Auf dem Weg der Meister

Dirigentin Judith Kubitz überzeugte mit Philharmonie

gmz Siegen. Mit leichter Hand führte die junge Nachwuchsdirigentin Judith Kubitz, die im Rahmen des Förderprogramms des Dirigentenforums des Deutschen Musikrates am Freitagabend mit der Philharmonie Südwestfalen musizierte, durch das Konzert im (wohl wegen des wunderbaren Sommerwetters nur spärlich besetzten) Gläsersaal. Mit leichter, sicherer Hand, stimmiger Pointierung und an einigen Stellen mit aufhorchen lassenden Ideen dirigierte sie die präzise agierende Philharmonie Südwestfalen.

Besonders bei Beethovens bekannter Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36, der oft gehörten, überraschte Judith Kubitz, die in der vergangenen Saison als Kapellmeisterin und Assistentin des Generalmusikdirektors am Staatstheater Kassel tätig war, mit sehr eigenen Akzentsetzungen. Sie ließen einen vergessen, dass gerade diese Sinfonie oft zum Anlass genommen wird, die musikalische Aussage der Beherrschung des rasanten Tempos zu übertragen. Judith Kubitz bot eine durchdachte Interpretation, die auf die Darstellung von Zusammenhängen bedacht war.

Im ersten Satz bestach sie beispielsweise dadurch, dass sie die Aufwärtsläufe des ersten Themas so dezent und zurückhaltend spielen ließ, dass man unwillkürlich hinhörte und sie als spannende »Anläufe« wahrnahm, die weiterführen. Im zweiten Satz verstand sie es, die tänzelnden Anklänge an »Höfisch-formales« ins Existentielle zu wenden, das zu einer Entscheidung führte, die im dritten Satz erörtert wurde, bevor der vierte Satz, befreit von der »Entscheidungsfindung«, aber vom erarbeiteten Entschluss getragen, zu heiterer, manchmal auch dramatisch gesteigerter Gelöstheit fand.

Im ersten Teil des Konzertes bewies Judith Kubitz bei Anton von Weberns Passacaglia für Orchester op. 1, dass sie nicht nur thematische Zusammenhänge über weite Strecken herauszuheben versteht, sondern auch Stimmungen zusammenhalten kann. Mit ruhigen Bewegungen dämmte sie das Aufbegehren der Musik, kanalisierte den Genuss der wehmütigen Erinnerung, regte dramatische Aktivität an, setzte ihr ein Ziel, das die Stimmungen aufnahm und verhallen ließ. Die Spannung aber blieb bis zum letzten, verhallenden Ton.

In Launy von Gröndahls Konzert für Posaune und Orchester wanderte der Solist Helge von Niswandt (Soloposaunist des Berliner Sinfonieorchesters) souverän auf dem Grad der Stile. Mit sehr klarem Ton und großer Agilität spielte er mit dem Repertoire der Formen und Stimmungen, schlug im ersten Satz den Bogen von klassisch-romantischen Tonfärbungen und Melodie-Bildungen zu barocken, stellte den nur auf den ersten Blick überraschenden Zusammenhang zwischen barocker Form und jazziger Umsetzung heraus, integrierte im zweiten Satz Big-Band-Sound in den Orchesterklang und übernahm im dritten Satz die Aufgabe des Erzählers, der im Dialog mit dem Orchester ein musikalisches Abenteuer zum fulminanten Ende führte.

Der herzliche, anerkennende Applaus des Publikums unterstrich noch einmal: Von dieser »Maestra von morgen« (so der Titel der Reihe), von diesem Solisten wird man sicher noch hören!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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