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Fürst Johann Moritz, Diesterweg und Elisabeth Grube lassen grüßen
Auf Siegerländer Spuren am Niederrhein

Die Gartenanlagen in Kleve zeugen vom planerischen Talent des Fürsten Johann
Moritz: Sichtachse vom „Amphitheater“ über den „Eisernen Mann“ und den künstlichen
Kanal bis zum (Luftlinie) ca. zehn Kilometer entfernten Hoch Elten samt der Stiftskirche St. Vitus.
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  • Die Gartenanlagen in Kleve zeugen vom planerischen Talent des Fürsten Johann
    Moritz: Sichtachse vom „Amphitheater“ über den „Eisernen Mann“ und den künstlichen
    Kanal bis zum (Luftlinie) ca. zehn Kilometer entfernten Hoch Elten samt der Stiftskirche St. Vitus.
  • Foto: Antje Verbücheln/Dr. Friedrich Weber
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friwe - Die Siegerländer Spurensuche macht deutlich, wie wichtig Netzwerke zu allen Zeiten waren.
sz Düsseldorf/Moers/Kleve. Tagesausflügler, Fernreisende und Weltenbummler wissen es schon lange: Siegerländern begegnet man einfach überall. Doch abseits von diesen altbekannten Erfahrungen hat sich SZ-Archivar Dr. Friedrich Weber aufgemacht, ein paar konkrete Ziele mit Siegerländer Hintergrund vorzustellen.
Der Maiurlaub war schon seit Monaten fest geplant, die Ferienwohnung in Boltenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) gebucht. Doch statt Wellen, Meer und Wind kam Corona (oder amtlich korrekt: SARS-CoV-2) und damit die Entscheidung für den Heim-Urlaub im Rheinland, der amtlichen und Wochenend-Heimat.

friwe - Die Siegerländer Spurensuche macht deutlich, wie wichtig Netzwerke zu allen Zeiten waren.
sz Düsseldorf/Moers/Kleve.Tagesausflügler, Fernreisende und Weltenbummler wissen es schon lange: Siegerländern begegnet man einfach überall. Doch abseits von diesen altbekannten Erfahrungen hat sich SZ-Archivar Dr. Friedrich Weber aufgemacht, ein paar konkrete Ziele mit Siegerländer Hintergrund vorzustellen.
Der Maiurlaub war schon seit Monaten fest geplant, die Ferienwohnung in Boltenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) gebucht. Doch statt Wellen, Meer und Wind kam Corona (oder amtlich korrekt: SARS-CoV-2) und damit die Entscheidung für den Heim-Urlaub im Rheinland, der amtlichen und Wochenend-Heimat. Tagesausflüge zu Wasserschlössern im Münsterland und der Voreifel, nach Neuwied und an den Niederrhein gehörten unter anderem zum Ferienprogramm. Wenn man durch die fast, aber nicht immer flache niederrheinische Landschaft fährt, wähnt man sich gelegentlich im Hinterland von Nord- oder Ostsee, Windmühlen inklusive. Dem Siegerländer Forschergeist (Weidenau ist Geburts- und Wochen-Wohnort, in Siegen die Arbeitsstätte) gelang es zudem, Spuren mit Bezug zum Land der Dilldappen und Riewekooche zu entdecken.

Moers und Diestwerweg

So in Moers: Der Stadtname ist wohl den meisten Hörern der morgendlichen und abendlichen Verkehrsnachrichten aufgrund der dortigen Staulage geläufig. Die Stadt überrascht mit einem recht attraktiven Kern und einem ebensolchen Stadtpark, in dem einem die Büste des 1790 in Siegen geborenen Pädagogen Adolph Diesterweg begegnet, der von 1820 bis 1832 Leiter des Moerser Lehrerseminars war und 1866 in Berlin starb.

Im Stadtpark von Moers erinnert eine Büste an den in Siegen geborenen Pädagogen Adolph Diesterweg, der zwölf Jahre lang als Leiter des Lehrerseminars in der Stadt am Niederrhein wirkte.
  • Im Stadtpark von Moers erinnert eine Büste an den in Siegen geborenen Pädagogen Adolph Diesterweg, der zwölf Jahre lang als Leiter des Lehrerseminars in der Stadt am Niederrhein wirkte.
  • Foto: Antje Verbücheln/Dr. Friedrich Weber
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Düsseldorf und Elisabeth Grube

Oder in Düsseldorf: Der unweit der Innenstadt gelegene Golzheimer Friedhof, heute eine eindrucksvolle Parkanlage, birgt das eher unscheinbare Grab der aus Netphen stammenden Dichterin Elisabeth Grube geb. Diez, die 1803 in Netphen geboren wurde und 1871 in Düsseldorf starb, wo sie einen Großteil ihres Lebens verbracht hat. Ihre Schwester Katharina Diez (1809-1882) ruht auf dem alten Martini-Friedhof in Netphen.

„Gewidmet vom Heimatverein Düsseldorfer Jonges“: 1960 wurde das Grab der Siegerländer Heimatdichterin Elisabeth Grube auf dem Golzheimer Friedhof (Düsseldorf) mit einer neuen Gedenkplatte versehen.
  • „Gewidmet vom Heimatverein Düsseldorfer Jonges“: 1960 wurde das Grab der Siegerländer Heimatdichterin Elisabeth Grube auf dem Golzheimer Friedhof (Düsseldorf) mit einer neuen Gedenkplatte versehen.
  • Foto: Antje Verbücheln/Dr. Friedrich Weber
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Kleve und Fürst Johann Moritz

Ganz besonders aber ist es Johann Moritz Graf (seit 1652 Fürst) zu Nassau-Siegen (1604-1679), der eine besonders starke Verbindung zwischen dem Niederrhein und dem Siegerland herstellt. Von daher führte zunächst einer der Urlaubsausflüge nach Schenkenschanz, einem idyllisch an einem Altrheinarm gelegenen Stadtteil von Kleve mit bewegter Vergangenheit. 1586 unter dem Heerführer Martin Schenk von Nideggen als niederländische Festung am damaligen Trennungspunkt zwischen Niederrhein und Waal errichtet, wurde Schenkenschanz 1635 von spanischen Truppen eingenommen und 1636 von den Niederländern zurückerobert, woran Johann Moritz entscheidend beteiligt war.

Heute ein idyllisches Dörfchen, einst eine starke Festung: Schenkenschanz, ländlicher Stadtteil von Kleve.
  • Heute ein idyllisches Dörfchen, einst eine starke Festung: Schenkenschanz, ländlicher Stadtteil von Kleve.
  • Foto: Antje Verbücheln/Dr. Friedrich Weber
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Während dieser Schlacht lernte der Nassau-Siegener den späteren „Großen Kurfürsten“ Friedrich Wilhelm von Brandenburg kennen. Die beiden wurden Freunde. Nach seiner Zeit als niederländischer Gouverneur in Brasilien (1636–1644) wurde Johann Moritz von eben jenem Friedrich Wilhelm, der 1646 die nassau-oranische Prinzessin Luise Henriette (1627–1667) geheiratet hatte, zum brandenburgischen Statthalter mit Dienstsitz in Kleve ernannt.

Der Fürst und die Landschaftsplanung

Beim Tagesbesuch hier konnte man deutlich wahrnehmen, dass die planerische Handschrift des Nassauers bis heute erkennbar geblieben ist. Viel Grün empfängt die Besucher, aber Grün mit System, wie man bei genauerem Hinsehen feststellt, zum Beispiel auf dem „Sternberg“. Der niederländische Maler und Architekt Jakob van Campen (1596–1657) setzte die landschaftsplanerischen Ideen des Johann Moritz kongenial um. Die in jüngerer Vergangenheit wiederhergestellten Sichtachsen weisen zum Beispiel zur Schwanenburg und zum (Luftlinie) knapp zehn Kilometer entfernten Hoch Elten mit seiner Stiftskirche St. Vitus.

Geht man vom „Sternberg“ in Richtung des „Amphitheaters“ unweit des Kurhaus-Museums, wird genau diese Sichtachse nochmals hervorgehoben. Besagtes „Amphitheater“, ein Terrassengarten, gehört ebenso zum Planungskonzept wie der „Eiserne Mann“, heute modern interpretiert als Statue des Bildhauers Stephan Balkenhol.
Der sich anschließende Kanal sollte ursprünglich eine Verbindung zum Rhein ermöglichen. Entlang von Kermisdahl und Wetering, die einen Altrhein-Arm darstellen, ging es für die „Heim-Urlauber“ in Richtung des Moritzgrabes. Vom den Kermisdahl begleitenden Höhenzug wandert der Blick zu den „Galleien“, eigentlich „Alleen“, die zum gartenplanerischen Konzept des Nassau-Siegeners gehörten und die in jüngerer Vergangenheit, wie ursprünglich gesäumt von Birnbäumen, wiederhergestellt worden sind. Es lohnt sich auch, auf diesen Wegen mit immer neuen Ausblicken auf Kleve spazieren zu gehen.
Die Wanderung der Urlaubenden endete am spektakulären „Moritzgrab“ in schattiger Waldlage, in dem Johann Moritz bekanntlich nie beigesetzt worden ist: Er ruht ja in der Siegener Fürstengruft.
Fazit: Im Rheinland und am Niederrhein herumstromern lohnt sich – und nicht nur auf „Siegerländer Spuren“. Dr. Friedrich Weber

Autor:

Dr. Friedrich Weber aus Siegen

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