Auf dem falschen Fuß?

Gaststudent Daniel Ochoa Valdez aus Mexiko erntete für die Interpretation seiner Komposition „Nachthimmel“ begeisterten Applaus.  Foto: aww
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aww Weidenau. „Sie erwischen uns auf dem falschen Fuß“, begrüßte Musikprofessor Martin Herchenröder das Publikum mit einem breiten Grinsen. Ganz ernst gemeint war das wohl nicht, und wenn schon: Der Fuß, den er meinte, auf dem lässt man sich gerne erwischen. Keine Stühle mehr, keine Programme mehr – der Musiksaal der Uni war beim Semesterabschlusskonzert am Donnerstagabend brechend voll. Was denn heute los sei, hatte sich Herchenröder angesichts der unerwartet großen Besuchermenge noch kurz vor Beginn des Konzerts auf dem Flur ein wenig perplex gefragt. Nun, das Interesse war so groß, wie es sich ein Konzertveranstalter nur wünschen kann. Das war los. Und um es vorweg zu nehmen: Das Interesse war berechtigt, denn die durchweg sehr ansprechenden Darbietungen der Musikstudierenden waren es wirklich wert, so viele Zuhörer zu haben. Herchenröder übernahm den Part des gut gelaunten Moderators, versorgte diejenigen ohne Programmblatt mit Infos und klärte diejenigen mit über die Änderungen auf, etwa darüber, dass die Komposition „Quintessenz“ des mexikanischen Gaststudenten Daniel Ochoa Valdez leider keine Uraufführung erleben könne, da ein Virus der Pianistin des Ensembles einen Strich durch die Rechnung gemacht habe.

Es sollte dennoch die eine oder andere Uraufführung geben, etwa von „La jupe rouge“, einem Stück in „auf Debussy schielenden Stil“ (Herchenröder), mit dem Komponist/Interpret Ferdinand Schuch den Abend unter dem Motto „Classics – Up To Date“ eröffnete. Für das ausdrucksstarke, farbig harmonisierte Werk erntete sein Erfinder heftigen Applaus. Gleiches galt für das zweite Klaviersolo des Abends, ebenfalls eine Premiere, diesmal von und mit Daniel Ochoa Valdez, dessen „Nachthimmel“ eine Reise ins Land der experimentellen Klaviersounds und der Neuen Musik war. Der Flügel war mikrofoniert und präpariert (mit einer Bierflasche, mit Plastikbechern …), und der Gast aus Mexiko nahm noch weitere Utensilien vom Teesieb bis zur gläsernen Zitruspresse zur Hand, erzeugte Glissandi, perkussive Klänge …

Neben diesen beiden Eigenkompositionen waren auch von den Studenten geschriebene Arrangements zu hören. Inga Pralat etwa richtete Johann Sebastian Bachs Cembalo-Fantasie a-Moll für Saxophonquartett ein, spielte selbst das Sopran-Instrument und hatte dabei Florian Schuch (Tenor), Indra Muschallik (Bariton) und – als „Einspringer“ – Dozent Stephan Mattner (Alt) zur Seite. Heraus kam ein „leicht“ dahinfließendes Barockstück in neuem Soundgewand – „up to date“. Das in diesem Semester gegründete Quartett verbreitete zum Finale noch mit dem swingenden, sehr homogen vorgetragenen „Jive For Five“ von Paul Nagle gute Laune. Auch zu viert!

Nina Hofmann, Esther Kelz und Anastasia Schmidt arrangierten „Mio Immortale“ („My Immortal“) von Evanescence für Kammermusikensemble. Unter der Leitung Anastasia Schmidts sorgten Esther Kelz (Gesang), Nina Hofmann (Klarinette), Viktoria Büscher (Violine), Sascha Lindner (Viola) und Annedore Brockhaus (Cello) mit einer stimmigen Darbietung des melancholischen Popsongs für eine weitere interessante „Klangfarbe“.

Augenzwinkernd kam „Wenn der Vogelfänger in den Jazzkeller marschiert“ daher. „(Überwiegend) komponiert von Wolfgang Amadeus Mozart, arrangiert von Ann-Christin Linke, Holger Skarba und Norina Tiemann“, hieß es dazu auf dem Programmzettel. Das Ensemble war recht groß geraten: Claudius Brenner (Gesang), Tabea Goerke (Querflöte), Inga Pralat (Alt-Saxophon), Florian Schuch (Tenor-Saxophon), Sebastian Bätzing, Frederik Linn (beide Trompete), Lennart Michaelis, Holger Skarba (beide Posaune), David Just (E-Bass), Philipp Weber (Schlagzeug), Ann-Christin Linke (Leitung). Groß war auch die Umsetzung des „Klassikers“ von der eher traditionellen Lesart über einen polkaartigen Rhythmus bis hin zum Slow-Swing.Simon Ermert (Saxophon) und Claudia Heuger (Klavier) dürfen nicht vergessen werden, denn sie sorgten für echte Highlights: mit zwei Sätzen aus Jacques Iberts „Concertino da camera“ und einem aus Paul Crestons Sonata op. 19. Das virtuose Duo verstand sich hervorragend. Bei Charlie Parkers „Confirmation“ setzte sich Stephan Mattner ans Klavier. Mit seinem Walking-Bass schuf er eine perfekte Basis für Simon Ermert. Gut übrigens, dass ein geschientes Bein gekonntem Saxophonspiel nicht im Wege steht.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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