Aus dem Leben gegriffen

Ferdinand Schlingensiepen las aus seinem Bonhoeffer-Buch und brachte den Zuhörern das Leben des Theologen in vielen Facetten nahe.  Foto: jhe
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jhe Siegen. Dietrich Bonhoeffer ist mehr als jener evangelische Vorzeigemärtyrer, auf den kirchlicherseits immer wieder gerne Bezug genommen wird, wenn die beiden anderen Dauerheroen Paul Gerhardt und Martin Luther hinreichend bemüht worden sind. Er ist mehr als der Dichter des „Von guten Mächten“, jenem Lied, das in evangelischen Kirchen so häufig erklingt, als wenn es unter den 695 Liedern des Gesangbuchs sonst nichts Singenswertes gäbe (was nicht zuletzt Bonhoeffer vehement bestreiten würde). Bonhoeffer war auch mehr als ein Aphoristiker, der seine Lebensweisheiten zu Papier brachte, um sie der Nachwelt für ihre Spruchkarten und Geschenkbüchlein zu hinterlassen.

Dietrich Bonhoeffer war mehr, viel mehr als das. Er war ein Mensch, der mitten im Leben stand, freilich einem bedauerlich kurzen, und er stand in diesem Leben mit einer ebenso unbändigen Leidenschaft des philosophischen Nachdenkens und theologischen Fragens wie des ästhetischen Genießens. Er stand in diesem Leben mit einer Entschiedenheit, zu den Geschehnissen seiner Zeit klar und deutlich Stellung zu beziehen und, wo nötig, mutig und tatkräftig gegen sie Einspruch zu erheben, die uns Nachgeborene mit unserem überzogenen Anspruchsdenken gegenüber dem Leben eindimensional, langweilig und spannungslos erscheinen lässt.

So jedenfalls empfindet man es, wenn man den Ausführungen Ferdinand Schlingensiepens folgt, der am Freitag in der Nikolaikirche auf Einladung der Nikolaikirchengemeinde und der Buchhandlung Schneider aus seinem Buch „Dietrich Bonhoeffer. 1906–1945. Eine Biographie“ vorlas. Schlingensiepen (geb. 1929), der als Sohn des damaligen Altstadtpfarrers Hermann Schlingensiepen einen Großteil seiner Kindheit in Siegen verbrachte (1938–46), ließ dabei die Person Bonhoeffers und die Spannbreite seines Charakters so lebendig werden, als habe er beständig neben ihm gestanden, was insofern nicht ganz so falsch ist, als Schlingensiepen zum einen selbst Schüler in einem Seminar der Bekennenden Kirche war und von daher die drängenden Probleme noch deutlich vor Augen hat, denen sich ein bekennender Christ während der Nazi-Zeit gegenüber sah. Zum andern aber war Schlingensiepen eng befreundet mit Eberhard Bethge, Bonhoeffers Weggefährten und treuem Nachlassverwalter, dessen umfangreiche Biografie als Standard- und Basiswerk in der Bonhoeffer-Forschung angesehen werden kann.

Schlingensiepens Lesung, eine ausgewogene und packende Mischung von Rezitation und freiem Vortrag, in dem auch die humorige Anekdote, nicht zuletzt aus Schlingensiepens Siegener Zeit, ihren Platz fand, ließ Facetten an des großen Theologen Leben zutage treten, die im Zuhörer ein deutliches Verlangen weckten, dieses außerordentliche und reiche Leben mit seinen vielen spannenden und nach wie vor aktuellen Themen näher kennenzulernen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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