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Index veröffentlicht: Auf dem Dorf herrscht wenig Kummer
Armut auf dem Fischbacherberg am größten

Der Armutsindex für den Fischbacherberg ist der höchste in Siegen.
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  • Der Armutsindex für den Fischbacherberg ist der höchste in Siegen.
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js Siegen. Wenn Landmaus und Stadtmaus in Äsops Fabel nach gegenseitigen Besuchen heimkehren, dann haben sie ihr jeweiliges Zuhause zu schätzen gelernt. Die einen, so könnte man die Moral aus der Antike auf uns Menschen übertragen, sind besser in der Stadt aufgehoben – andere fühlen sich wohler auf dem Land. Im Oberzentrum Siegen ist beides möglich: Die Krönchenstadt bietet sowohl urbane Bezirke wie auch beschauliche Dörfer im Grünen – ein Kontrastprogramm, das unweigerlich seine Problemlagen mit sich bringt. Denn auch beim Blick auf die Armutsgefährdung zeigen sich deutliche Unterschiede. Nicht überall im Stadtgebiet ist das Risiko, nicht über die Runden zu kommen, gleich groß. Einige Bezirke benötigen sehr viel mehr Beachtung als andere.

js Siegen. Wenn Landmaus und Stadtmaus in Äsops Fabel nach gegenseitigen Besuchen heimkehren, dann haben sie ihr jeweiliges Zuhause zu schätzen gelernt. Die einen, so könnte man die Moral aus der Antike auf uns Menschen übertragen, sind besser in der Stadt aufgehoben – andere fühlen sich wohler auf dem Land. Im Oberzentrum Siegen ist beides möglich: Die Krönchenstadt bietet sowohl urbane Bezirke wie auch beschauliche Dörfer im Grünen – ein Kontrastprogramm, das unweigerlich seine Problemlagen mit sich bringt. Denn auch beim Blick auf die Armutsgefährdung zeigen sich deutliche Unterschiede. Nicht überall im Stadtgebiet ist das Risiko, nicht über die Runden zu kommen, gleich groß. Einige Bezirke benötigen sehr viel mehr Beachtung als andere.

Vier Jahre nach der jüngsten Erhebung legt die Stadt Siegen jetzt ein aktuelles „Sozialmonitoring“ vor – eine umfangreiche Datenauswertung, die den Entscheidungsträgern aus Verwaltung und Politik als Diskussions- und Entwicklungsgrundlage an die Hand gegeben wird. Im Fokus stehen dabei in erster Linie die Faktoren, die nach bundesweitem Forschungsstand ein erhöhtes Armutsrisiko bedeuten. Grob gesagt: Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Migranten und Alleinerziehende sind mehr als andere Bevölkerungsgruppen von Armut gefährdet. Genau diese Faktoren spielen daher eine Rolle in der Sozialstudie, die die Stadt Siegen mit ihren knapp 105 000 Einwohnern in 23 Stadtteilen beleuchtet. Eine Einteilung in 36 Sozialstatisikbezirke macht eine noch genauere Betrachtung möglich.

Migrationshintergrund

Beim Migrationshintergrund der Siegener, der stadtweit bei 26 Prozent liegt (zum Vergleich 2017: 23,1 Prozent), verteilt sich ungleich auf das Gesamtgebiet. Während er in Setzen, Oberschelden und Gosenbach unter 10 Prozent liegt, hat in den Bezirken Geisweid-Dillnhütten, Geisweid-Mitte und Fischbacherberg mehr als jeder vierte Bürger einen Migrationshintergrund.

Die Jungen und die Alten

Der Jugendquotient gibt an, wie viele Kinder und Jugendliche 100 Personen im erwerbsfähigen Alter gegenüberstehen. 24 Prozent liegt der Quotient stadtweit (2015: 27 Prozent) – der geringste Wert findet sich in der Altstadt (5,2 Prozent), der höchste auf dem Fischbacherberg (41,8). Analog dazu lässt sich die Quote der über 65-Jährigen als Altenquotient angeben. In ganz Siegen beträgt dieser (unverändert) 31. Auf weniger als 20 Prozent kommen nur die Bezirke Hammerhütte, Altstadt und Zentrum. Am höchsten ist er im Geisweider Norden und in Weidenau-Mitte.

Arbeitslosigkeit

Anders als die Arbeitsamtsstatistik, die keine kleinräumigen Daten liefert, blickt das Sozialmonitoring nicht auf die Arbeitslosenquote, sondern auf die Arbeitslosenrelation. Diese bezieht sich auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Wohnort Siegen (ohne Beamte, Soldaten, Selbstständige und mithelfende Familienangehörige) und liegt stadtweit bei 8,7 Prozent (2014: 10,1 Prozent). Vergleichsweise auffällig hoch ist sie in Geisweid-Dillnhütten, Geisweid-Mitte und auf dem Fischbacherberg (jeweils über 16 Prozent).

Am Dorf, wie hier in Meiswinkel, ist die Arbeitslosigkeit gering.
  • Am Dorf, wie hier in Meiswinkel, ist die Arbeitslosigkeit gering.
  • Foto: sz-Archiv
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Am geringsten ist sie in den Dörfern. Auch die Arbeitslosenrelation der unter 25-Jährigen ist abzulesen: Bei 4,8 Prozent liegt sie stadtweit, besonders hoch in Geisweid-Dillnhütten, in Achenbach und auf dem Fischbacherberg (Werte von über 16 Prozent).

Sozialhilfeempfänger

Als klassischer Indikator für Benachteiligung, mangelnde Teilhabe und letztlich auch Armut gilt die Sozialhilfe. Die Empfängerquote liegt in Siegen bei 8,93 Prozent. Die Bandbreite zwischen den Bezirken liegt zwischen 1,4 Prozent in Setzen und 23,4 Prozent auf dem Fischbacherberg. Ebenfalls deutlich über dem Schnitt liegt sie in Geisweid-Dillnhütten, Geisweid-Mitteund auf dem Lindenberg. Die Quote der Alleinerziehenden, die Sozialhilfe erhalten, liegt bei 35 Prozent – in einigen Bezirken deutlich höher (Spitzenreiter ist der Fischbacherberg mit 66,4 Prozent). Jede(r) fünfte Minderjährige in Siegen lebt in einem Haushalt, der auf Sozialhilfe angewiesen ist – auch hier reichen die Werte von unter 6 Prozent in ländlichen Bereichen und fast 48 Prozent auf dem Fischbacherberg. Bei den Senioren liegt die Sozialhilfequote bei 4,1 Prozent stadtweit – und am höchsten in den Bezirken Hammerhütte, Zentrum und Altstadt (etwas über 10 Prozent).

Armutsindex

Unterm Strich wird Bilanz gezogen. Je nachdem, wie hoch die oben genannten Quote in den jeweiligen Bezirken ausfallen, kann die Abweichung vom stadtweiten Durchschnitt ausgewiesen werden – der so genannte Armutsindex zeigt, in welchen Teilen der Stadt die wie sehr von relativer Armut gefährdet sind.

Wo ist das Armutsrisiko hoch und wo nicht in der Stadt Siegen? Diese Karte gibt den Überblick.
  • Wo ist das Armutsrisiko hoch und wo nicht in der Stadt Siegen? Diese Karte gibt den Überblick.
  • Foto: Stadt Siegen
  • hochgeladen von Marc Thomas

Die geringste Gefahr besteht in Niedersetzen und Obersetzen, in beiden Orte ist das Risiko als „sehr niedrig“ eingestuft. „Niedrig“ ist es in Meiswinkel, Trupbach, Seelbach, Bürbach, Volnsberg, Breitenbach, Feuersbach, Oberschelden und Eiserfeld-Süd. „Hoch“ ist es im Siegener Zentrum, auf dem Lindenberg und Geisweid-Mitte. Den höchste Armutsindex weist das Sozialmonitoring für den Fischbacherberg aus.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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