Aus allen Hauptepochen

ars Weidenau. Die Siegener Orgelwochen – mittlerweile an vier Spielstätten im Stadtgebiet – sind längst ein kulturelles Aushängeschild der Region. Jahr für Jahr kommen Könner und Spezialisten nach Siegen, um ihre Kunst einem sachverständigen und aufnahmebereiten Publikum vorzuführen.

Dominique Sauer ist seit 1987 Domorganist in Osnabrück. Auch er hielt sich beim Eröffnungskonzert am Sonntag an den guten Brauch, ein Programm mit Werken aus allen Hauptepochen der Orgelliteratur mitzubringen. Dietrich Buxtehude eignet sich hervorragend als Beginn eines Orgelkonzertes; in der St.-Joseph-Kirche in Weidenau erklang sein Präludium (und Fuge) D-Dur unter den Händen des Gestalters noch ein wenig festlicher und befreiender, als es diese Tonart allgemein unser Ohr hören lässt. Eine feine, rhythmisch differenzierende Spielweise mit Vorhalten und Verzögerungen, eingebettet in den einen großen Fluss, ließ eine klassische Partitur auf hohem Niveau hören. Der individuelle Gestaltungswille Sauers akzentuierte, beließ aber den überwältigenden Gesamteindruck des kraftvoll Strömenden.

Ein weiteres anspruchsvolles Werk, Präludium d-Moll op. 37/3a von Felix Mendelssohn Bartholdy, verlangt eine ähnliche Lesart und Behandlung wie das voraufgegangene Barock-Werk. Auch hier drängt eine sanfte Kraft beständig vorwärts, es kommt zu Bewegungssteigerungen, die letztendlich die Vierstimmigkeit auflösen zum prachtvollen Unisono. Auch hier, bei romantischen Harmonien, lag der besondere Reiz von Sauers Interpretation in der Entfaltung einer wie von innen kommenden Kraft mit enormer Sogwirkung.

Nach diesen beiden deutschen Orgelklassikern erklangen vier Werke aus dem 20. Jahrhundert, allesamt mehr oder weniger an Klang und Spiel der französischen Orgelschule orientiert. Die „Elfen“ des aus Paris stammenden Komponisten Joseph Bonnet tanzten zart, ohne ins Ballettmäßige abzurutschen, die Pastelltöne wurden nächtlich-dunkel grundiert, etwa wie eine gut gemachte Filmsequenz, aber das eigentliche Motiv schien auch hier ein schicksalhaftes Fortströmen der Naturgeister zu sein, eine im Inneren des Geschehens sanft, aber unwiderstehlich wirkende Kraft.

Die Fantasie c-Moll op. 57 des aus Rotterdam stammenden Gerard Bunk, der lange Zeit als Organist an der Riesenorgel der Reinoldi-Kirche in Dortmund wirkte, entfaltete mit opulenten Klängen und schier ausufernden Harmonien ein am Konzert orientiertes Werk, das ebenso auf der Orgel in St. Joseph angemessen erklang wie die drei Skizzen auf japanische Volkslieder des Schweizers Guy Bovet, der sie auf Bitten seiner japanischen Studenten schrieb und die selbstverständlich einem ganz anderen, zurückgenommeneren Klang huldigten als die konzertanten Ausschweifungen.Henry Mulet war der Organist von Sacre Coeur in Paris. Dieses berühmte Gotteshaus thront über der Kapitale auf einem Felsen. Seine dreiteilige, hörenswerte Komposition „Tu es petra“ (Du bist der Fels – hier aber nicht auf Petrus, sondern auf die auf einem Felsen thronende Kirche gemünzt) beginnt fast kitschig-süß und harmonisch, erzählt von den zwei getrennten Welten, die sich dann aber doch realistisch vermischen, um zum Schluss wieder getrennte Wege zu gehen.Als Zugabe erklang eine Sortie, lustig und witzig, ein wenig wie Zirkus und Jahrmarkt. Der Organist überzeugte bei den großen wie bei den weniger großen Partituren durch gekonnte Spielweise, interessante Rhythmik und den durchgehenden Zug, die Werke zu verflüssigen, ihnen suggestive Kraft beizumischen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.