„Auf dem Team lastet viel Druck“

pebe Siegen. „Jede Familie kann in diese Situation kommen.“ Gabi B. (Name geändert) erinnert sich mit Stirnrunzeln an die Zeit, als ihre pubertierende Tochter in eine tiefe Krise geriet. Schnelle Hilfe war nötig, beim approbierten Psychotherapeuten war so schnell kein Termin zu bekommen. Dazu kam die Angst vor dem „Tratsch“ und der Ausgrenzung, schon für das Kind in der Krise. „Es ist nach wie vor in unserer Gesellschaft nicht möglich, persönliche Höhen, Tiefen und Schwächen des Einzelnen zuzulassen. “ Gabi B. wandte sich an die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) des Kirchenkreises Siegen. Dort erhielten sie und ihr Kind schnell die notwendige Unterstützung.

„In einer solchen Phase ist es wichtig, Zeit zu haben“, erinnert sich die Mutter. Zeit, um an die Krisenthemen heran zu komen über sie zu sprechen und sie zu bearbeiten. Das galt für Mutter und Kind. „Das geduldige Arbeiten stärkt den Glauben an die eigenen Ressourcen“, erinnert sich Gabi B. „Es war toll zu erleben, wie schnell mein Kind in der Lage war, Lösungen zu finden und Perspektiven zu entwickeln.“ Und sie habe es entlastend gefunden, in ihrer eigenen Situation als Teil des Familiensystems ernstgenommen zu werden und sie reflektieren zu können.

Gabi B. hat die Arbeit der Beratungsstelle als entlastend und stärkend erlebt. Gerade das relativ niedrigschwelliges Angebot macht die EFL, und wie sie auch die anderen Beratungsstellen, zu einer wichtigen Größe im Sozialsystem Stadt. Aber die EFL-Arbeit ist seit der Herausnahme aus der Kirchensteuerfinanzierung auch ein Kampf gegen Einschränkungen und die Gefährdung des eigenen Auftrags. „Wir sind froh, dass es uns noch gibt“, sagt EFL-Leiterin Annette Mehlmann, „ohne die große finanzielle Unterstützung vieler Menschen wäre das nicht möglich gewesen“, betont sie auf Nachfrage der SZ.

„Wir haben fast drei Jahre Spendengelder ansparen können“, berichtet sie. Unabhängig vom Landeszuschuss und vom 26 000-Euro-Sockelbetrag, den der Kirchenkreis beisteuert, muss die EFL jährlich etwa 140 000 Euro aufbringen, um die Arbeit zu finanzieren. „Das haben wir fast komplett über Spenden erreicht“, sagt die Leiterin stolz. „Ohne die vielen Einzelspender, Gruppen und Firmen, die uns unterstützen, wäre es nicht möglich gewesen.“ Zudem habe die EFL frei werdende Stellen im Zuge der Einsparungen nicht mehr besetzt, aber „mehr einsparen geht nicht, sonst fällt die Landesförderung weg“.

Schwieriger wird die Situation im kommenden Jahr, dann gehen unter anderem Förderbeträge zurück, Mitarbeiter gehen in Altersteilzeit. „Wir werden 40 000 Euro mehr brauchen“, schätzt Annette Mehlmann. Wenn dies nicht über Spenden ausgeglichen werden könne, dann müsse die EFL auf die Rücklagen zugreifen. „Wir sind dringend auf eine weitere substantielle Unterstützung durch die Stadt Siegen und den Kreis angewiesen“, betont Mehlmann. Denn die Fallzahlen steigen weiter, wenn auch derzeit in einer flacheren Kurve.„Auf dem Team lastet unheimlich viel Druck. Neben der Arbeit mit den Klienten müssen wir auch noch Gelder einwerben. Das heißt, dass wir in der Prävention kürzer treten müssen“ – und das bei noch breiter werdendem Aufgabenspektrum der Beratungsstelle: Die Kooperation mit Familienzentren gehöre dazu, auch die Supervision für Kindertagesstätten. Ein Grund mehr für Mehlmann, mehr öffentliche Mittel zu fordern: „Wir fangen als Beratungsstelle viele Dinge auf, die das Gesundheitssystem nicht trägt. Stellen, die für Familien arbeiten, müssen aber finanziell gestärkt werden.“ Neun Fachberaterinnen und -berater inklusive Schwangerschaftskonfliktberatung arbeiten derzeit in der EFL.Auch beim Kirchenkreis, der die EFL-Arbeit zu seinen originären Aufgaben zählt, ist Mehlmann vorstellig geworden: Auf der Herbstsynode in Wilgersdorf beantragte sie mit einen Zuschuss von 20 000 Euro zugleich ein stärkeres finanzielles Engagement der Kirche (die SZ berichtete). Darüber muss nun der Finanzausschuss des Kirchenkreises beraten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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