Auf der dunklen Seite

Inzwischen 67-jährig, hält Günter Wallraff der bundesrepublikanischen Gesellschaft immer noch den Spiegel vor. Foto: hel
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hel Siegen. Günter Wallraff hat noch lange nicht ausgedient. Auch wenn er mittlerweile eine gute Maskenbildnerin braucht, um als 49-jähriger Arbeitssuchender durchzugehen, zeitigen seine Undercover-Reportagen erschreckende Ergebnisse aus einer schönen neuen Welt, die für Underdogs und Dunkelhäutige keinen Platz hat. Keinen freien Platz gab es am Sonntagabend im Lÿz, als Günter Wallraff höchstpersönlich von seinen Erfahrungen in Obdachlosenheimen und in Kölner Call-Centern berichtete. „Ich fühle mich den Menschen, die ausgegrenzt werden, die nicht dazugehören, verbunden. Deshalb bin ich in ihrer Sache unterwegs“, erklärte der Journalist seine Zuhörern.

Und so begab er sich erneut nach ganz unten, um zu dokumentieren, wie Niedriglöhner bis zur Erschöpfung Aufwärmbrötchen backen, Obdachlose auf Deutschlands frostigen Straßen leben und wie man sich mit Perücke und schwarzer Schuhwichse im Gesicht, dem alltäglichen Rassismus ausgesetzt fühlt. „Dennoch wirkte ich mit meiner dunklen Hautfarbe echt“, so Wallraff, der sich mittlerweile Vergleiche mit Borat gefallen lassen muss.

Sein medialer Enthüllungsjournalismus ist auch nach 40 Jahren noch nicht zum Mummenschanz verkommen. Die Art und Weise, wie er sich nach Deutschland einschleicht, findet immer noch Gehör, nötigt Respekt und Sympathie ab. „Wie ein Kind wurde ich behandelt, fühlte mich fast entmündigt“, so Wallraff, der als schwarzer Deutscher totale Ausgrenzung erleben musste. Allenthalben begegneten ihm Demütigung und Aggressivität in einer Welt, die überhaupt nicht schön ist.

Selbst mit 67 Jahren gibt er auf antiquierte Art und Weise noch immer den Wallraff, der in diversen Verkleidungen die Welt verbessert. Das nötigt Respekt ab, verschafft ihm Bewunderung und Zustimmung. Das Publikum im Lÿz wusste sich jedenfalls mit ihm auf einer Linie verbunden, als er über seine Erkundungen in der sozialen Wüste Deutschland berichtete. „Es ist mein Gerechtigkeitsgefühl, das mich zu dieser Art von Abenteuerreisen treibt“, konstatierte er schlussendlich bei seinem Besuch in Siegen, der im Rahmen von „LÿzLit“ stattgefunden hat.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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