Auf Tschechows Spuren

Nina Gurbanly , Elena Wollenweber, Elena Groß, Michail Zacharow, Hans Gastreich und Swetlana Weber (v. l.) begeisterten in der J.-G.-Herder-Bibliothek mit einem spannenden Kulturabend über den russischen Schriftsteller Anton Tschechow. Foto: vg
  • Nina Gurbanly , Elena Wollenweber, Elena Groß, Michail Zacharow, Hans Gastreich und Swetlana Weber (v. l.) begeisterten in der J.-G.-Herder-Bibliothek mit einem spannenden Kulturabend über den russischen Schriftsteller Anton Tschechow. Foto: vg
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vg Weidenau. Ein besonderer Kulturabend zum 150. Geburtstag Anton Tschechows entführte jetzt ein interessiertes Publikum in den Räumen der Weidenauer J.-G.-Herder-Bibliothek ins Russland des 19. Jahrhunderts. Unter der Regie von Elena Groß nahmen Nina Gurbanly, Soja Fuhr-Beschmeljew, Swetlana Weber, Elena Wollenweber, Michail Zacharow und Hans Gastreich ihre Zuhörer mit in die Lebens- und Arbeitsräume des Dichters und beleuchteten den bekannten Schriftsteller und Auszüge seines Werkes von einer persönlichen Seite.

Dabei streifte Elena Groß in ihrer lebendigen Annäherung an den Dichter, Journalisten und Mediziner noch einmal besondere Stationen seines Lebenswegs. Mit einem Male fanden sich die Zuhörer in der Moskauer Wohnung der Familie Tschechow wieder, folgten dem jungen Medizin-Studenten Anton an die Moskauer Universität und nahmen Anteil an den damals äußerst schlechten Lebensverhältnissen, mit denen der Journalist Tschechow zu kämpfen hatte. Dabei ließ Elena Groß den Dichter immer wieder selbst sprechen – in gut platzierten Briefzitaten. So beklagte sich Anton Tschechow in der Zeit seiner journalistischen Anfänge nicht umsonst mit folgender Feststellung: „Das Schreiben bringt mir, außer dass es mich reizt, nichts ein.“

Von den engen wohnlichen Verhältnissen mit Eltern, Geschwistern, schreienden Kindern und ständigen Besuchern ging die biografische Reise weiter in die russische Strafkolonie Sachalin, die der Dichter 1890 als Arzt besuchte, oder zum Wohnhaus Tschechows in Melichowo und nach Jalta. Neben dem Vortrag zeigte eine Diaschau in großformatigen Bildern und Schwarz-Weiß-Fotografien erstaunliche Lebenssituationen des Dichters auf: Tschechow im Garten, Tschechow mit Tolstoi im anregenden Gespräch, Tschechow mit Maxim Gorki, Tschechow bei seiner Lesung aus der „Möwe“, Tschechow im Kreise seiner Familie.

Des Weiteren wurden im Vortrag auch noch einmal Tschechows Gattin, die Schauspielen Olga Knipper, seine Schwester Mascha, seine Eltern und übrigen Geschwister lebendig. Auch seine letzten Tage in Badenweiler ließ Elena Groß nicht außer Acht und würdigte den so genannten „Puschkin der Prosa“ mit detaillierten Auszügen seines Lebens, Wirkens und Fühlens.

Musikalisch versüßten den Abend Soja Fuhr-Beschmeljew (Gesang) und Nina Gurbanly (Klavier) mit einer Romanze von Michail Glinka. Und auch das anschließende Zusammenspiel von Michail Zacharow (Gitarre und Gesang) und Nina Gurbanly in der Romanze von Aleksandr Dargomyzsky sollte seine Wirkung nicht verfehlen.Auch das Werk Tschechows lebte an diesem Abend auf besondere Art und Weise auf. So entfachte Hans Gastreich mit seiner Lesung aus Tschechows „Das Gewinnlos“ dessen sprühenden Witz und seine vieldeutige meisterliche Beschreibung menschlicher Charaktere in dem Streitgespräch zwischen Iwan Dmitritsch mit dessen Gattin: „Iwan Dmitrisch dachte an seine Verwandten, und ihre Gesichter, die ihm bisher ganz gleichgültig gewesen waren, schienen ihm auf einem widerlich und verhasst. – Diese Ekel dachte er. Und das Gesicht seiner Frau schien ihm jetzt auch widerlich und verhasst“, las Hans Gastreich und gewährte dem erheiterten Publikum in den spitzzüngigen Szenen Tschechows Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele.Nicht minder ironisch ging es in dem anschließenden Vortrag von Elena Wollenweber zu, die mit ihrer Lesung aus Tschechows „Der Dramatiker“ gekonnt in die Rollen des Arztes und des „trüben Individuums“ schlüpfte und mit dem äußerst lebendigen Gespräch im Krankenzimmer für einige Schmunzler im Publikum sorgte. Das ganze Können seiner Darstellungskraft wurde daraufhin in der Lesung von Swetlana Weber aus Tschechows Märchen „Der Schuster und der Teufel“ lebendig.Hans-Joachim Kubny, Oberstudienrat i. R. und 2. Vorsitzender der J.-G.-Herder-Bibliothek, dankte den Vortragenden für den erbaulichen Abend und erinnerte auch daran, dass sich einige Mitglieder der Bibliothek bereits vor über 20 Jahren erstmals mit Tschechow eindrucksvoll auseinander gesetzt hätten – damals mit der Aufführung dreier Einakter. Ein gebührender Applaus krönte den Abschluss des Kulturabends zu Ehren Anton Tschechows.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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