Auf zum Hallberger »Ochsentreiben«

Rückrundenstart beim SV Wehen:

Auswärtsschwache Siegener treffen auf einen Gastgeber, der seit sechs Spielen sieglos ist

geo Siegen. Die letzten Blätter taumeln erschöpft zu Boden, da macht sich auch unter den Fußballern der Regionalliga Süd ein bisschen Wehmut breit. Eigentlich sollte es eher umgekehrt sein, beginnt doch an diesem Wochenende die mit großer Spannung erwartete Rückrunde. Aber die Partie des Tabellensechsten SV Wehen (26 Punkte) gegen den Zwölften Sportfr. Siegen (21) ist für die hessischen Gastgeber bereits das letzte Spiel des Jahres 2003. Und die Siegener beenden ebenfalls für die nächsten 81 Tage das düstere Kapitel »Auswärtsspiele 2003«.

Erfolge in der Fremde waren für die Siegener in diesem Jahr nicht sehr viel häufiger als Schneeflocken in der Sahara, weshalb aus Sicht der Spieler von Trainer Michael Feichtenbeiner ein sauberer Abschluss manche Wunden diesbezüglich heilen könnte. Aber auch die Mannschaft des SV Wehen, die zwischenzeitlich auf einem Aufstiegsrang stand, ist nach einer Durststrecke von sechs sieglosen Spielen in Zugzwang geraten.

Das Team des Trainers Djuradj Vasic wird deshalb alles daran setzen, das Fußball-Jahr vor eigenem Publikum positiv zu beenden, eine Rolle, die den Gästen aus dem Siegerland bei entsprechend frecher Einstellung liegen sollte. Zumal deren Trainer in den letzten Wochen der Tabellensituation zum Trotz einen steten Aufwärtstrend ausgemacht haben will (vier von fünf Spielen unbesiegt). Und um das Selbstbewusstsein seiner auswärts so oft »verprügelten« Truppe zu schärfen, legte der Coach noch einen drauf: »Mainz war unser bestes Auswärtsspiel. Darauf wollen wir aufbauen. Außerdem wissen die meisten Spieler noch, wie es ist, in Wehen zu gewinnen.«

Wir auch, daher dies zur Auffrischung: zum Saisonbeginn 2002/03 siegte das SFS-Team 4:1 auf dem Hallberg bei Taunusstein, und dies blieb bis zum 2:0 in Augsburg vor wenigen Wochen der einzige »Dreier«, der auch in der Tabelle Eingang fand. An die Wiederholung eines solchen Ergebnisses denkt natürlich niemand; es obsiegt in den Köpfen eher die Devise »ein Punkt ist o.k.«. Aber da die früher so heimstarken Hessen schwächeln, hofft man insgeheim eben doch auf die Mini-Sensation. Sogar Vitus Nagorny, groß gewachsener Stürmer des SV Wehen, räumte dieser Tage mit Blick auf die Verletztenmisere seiner Elf ein: »Mit der Zeit wird die Kraft weniger. Und das spürst du besonders, wenn der Erfolg ausbleibt.« Und da passt es Nagorny erst recht nicht, genau jetzt gegen die »fürchterlich unangenehm zu spielende (Siegener) Mannschaft« antreten zu müssen.

Immerhin steht ihm der torgefährliche Saber Ben Neticha wieder zur Seite. Spielmacher Oliver Bunzenthal konnte, da grippe-krank, diese Woche nicht trainieren, dürfte sich aber morgen wieder die Kapitänsbinde überstreifen. Eine Gelbsperre zwingt dagegen Abwehrmann Nikolaos Nakas zum Zuschauen, für den Rüdiger Ziehl die Siegener Stürmer in Schach halten soll. Genau da möchte Siegens Trainer den Hebel ansetzen, denn Feichtenbeiner hat beobachtet, dass die Wehener sehr »mann-orientiert« decken und den gegnerischen Angreifern körperbetont den Schneid abkaufen: »Wenn du da so zwei Ochsen vor dir hast, musst du schon dagegenhalten!«

Daraus aber müsste sich doch ein Angriffskonzept ableiten lassen, dass besonders die Spieler der 2. Reihe zur Geltung, sprich: in Schussposition, bringen müsste.

Fragt sich nur, wie Feichtenbeiner dieses Puzzle personell aufdröselt. Aus der durchaus erfolgreichen Elf vom letzten Samstag muss ein Spieler weichen, da für Feichtenbeiner dessen Stratege Peter Nemeth nach abgesessener »Gelbsperre« gesetzt ist. Somit dürfte die Abwehr unverändert bleiben, zumal Matthias Straub weiter ausfällt. Auch Andreas Nauroth, von einem hartnäckigen Virus darnieder gestreckt, hat wohl schon die Winterpause eingeläutet. Feichtenbeiner könnte (auch aus Respekt vor dem Gegner) zum 4-4-2 zurückkehren und mit den Gespannen Neumann-Nemeth innen sowie Truckenbrod (links) und Weikl (rechts) auf den Außenbahnen operieren. Immerhin hinterließen alle Genannten in Mainz einen nachhaltigen Eindruck. Dann würden also Til Bettenstaedt und Timo Schlabach vorne in die Wehener »Schraubzwinge« gepresst. Doch gegen diese »normale« Variante spricht nun mal das Gesagte, weshalb wahrscheinlich noch ein Spieler in der Anfangsformation weichen dürfte (Truckenbrod?). Dafür dürfte dann der in Wehen ungemein gefürchtete John van Buskirk die Kärrnerarbeit am gegnerischen Strafraum verrichten, um mit einem beweglichen und agilen Timo Schlabach aus Reihe 2 die (vielleicht) entscheidenden Attacken fahren zu können.

Ziemlich viel Theorie, zumal auch auf dem Hallberg in Wehen die Devise gilt: »Auf'm Platz is' wichtig!« Was Feichtenbeiner zum Schlusswort motiviert: »Mainz und die Stuttgarter Kickers haben schon gespielt. Vielleicht gelingt es uns, ein wenig vom Tabellenende abzusetzen.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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