Auf gutem Weg zur Erfüllung von Basel II

Sparkasse Siegen sammelt Erfahrungen mit neuem Ratingsystem / 18 Risikostufen

ewi Siegen. Mit einem wesentlich verbesserten, auf größere Trennschärfe eingerichteten Ratingsystem sind derzeit die Sparkassen dabei, sich wie alle Banken auf die Einführung der Regelungen für den Unternehmenskredit nach »Basel II« vom Jahr 2006 an einzustellen. Das neue System, das die Sparkasse Siegen seit Sommer letzten Jahres benutzt, beurteilten jetzt deren Vorstandsmitglied Harald Peter und Bernd Anderseck, Leiter des Teams Unternehmens-Service, im Gespräch mit der SZ sehr positiv. Das Rating wird durch ein ausgefeiltes EDV-Programm unterstützt, das den Bedürfnissen der Sparkassen sowie ihrer Kunden möglichst »hautnah« angepasst ist. Im Auftrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands entwickelt, umfasst das Expertensystem im Grunde 21 einzelne Ratingsysteme und unterscheidet 18 Risikostufen.

Die Demonstration einiger Beispiele durch Bernd Anderseck ließ einen sehr plausiblen Aufbau des Systems erkennen. Grundsätzlich wird sogleich unterschieden in die Segmente: Firmen-, Gewerbe-, und Geschäftskunden. Hinzu kommen Freie Berufe und Existenzgründer. Für letztere gelten fünf Abstufungen nach den Jahren ihres Bestehens. Ein Segment für Immobiliengesellschaften soll folgen.

Je nach Segment und Größenordnung des Kunden passt sich das Verfahren den Bedürfnissen an, d. h. es nimmt bei geringerer Größe und einfachem Geschäftsaufbau die Zahl der abzufragenden Punkte zurück. Das ist auch sachlich gerechtfertigt, weil der »Grenznutzen trennfähiger Faktoren« schneller erreicht wird. Bei über 4000 Unternehmenskunden muss das System eben so ausgelegt sein, dass sich die Datenabfrage am tatsächlich Vorliegenden orientiert. Mit zunehmender Größe des Kunden steigt aber die Komplexität des Ratings. Dann sind z. B. auch die prozentualen Anteile von Produktion, Handel und Dienstleistung am Umsatz anzugeben, und es erfolgt eine gleitende Gewichtsanpassung der einzelnen Faktoren, womit Veränderungen im Unternehmen jeweils angemessen abgebildet und gewertet werden.

Bei größeren Unternehmen werden tendenziell mehr »soft facts« betreffend Unternehmensführung usw. abgefragt. Hier werden allerdings noch wieder harte und weiche Kriterien unterschieden. Die harten lassen sich nur eindeutig beantworten, z. B.: Ist die Nachfolge der Unternehmensführung geregelt? oder: Gab es Überziehungen? Von Bedeutung sind auch Fragen nach dem Einfluss der Privatsphäre, etwa: Überstieg das Entnahmeverhalten öfter den Cash flow? Bei Kriterien, in die die eigene Einschätzung des Kundenberaters einfließt, z. B. Qualität des Managements im Bereich Planung und Steuerung, ist die Zahl der möglichen Noten stets gerade, damit sich nicht der typische Hang zur Mitte durchsetzt. Offensichtlich bleibt das ratings damit aber durch den jeweiligen Berater geprägt. Regel ist ein jährliches Rating, unter besonderen Umständen kann es aber auch unterjährig fortgeschrieben werden. Wichtige Warnsignale wie z. B. Insolvenz eines Abnehmers, sonstige Ausfälle werden berücksichtigt, was natürlich eine angemessene Kommunikation voraussetzt

Die Frage, ob auch die Branche des Unternehmens beim Rating eine Rolle spiele, verneinte Peter mit Nachdruck. Vor allem ergebe sich durch die Branche keine Kennzahl mit entsprechender Trennschärfe. In jeder Branche gebe es z. B. Firmenkonjunkturen. Auf die Branche abzustellen, »würde auch unserer Geschäftspolitik und unseren Geschäftsbeziehungen zutiefst widersprechen«, erklärte Peter. Wolle man hergehen und eine Branche nicht mehr mit Krediten bedienen, treffe dies eine ganze Region.

Gerade die regionale Komponente spielt für das Sparkassenrating offenbar eine große Rolle. Es muss also das spezifische Kreditportfolio der Sparkassen berücksichtigen und bedarf der Orientierung am Einzelfall. Dieser Aspekt spricht laut Peter auch gegen ein einheitliches Ratingverfahren für alle Banken. Zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Sparkassen und deren Kunden muss das Rating für jede Risikoklasse die Größe der Ausfallwahrscheinlichkeit berechenbar machen. Die Risikopolitik müsse deshalb dem einzelnen Kreditinstitut bzw. der Kreditinstitutsgruppe überlassen bleiben.

Ob das jetzige Rating den Anforderungen letztendlich genügt, so Peter und Anderseck, lasse sich noch nicht sagen. Eine mehrjährige Beobachtung sei nötig, um sagen zu können, dass bei jeder einzelnen Risikogruppe die Ausfallwahrscheinlichkeit durch einen entsprechenden Zinsauf- bzw. -abschlag angemessen berücksichtigt wird. Da die Kredite für Kunden mit guter Bonität weniger Eigenkapital der Banken binden, kommen also auch Abschläge in Betracht. »Wir fühlen uns insgesamt schon wohl auf dem Weg, auf dem wir uns jetzt befinden«, meinte Peter. Dazu gehört natürlich auch, durch viel Transparenz um Vertrauen bei den Kunden zu werben. Mit Sicherheit würden in Zukunft auch für die Unternehmen die Vorteile erkennbar. Sie gewinnen durch das Rating wichtige Frühindikatoren für ein vorbeugendes Management.

Auf Dauer wird das Rating zur Standardisierung und so zur Verschlankung der Kreditprozesse führen. Letztlich, so Peter, müsse das Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen (BAFin) für alle unterschiedlichen Ratingverfahren das erforderliche Audit erteilt, womit die Erfüllung der Anforderungen nach Basel II vom Jahre 2006 an bestätigt wird.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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