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Aus Real in Siegen wird Globus - Regale werden geräumt

Rainer Keeve hat Erfahrung im Abwickeln bzw. mehrere Übernahmen mitgemacht: erst Wertkauf, dann Walmart, seit 2007 Real – „jetzt haben wir eine echte Perspektive im stationären Einzelhandel. Die Mannschaft und ich freuen uns auf Globus!“
  • Rainer Keeve hat Erfahrung im Abwickeln bzw. mehrere Übernahmen mitgemacht: erst Wertkauf, dann Walmart, seit 2007 Real – „jetzt haben wir eine echte Perspektive im stationären Einzelhandel. Die Mannschaft und ich freuen uns auf Globus!“
  • Foto: Kay-Helge Hercher
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ch Siegen. 90.000 Artikel, von der Büroklammer über die Bierwurst in der Frischetheke bis hin zum Barista-Kaffeevollautomaten: Geschäftsleiter Rainer Keeve und sein 130-köpfiges Team haben in diesen Tagen alle Hände voll zu tun – bevor der in die Jahre gekommene Real-Markt zur modernen Globus-Niederlassung umgebaut werden kann, werden die zig Hundert Regalmeter auf den rund 9500 Quadratmetern Verkaufsfläche geräumt. „Alles muss raus“, sagt Keeve, „wir fahren den Bestand von 100 auf Null!“ Denn am 30. Oktober, 16 Uhr, ist Schluss. Spätestens!
Am Ende übergeben wir den Laden besenrein!
Rainer Keeve
Geschäftsleiter Real-MarktWenn keine Ware mehr vorhanden ist, wird das Licht auch früher ausgemacht und das Rollgitter zeitig herunter gelassen.

ch Siegen. 90.000 Artikel, von der Büroklammer über die Bierwurst in der Frischetheke bis hin zum Barista-Kaffeevollautomaten: Geschäftsleiter Rainer Keeve und sein 130-köpfiges Team haben in diesen Tagen alle Hände voll zu tun – bevor der in die Jahre gekommene Real-Markt zur modernen Globus-Niederlassung umgebaut werden kann, werden die zig Hundert Regalmeter auf den rund 9500 Quadratmetern Verkaufsfläche geräumt. „Alles muss raus“, sagt Keeve, „wir fahren den Bestand von 100 auf Null!“ Denn am 30. Oktober, 16 Uhr, ist Schluss. Spätestens!

Am Ende übergeben wir den Laden besenrein!
Rainer Keeve
Geschäftsleiter Real-Markt

Wenn keine Ware mehr vorhanden ist, wird das Licht auch früher ausgemacht und das Rollgitter zeitig herunter gelassen. Drinnen wird die Arbeit bereits getan und die Abwicklung vollzogen sein; das Ende einer Ära, skizziert von SB-Warenhaus-Manager Keeve, der den Standort an der Eiserfelder Straße nach 17 Jahren auf eigenen Wunsch verlässt, aber dem Unternehmen an einem heimatnäheren Standort im Ruhrgebiet erhalten bleibt.

Aus Real wird Globus: Neue Eigentümer

Die Globus-Gruppe hat den Real-Markt in Siegen übernommen. Vor über 190 Jahren von Franz Bruch im saarländischen St. Wendel als Kolonialwarenladen gegründet, führt Matthias Bruch als geschäftsführender Gesellschafter das Familienunternehmen bereits in sechster Generation.

Heute betreibt die Gruppe neben 47 SB-Warenhäusern in Deutschland 97 Globus Bau- und Elektrofachmärkte sowie 32 Globus Hypermärkte in Tschechien und Russland. Allein in seinen deutschen SB-Warenhäusern beschäftigt Globus derzeit rund 19 000 Mitarbeiter und gehört mit einem Umsatz von 3,38 Mrd. Euro (2019/2020) innerhalb der deutschen Handelslandschaft zu den „Kleinen unter den Großen“.

Aus Real wird Globus: Nur die Außenmauern bleiben stehen

Ab November sind am Standort Siegen zunächst umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten notwendig. Der gesamte Markt inklusive des Mall-Bereichs soll umstrukturiert werden. „Nur die Außenmauern bleiben stehen, alles andere wird abgerissen, entkernt und neu errichtet“, so Keeve.

Neu hinzu komme eine „Globus-typische Vollproduktion“ mit Werkstattbereichen für Bäckerei, Metzgerei und Gastronomie. Keeve: „Künftig werden Lebensmittel bei uns direkt vor Ort und von Hand hergestellt. Wir legen den Fokus auf regionale und frische Produkte.“

Ein Standort – drei Namen

Der großflächige Einzelhandel an der Eiserfelder Straße hat mittlerweile eine jahrzehntelange Tradition, wenngleich die Akteure in der riesigen Immobilie mehrfach wechselten.

Den ersten „großen Aufschlag“ machte am 27. Januar 1977 die Unternehmerfamilie Mann (ehemalige Möbelkette „Mann Mobilia“) mit ihrem Wertkauf. Ein solch riesiges und doch gebündeltes Warensortiment an einem Standort hatten die Siegener bis dahin noch nirgends gesehen. Und so berichtete die Siegener Zeitung damals auch: „Hier werden die Waren nicht aus der Schürze in die Regale geräumt, sondern per Gabelstapler palettenweise an ihren Verkaufsplatz gebracht.“ Vielen ehemaligen Wertkauf-Kunden dürften die hohen Regale noch in Erinnerung sein, die zwar für eine stetige Warenverfügbarkeit, aber auch für Beklemmungen und eine gewisse Hassliebe bei vielen Zeitgenossen sorgten. Und so fiel das Fazit der SZ damals auch zwiegespalten aus: „Eine perfekte Verkaufsmaschine.“

Im Jahr 1997 orientierte sich die Wertkauf-Führung um. Wurde zunächst auch noch über eine Fusion mit Mitbewerbern nachgedacht, entschied man sich letztlich für einen Verkauf an den amerikanischen Einzelhandels-Giganten Walmart. Aus dieser Zeit bleibt das anfängliche Begrüßungsritual vor Öffnung der Ladentüren in Erinnerung. Doch die US-Kette fasste in Deutschland nie richtig Fuß und reichte die Filialen im Jahr 2006 nach großen Verlusten an die Metro-Gruppe mit ihrer Sparte Real weiter.

Nun kommt in Siegen der Mittelständler Globus zum Zuge. Der wiederum hat übrigens nichts mit den ehemaligen Globus-Märkten von Kaiser & Kellermann aus Welschen Ennest zu tun.

Daran anknüpfend: Globus setzt in seinen Filialen auf die „Erlebniswelt Food“. Die neue Vielfalt in Sachen Lebensmittel statt der alten Vielfalt in Sachen Nonfood: Das Konzept des Vollsortimenters bzw. des Warenhauses, in dem es neben den Nahrungsmitteln vom Autozubehör bis hin zum Kühlschrank alles gibt, hat ausgedient. „Da ist der Online-Wettbewerb zu stark“, sagt Rainer Keeve.

Aus Real wird Globus: Kein Job geht verloren

Alle Real-Markt-Mitarbeiter werden übernommen. Weiteres Personal wird eingestellt werden. Während des Umbaus werden die Beschäftigten in benachbarten Globus-Filialen eingearbeitet. Per Bus-Shuttle geht es mehrmals täglich (Schichtdienst!) nach Limburg und Dutenhofen (Gießen).

Die logistische Herausforderung bis Ende des Monats: die Steuerung des Abverkaufs über flexible Rabattaktionen punktgenau bis zur Schließung. Keeve: „Wir analysieren unsere Bestände täglich, und befüllen zugleich natürlich den Lebensmittelbereich. Ob Brot, Joghurt oder Nudeln, es wird an nichts mangeln. Aber das Ziel ist klar: Am Ende übergeben wir den Laden besenrein!“

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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