzen. Wenn die jeden Samstag ertönen, gewöhnen sich die Menschen daran“, lehnt Tremmel diese Alternative ab.
Zwei Sirenen-Alarmierungen im Jahr, das reicht Tremmel aus. Vielmehr hält er für dingend geboten, die noch „weißen Flecken“ ohne durchdringenden Alarm zu erkennen und abzustellen. „Parallel wollen wir überall dort, wo es geboten erscheint, mobile Sirenen einsetzen“, sagt Tremmel und meint die ländlichen Gegenden: „Wir befinden uns in einem Prozess und werden immer besser.“

Stille im AK-Land

Punkt 11 Uhr im AK-Land: Stille. Nicht eine einzige Sirene heult, und selbst die Katwarn-App schweigt. Vom bundesweiten Warntag ist nichts zu spüren. In den sozialen Netzwerken hingegen wird’s rasch lauter. „In Freusburg Totenstille“, wird vermeldet, ein anderer User wirft die Frage auf, ob hier die Planer des Berliner Flughafens am Werk waren. Und ein Unternehmer teilt mit, dass das Schweigen der Sirenen seine Pläne durchkreuzt habe: „Peinlich, peinlich. Eigentlich wollte ich die bundesweite Alarmierung nutzen, um im Betrieb eine Evakuierungs-Übung durchzuführen. Tja, das war dann wohl nix.“ SZ-Nachfrage im Kreishaus, beim Leiter der Ordnungsbehörde. Peter Deipenbrock teilt mit, dass der Kreis empfohlen habe, auf die Sirenen zu verzichten. Diese Entscheidung erklärt Deipenbrock mit einer Gegenfrage: „Warum sollen die Sirenen denn gehen, wenn es überhaupt kein Konzept gibt, was die Leute dann machen sollen?“ Schließlich könnten die Sirenen in Rheinland-Pfalz keine Rolle bei der Bevölkerungswarnung spielen – denn sie würden bei Weitem nicht die gesamte Landesfläche abdecken. Deipenbrock zitiert eine Berechnung des Landes: „Es fehlen mehr als 2000 Sirenen im Land. Und diese zu installieren, würde 45 Millionen Euro kosten.“ Auch im Kreis Altenkirchen gebe es längst nicht überall Sirenen – so sei zum Beispiel die gesamte Verbandsgemeinde Wissen sirenenlos. Deipenbrocks Fazit: „Erst einmal muss es ein Konzept zur Bevölkerungswarnung geben.“ Und er bezweifelt, dass darin Sirenen eine übergeordnete Rolle spielen können: Es gebe ja Alternativen, zum Beispiel Warn-Apps oder Durchsagen mit Lautsprecherwagen.

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen