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Umstellung der Gasnetze auf neue Erdgasqualität steht bevor
Aus L wird H

Erster Schritt erledigt: Diese Gasheizung in Ferndorf ist nun registriert – und wird zu einem späteren Zeitpunkt angepasst. Im südlichen Siegerland wird bereits auf das Gas aus Norwegen und Russland umgestellt.
  • Erster Schritt erledigt: Diese Gasheizung in Ferndorf ist nun registriert – und wird zu einem späteren Zeitpunkt angepasst. Im südlichen Siegerland wird bereits auf das Gas aus Norwegen und Russland umgestellt.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

js Siegen/Olpe. Die Wittgensteiner können sich beruhigt zurücklehnen – in einer Hinsicht zumindest. Während ihr schneller Straßenanschluss in Richtung Westen zwar noch nicht in Sichtweite ist, sind sie in Sachen Energieversorgung den Nachbarn aus Sieger- und Sauerland um einiges voraus: Schon vor rund drei Jahrzehnten wurde ihr Gasnetz auf den Standard gebracht, der im Altkreis Siegen und im Kreis Olpe noch erreicht werden muss. Den Anfang machen am 7. Juli dieses Jahres die Kommunen Neunkirchen und Burbach: Bei ihnen stellt der Netzbetreiber Westnetz von L- auf H-Gas um.
Mammutaufgabe für den NetzbetreiberDass es mit dem Austausch eines simplen Buchstaben nicht getan ist, dürfte nicht überraschen.

js Siegen/Olpe. Die Wittgensteiner können sich beruhigt zurücklehnen – in einer Hinsicht zumindest. Während ihr schneller Straßenanschluss in Richtung Westen zwar noch nicht in Sichtweite ist, sind sie in Sachen Energieversorgung den Nachbarn aus Sieger- und Sauerland um einiges voraus: Schon vor rund drei Jahrzehnten wurde ihr Gasnetz auf den Standard gebracht, der im Altkreis Siegen und im Kreis Olpe noch erreicht werden muss. Den Anfang machen am 7. Juli dieses Jahres die Kommunen Neunkirchen und Burbach: Bei ihnen stellt der Netzbetreiber Westnetz von L- auf H-Gas um.

Mammutaufgabe für den Netzbetreiber

Dass es mit dem Austausch eines simplen Buchstaben nicht getan ist, dürfte nicht überraschen. Vielmehr ist die Umstellung auf eine andere Gasqualität eine Mammutaufgabe für den Netzbetreiber. Da die Vorräte des L-Gases aus Deutschland und den Niederlanden bis zum Ende des Jahrzehnts zur Neige gehen, müssen die Versorger künftig auf H-Gas setzen. Dass dies aus Norwegen und Russland stammt, hat keinen Einfluss auf die Geräte der Verbraucher – wohl aber, dass es einen und hat einen höheren Brennwert hat. Das L steht übrigens für „low caloric“ (also niedrigkalorisch), das H für „high caloric“ – das Importgas ist also vergleichsweise eine „Kalorienbombe“. Eine technische Umrüstung von Gasthermen, -herden und sonstigen Apparaten ist somit nötig. In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe betrifft das etwa 35 000 Geräte und Anlagen in Haushalten, Gewerbe und Industrie. Um sie alle für die Umstellung der Gasqualität zur rüsten, arbeitet Westnetz einen mit der Bundesnetzagentur abgestimmten Zeitplan ab. „Der steht fest“, erklärt Unternehmenssprecher Christoph Brombach gegenüber der SZ. Corona hin oder her. „Wir müssen das durchziehen, da viele Termine daran hängen.“

Die Umstellung findet gestaffelt statt. Den Anfang machen im Sommer die beiden südlichsten Kommunen des Siegerlandes, im kommenden Jahr folgen zunächst Wilnsdorf, Netphen und Freudenberg, bevor es immer weiter in Richtung Norden geht. In Lennestadt und Attendorn soll am 26. Juli 2022 umgestellt werden.

Etwa ein Jahr vor der Umstellung muss in den jeweiligen Kommunen erst einmal eine Bestandsaufnahme her. Derzeit sind beispielsweise Monteure im Raum Kreuztal und Hilchenbach unterwegs, die bei Erdgaskunden auf und in die Verbrauchsgeräte schauen. Je nach Alter und Ausführung wird notiert, ob und welche Bauteile ausgetauscht werden müssen, damit das H-Gas fließen kann. Etwa 23 000 unterschiedliche Typen von Verbrauchsgeräte sind deutschlandweit im Betrieb. Von ihnen allen sei bekannt, wie sie auf das neue Gast angepasst werden müssten. Bei einigen neueren Geräten gehe dies automatisch, andere müssten manuell umgestellt werden, hier müssten Düsen ausgetauscht werden, dort ein Brenner. In wenigen Fällen muss ein neues Gerät her. Meistens ist die Umrüstung für die Kunden gratis – die Rückerstattung der Kosten wird später über die Netzabrechnung aller umgelegt.

Mitarbeit der Nutzer notwendig

Die Umstellung selbst wird für den Verbraucher nicht zu bemerken sein. Nach und nach werden die Netzbereiche per Schieber vom L-Gas getrennt und mit H-Gas versorgt. Zuvor aber ist die Mitarbeit der Nutzer unabdingbar. Sie müssen den Monteuren an zwei Terminen Zutritt zu ihren Gasgeräten gewähren – einmal zur Bestandsaufnahme, ein weiteres Mal zur Umrüstung. Wichtig: Die Mitarbeiter des beauftragten Unternehmens werden schriftlich angekündigt und können sich stets ausweisen. Beim Zutritt zu Wohnung und Haus müssen sie sich an die Corona-Sicherheitsregeln halten. Nur in seltenen Ausnahmen würden sich Verbraucher weigern, die Monteure ins Haus zu holen, berichtet der Westnetz-Sprecher.

Und wie kommt es nun, dass die Wittgensteiner in Sachen Gas so weit vorn liegen? „Das hat historische Gründe“, vermutet Christoph Brombach. In Deutschland wurden vor allem große Teile des Nordwestens mit L-Gas versorgt – wegen der Nähe zu den deutschen Vorkommen, zu den Niederlanden und zu entlang der niederländischen Transportleitungen. Wittgenstein dürfte also schon früher in eine H-Gas-Nachbarschaft gerückt sein.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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