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Bauen mit Holz
Auch für öffentliche Gebäude ist Holz eine Alternative

Die internationale Kindertagesstätte Bonn ist nicht nur mit Weißtanne-Lamellen verkleidet, sondern die Außenwände sind komplett aus Holz gebaut.
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  • Die internationale Kindertagesstätte Bonn ist nicht nur mit Weißtanne-Lamellen verkleidet, sondern die Außenwände sind komplett aus Holz gebaut.
  • Foto: Thomas Zwillinger
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ihm Siegen/Bad Berleburg. Eine Horrorvorstellung: Ein Hochhaus brennt, die Flammen schlagen aus den Fenstern, Menschen schreien in Panik, die Feuerwehr hat keine Chance, die Eingeschlossenen zu retten. 
Damit ein solches Szenario nie Wirklichkeit wird, gibt es in Deutschland strenge Bauvorschriften, die dem Brandschutz eine große Bedeutung beimessen. Auch wenn Bauherren immer wieder stöhnen: Der Brandschutz dient der Sicherheit und hat nichts mit überflüssiger Regelwut zu tun. 
Wichtige Vorschriften der NRW-Bauordnung, die seit 2019 in Kraft ist, betreffen die Baustoffe und deren Feuerwiderstandskraft. Faustregel: Je größer und höher ein Gebäude ist, je mehr Menschen es nutzen, desto feuerbeständiger müssen die Stoffe sein, aus denen es gebaut wird.

ihm Siegen/Bad Berleburg. Eine Horrorvorstellung: Ein Hochhaus brennt, die Flammen schlagen aus den Fenstern, Menschen schreien in Panik, die Feuerwehr hat keine Chance, die Eingeschlossenen zu retten. 
Damit ein solches Szenario nie Wirklichkeit wird, gibt es in Deutschland strenge Bauvorschriften, die dem Brandschutz eine große Bedeutung beimessen. Auch wenn Bauherren immer wieder stöhnen: Der Brandschutz dient der Sicherheit und hat nichts mit überflüssiger Regelwut zu tun. 
Wichtige Vorschriften der NRW-Bauordnung, die seit 2019 in Kraft ist, betreffen die Baustoffe und deren Feuerwiderstandskraft. Faustregel: Je größer und höher ein Gebäude ist, je mehr Menschen es nutzen, desto feuerbeständiger müssen die Stoffe sein, aus denen es gebaut wird. 

Fachwerkhäuser sind beständig

Im waldreichsten Kreis Deutschlands, in Siegen-Wittgenstein, griff man in früheren Jahrhunderten ganz selbstverständlich zum Baustoff Holz. Die Fachwerkhäuser überstanden die Zeitläufte in erstaunlich gutem Zustand – es sei denn, ein Feuer fraß sich durch die Ortschaften. Im 20. und 21. Jahrhundert ist der Baustoff Holz nach wie vor ein Thema – man denke nur an die Holzrahmenbauweise der Fertighäuser.

Holz leistet Beitrag zum Klimaschutz

Holz ist ein schneller, flexibler, leichter und gleichzeitig hoch belastbarer Baustoff, bietet sehr guten Wärmeschutz und Wohnbehagen und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz wegen des in ihm gespeicherten CO2. Aber eine Schule oder eine Turnhalle aus Holz? Oder gar ein Hochhaus? Daran wagen sich derzeit nur wenige.

Kreis war mit Vorstoß gescheitert

Im Sommer 2019 unternahm die Kreisverwaltung einen Vorstoß, den Holzbau bei öffentlichen Gebäuden zu fördern. Die Idee: Man wollte Holzgebäuden bei der Ausschreibung eine Art Bonus verschaffen, damit sie konkurrenzfähig wären. Denn der erhöhte Aufwand für den Brandschutz, so die Überlegung, würde Holzgebäude teurer machen.
Der Schuss aus dem Kreishaus ging nach hinten los. Nicht nur, dass der Ausschreibungstrick nicht erlaubt ist – nein, die Vorlage der Verwaltung, in der zwar sechs Vorteile von Holzbau, aber auch 15 Nachteile aufgelistet waren, löste einen Proteststurm der Holzlobby aus. Der Landesbetrieb Wald und Holz meldete sich ebenso wie das Zimmererhandwerk zu Wort, der Bundesverband Fertigbau protestierte ebenso wie diverse Mitgliedsbetriebe. Der Kreis zog seine Vorlage zurück, aber das Thema blieb auf der Tagesordnung.
Zur Herbstsitzung des Kreistagausschusses hatte man deshalb eine Expertin eingeladen. Bauingenieurin Annette Clauß aus Werl, nach eigenen Worten „Holzbau-Fanatikerin“, informierte über eine Fülle von Details.

Richtlinien werden zum Teil noch überarbeitet

In Sachen Bauvorschriften sei in Nordrhein-Westfalen einiges im Fluss, erfuhr der Bauausschuss. Während die Bauordnung seit Anfang 2019 in Kraft ist, wurde die Verordnung für Sonderbauten erst vor wenigen Wochen rechtswirksam, Baurichtlinien zum Beispiel für Krankenhaus- und Schulbau befänden sich gar noch in der Überarbeitung.

Ausreichend Löschwasser ist Voraussetzung

Grundvoraussetzung für eine Baugenehmigung – mit welchem Material auch immer – sei genügend Löschwasser am möglichen Brandort, sagte Annette Clauß. Dafür müssten die Kommunen Sorge tragen. Ebenso dafür, dass die Feuerwehr und Rettungskräfte genug Platz zum Arbeiten hätten. In verdichteten Gebieten könne es schon mal schwierig bis unmöglich werden, eine Drehleiter am Haus zu platzieren und gleichzeitig dem Rettungswagen die Zufahrt und das Wenden zu ermöglichen. Diese logistischen Probleme limitieren den Holzbau per se.
In der gesamten Bauordnung tauche das Wort Holz nicht auf, erklärte Annette Clauß. Die Techniker sprechen von nichtbrennbaren, schwerentflammbaren und normalentflammbaren Baustoffen und von Feuerwiderstandsklassen: feuerbeständig, hochfeuerhemmend und feuerhemmend. Holz gilt als brennbarer Baustoff und ist normalentflammbar. Nur mit einer chemischen Behandlung könnte Holz schwerentflammbar werden – ein Weg, der beim ökologischen Bauen eher unbeliebt ist.

Brennbares Holz hat Vorteile

Die Feuerwiderstandsklasse wird nicht für einen Baustoff, sondern für einen Bauteil (der aus verschiedenen Baustoffen bestehen kann) berechnet. Die Widerstandsklasse gibt an, wie lange ein Bauteil bei einem Brand standfest bleibt. Hier hat das an sich gut brennbare Holz sogar Vorteile: „Holz besitzt die besondere Eigenschaft, an der Oberfläche zu verkohlen. Dadurch bildet sich eine Schutzschicht, die das weitere Abbrennen des Holzes behindert. Außerdem bleibt durch die geringe Abbrand-Geschwindigkeit und die geringe Wärmeleitfähigkeit die Festigkeit und Tragfähigkeit der Bauteile verhältnismäßig lange erhalten. Der entscheidende Grund hierfür liegt in der geringen Wärmeleitung des Holzes. Die Bauteile werden nur sehr langsam durchwärmt und bleiben formstabil. Die Holzbauteile selbst werden durch die einsetzende Holzkohle-Bildung geschützt und erhalten die Statik eines brennenden Gebäudes damit länger als bei anderen Bauweisen“, führt der Gesamtverband deutscher Holzhandel aus.

Öffentliche Gebäude können mit Holz gebaut werden

In den Gebäudeklassen 4 und 5 – darunter fallen in der Regel öffentliche Gebäude – kann, so Annette Clauß, nach der neuen Bauordnung sehr wohl mit Holz gebaut werden. Die Öffnungsklausel in § 26 der Bauordnung erlaube das, wenn die geforderte Feuerwiderstandsklasse erreicht werde. „Aber bei Treppen und Fluren endet das Bauen mit Holz spätestens bei Klasse 4“, führte die Expertin aus.
„Es gibt ohnehin nicht die Holzbauweise“, stellte die Bauingenieurin fest. Holzskelettbauweise, Rahmenbauweise oder Holzmassivbau – jede Bauart stelle unterschiedliche Anforderungen.

Holzhochaus in NRW derzeit nicht zu erwarten

Dass es in NRW einmal ein Holzhochhaus geben wird wie in Wien, Hamburg, Heilbronn oder gar in Norwegen, das ist derzeit nicht zu erwarten. Clauß: „22 Meter Höhe ist in NRW die Obergrenze für Holzhäuser.“ Diese Höhe erreicht zum Beispiel das „H 7“ im Hafen von Münster. Das H steht für Holz und die 7 für sieben Geschosse. Es wurde in Holz-Hybrid-Bauweise erbaut. Normalerweise nur für vier Geschosse zugelassen, wird der Baustoff Holz hier für tragende Elemente von sieben Geschossen verwendet, von denen nur die Kernkonstruktion der Treppenhäuser und Aufzüge aus Stahlbeton ist.
Dass man im öffentlichen Bereich mit Holz bauen kann (und sollte) steht für die Bauexpertin außer Frage: „Alle Gebäudearten sind möglich: Museum, Schule, Verwaltung, Feuerwache, Umspannwerk ...“ Eine Faustregel legte Clauß den Siegen-Wittgensteinern ans Herz: „Holz, wo möglich; Stahl, wo erforderlich; Beton, wo sinnvoll oder unvermeidlich.“
Webseiten mit Infos und Ideen:
bauen-mit-holz.nrw
baunetzwissen.de/holz
holz-kann.de
holzbauwelt.de
holz-haus-bauen.de
informationsdienst-holz.de

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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