Aus dem Gericht direkt in Haft

Am Dienstag klickten im Bad Berleburger Amtsgericht die Handschellen. Ein 31-jähriger Erndtebrücker, der sich für eine neuerliche Tat verantworten musste, wurde festgenommen, weil er die bereits verhängte Haftstrafe nicht angetreten hatte. Symbolfoto: Archiv
  • Am Dienstag klickten im Bad Berleburger Amtsgericht die Handschellen. Ein 31-jähriger Erndtebrücker, der sich für eine neuerliche Tat verantworten musste, wurde festgenommen, weil er die bereits verhängte Haftstrafe nicht angetreten hatte. Symbolfoto: Archiv
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howe - Das war ja am Dienstag eine Szene im Bad Berleburger Amtsgericht: Gerade sprach Richter Torsten Hoffmann das Urteil gegen einen mehrfach vorbestraften 31-Jährigen zu Ende, da stand Judith Hippenstiel als Vertreterin der Staatsanwaltschaft auf – mit den Worten: „Ich lasse Sie jetzt festnehmen. Es ergeht Haftbefehl.“ Von Bad Berleburg direkt in die Justizvollzugsanstalt nach Attendorn. Was war passiert? Der 31-Jährige aus dem Raum Erndtebrück wurde erst im März zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, nur zwei Monate später beging er diese neuerliche Straftat. Die Haft zur ersten Verurteilung trat der Mann aber bis heute nicht an.

Von vorn: Kurz vor Beginn der Verhandlung betrat eine Polizeibeamtin gemeinsam mit einem Kollegen den Gerichtssaal im Herrengarten. Da fielen ein paar tuschelnde Worte zwischen Oberamtsanwältin und der Beamtin. Der Haftbefehl liege jetzt vor, hieß es. Und ob die Polizeibeamten denn bis zum Ende der Verhandlung draußen warten wollten? Machen wir, gab es das Okay. Was nur noch die schreibende Zunft mitbekam, blieb dem Angeklagten und seinem Verteidiger verborgen. Sie stellten sich ganz normal auf die Verhandlung ein, die daraufhin auch ordnungsgemäß begann.

In einem Erndtebrücker Supermarkt hatte der 31-Jährige kurz nach dem Kassensturz einen Umschlag mit den Einnahmen mitgehen lassen – 314 Euro und ein paar Zerquetschte. Am Dienstag zeigte er sich einsichtig. Das geschehe alles im Einfluss der Drogen. Er wolle eine Therapie machen, habe auch schon die Klinik kontaktiert. Judith Hippenstiel sprach von einer „enormen Rückfallgeschwindigkeit“.

Denn nach der letzten Verurteilung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Diebstahls und Hehlerei habe es nur knapp acht Wochen bis zur jetzigen Tat gedauert. Im März habe es zehn Monate ohne Bewährung gegeben, dann könne der Angeklagte jetzt sicher nicht erwarten, eine Bewährung zu erhalten. „Dem Angeklagten ist nur mit einem beizukommen.“ Sechs Monate Haft wegen Unterschlagung forderte Judith Hippenstiel, Richter Torsten Hoffmann bestätigte den Antrag mit seinem Urteil.

Und dann kam der spektakuläre Auftritt mit der Festnahme. „Wir werden Sie heute festnehmen, weil Sie sich nicht zum Haftantritt gestellt haben“, hieß es. Da fiel dem Angeklagten nur noch die „Kinnlade“ herunter.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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