Auf frischer Tat ertappt

kh Siegen. Vor dem Schöffengericht Siegen mussten sich kürzlich zwei 23-jährige Männer wegen des Vorwurfs des Diebstahls verantworten. Sie sollen Ende 2009 in eine Firma eingebrochen sein, wo sie dann auf frischer Tat ertappt wurden. Noch am Tatort wurden beide festgenommen. Dabei konnte die Polizei unter anderem einen Schlagring und ein Messer sicherstellen.

Einer der jungen Männer, der bereits in Untersuchungshaft sitzt, schilderte den Verlauf der Tat. Auf dem Weihnachtsmarkt hätten sein Kumpel und er sieben oder acht Becher Glühwein getrunken, anschließend seien sie zu seiner Wohnung gegangen, hätten dort weiter getrunken und Drogen konsumiert, bevor sie sich auf den Weg zur Freundin des zweiten Angeklagten gemacht hätten. Unterwegs sei die Idee entstanden, in die Firma einzubrechen – der weitere Verlauf sei bekannt. Sein Freund, der neben ihm auf der Anklagebank sitze, habe noch versucht, ihn von der Tat abzuhalten. Er habe jedoch seinen Drogenkonsum finanzieren müssen, und deshalb den Einbruch verübt. Der zweite Angeklagte stimmte den Aussagen des mutmaßlichen Mittäters zu – die Tat sei eine spontane Idee gewesen.

Richter Uwe Stark wies darauf hin, dass der Freudn des Erzählers nach den vorliegenden Aussagen seinen Bekannten zunächst von Tatausführung habe abhalten wollen, dann aber doch mitgemacht habe. Er fragte nach den am Tatort sichergestellten Utensilien. Die habe man der Mutter des ersten Angeklagten mitbringen wollen, so der junge Mann, der erst vor drei Wochen Vater wurde.

Richter Stark verlas den Bericht seines Bewährungshelfers, der trotz der neuen Verantwortung als Familienvater eine negative Sozialprognose stellte. Der erste Angeklagte berichtete von der Möglichkeit, ein Praktikum machen zu können. Im Falle einer dortigen Bewährung bestehe die Möglichkeit einer Ausbildung. Er sei einen „geraden, schweren Weg“ gegangen und stehe nun an dem Punkt, ein vernünftigeres Leben führen zu wollen: Entweder müsse man Millionär sein oder man könne keine Drogen konsumieren.

Beide sahen ihren Fehler ein. Der junge Familienvater meinte, Drogen seien für ihn „kein Thema mehr“, seit das Kind auf der Welt sei. Dagegen sprach allerdings die negative Sozialprognose des Bewährungshelfer, die Richter Stark verlas. Beide seien zudem bereits wegen zahlreicher weiterer Delikte straffällig geworden.Staatsanwältin Alexandra Löw plädierte im Falle des ersten Angeklagten für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, für den Kindsvater sei eine zehnmonatigen Freiheitsstrafe angemessen. Beiden komme ihr Geständnis zugute, die Vorstrafen und die negative Sozialprognose sprächen jedoch gegen eine Bewährung. Beide Verteidiger wollten eine Bewährung sstrafe erreichen, einmal mit Blick auf die mögliche Ausbildung des ersten Angeklagten, und zum anderen, weil der zweite Angeklagte sein Leben ändern wolle. Trotz der negativen Sozialprognose sei eine Bewährung angemessen.Das Urteil, das Richter Stark verkündete, lautete: Ein Jahr Haft für den ersten Angeklagten, zehn Monate für den jungen Familienvater. Eine Bewährung für den zweiten Angeklagten sei aufgrund der zahlreichen Vorstrafen nicht möglich, die negative Sozialprognose und der negative Eindruck vor Gericht sprächen dagegen. Da man dem ersten Angeklagten die Ausbildungschance nicht „verbauen“ wolle, könne er zunächst das Praktikum ausführen, müsse sich aber zweimal wöchentlich bei der Polizei melden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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