„Aus“ trotz schwarzer Zahlen?

 Wer wissen möchte, wie es um die Situation der stationären Pflege LIFE am Gesundheitszentrum bestellt ist, der muss nicht lange suchen. Foto: Martin Völkel
  • Wer wissen möchte, wie es um die Situation der stationären Pflege LIFE am Gesundheitszentrum bestellt ist, der muss nicht lange suchen. Foto: Martin Völkel
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vö - Nach dem am Freitag öffentlich gewordenen „Aus“ für die stationäre Pflege LIFE scheint die Zukunft des Gesundheitszentrums Wittgenstein in Bad Laasphe ungewisser denn je. Denn nachdem erst vor wenigen Wochen die Zusammenarbeit mit der libyschen Botschaft über die Behandlung von Kriegsopfern beendet worden war, muss sich das Unternehmen nun von einem weiteren wichtigen Geschäftszweig verabschieden.

Noch gravierender: Während die Entscheidung gegen weitere libysche Patienten aufgrund von ausbleibenden Zahlungen und wenig Hoffnung auf Besserung sicherlich folgerichtig war, trifft die vom Kreis Siegen-Wittgenstein verordnete Beendigung der stationären Pflege im Bereich LIFE das Gesundheitszentrum bis ins Mark. Denn wie die Siegener Zeitung erfuhr, wurden hier bis zuletzt – auch mit den verbliebenen 13 Bewohnern – noch schwarze Zahlen geschrieben. Offenbar dermaßen gute Zahlen, dass mit den hier erwirtschafteten Überschüssen Löcher in anderen Bereichen gestopft worden sein sollen, wie ein Insider der Siegener Zeitung anvertraute.

Dies ist auch der Punkt, an dem die Kritik von Angehörigen der Bewohner ansetzt, die nun exakt eine Woche Zeit haben, eine neue Einrichtung für ihre Verwandten und Freunde zu finden. „Es kann nicht sein, dass hier eine wirtschaftlich arbeitende stationäre Pflege sterben muss, weil Gelder möglicherweise zweckentfremdet wurden“, ärgerte sich ein Angehöriger im SZ-Gespräch. Und dies liege für ihn auf der Hand.

Während im LIFE-Bereich alle Mitarbeiter weiterhin mit großem persönlichen Engagement bei der Arbeit gewesen seien, hätten selbst kleinste Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten nicht mehr stattgefunden – trotz Zusagen der Verantwortlichen. Das sei schon sehr auffällig gewesen. Offenbar seien hier schon Stellen abgebaut oder Stunden reduziert worden. Letztlich müssten Mitarbeiter und Bewohner jetzt jene Suppe auslöffeln, die an anderer Stelle eingebrockt worden sei.

Die SZ erfuhr von einem Angehörigen, dem Hausverbot erteilt worden sein soll, nachdem er sich kritisch über bauliche und hygienische Mängel geäußert haben soll. Ein anderer Informant brachte gegenüber der SZ seine Einschätzung zum Ausdruck, dass offenbar der schwarze Peter hin und her geschoben werde.

Das Gesundheitszentrum argumentiere, dass die Entscheidung des Kreises verfrüht und überzogen getroffen worden sei, die Behörde gab hingegen in ihrer Pressemitteilung vom Freitag zu bedenken, dass die Mängel seit Monaten Thema gewesen seien. Letztlich führten die Defizite ja auch dazu, dass keine neun Patienten mehr aufgenommen werden konnten.

Fakt ist dennoch, das ergaben die Recherchen dieser Zeitung eindeutig, dass das Unternehmen von der Entscheidung der Behörde am Freitag kalt erwischt wurde. Offenbar überschlugen sich die Ereignisse regelrecht. Und damit gehen auch die Probleme für die Angehörigen weiter. Denn eine Woche Zeit, um einen neuen Platz für einen pflegebedürftigen Menschen zu finden – da ist sehr wenig Spielraum. Wenn die Kreisverwaltung ankündige, dass alle Angehörigen bei der Suche nach einem neuen Platz unterstützt würden, dann sei das zumindest bislang noch nicht der Fall gewesen. Ein Angehöriger: „Richtig ist, dass wir am Freitag telefonisch über das Ende von LIFE informiert wurden, verbunden mit dem Hinweis, dass wir eine Woche Zeit haben, einen neuen Platz zu finden. Das war es aber auch.“

Und so ganz einfach, wie die Sache dargestellt werde, sei sie dann doch nicht. Erste Anrufe bei Einrichtungen im Raum Wittgenstein hätten ergeben, so eine Angehörige, dass die Häuser entweder voll oder nicht auf Langzeitpflege ausgerichtet seien. „Und halbwegs in der Nähe sein möchten wir schon.“

Die Stimmung in der Belegschaft hat nach den jüngsten Nachrichten den absoluten Tiefpunkt erreicht, wie die SZ aus Mitarbeiterkreisen erfuhr. Rechtsanwalt Gerd Karpf, der jüngst in einem Leserbrief die Unternehmenspolitik öffentlich kritisiert hatte, vertritt mittlerweile mehr als ein Dutzend Mitarbeiter, die nun auf dem Klageweg um ihre Löhne und Gehälter kämpfen. Bei einzelnen Beschäftigten sollen die Gelder um bis zu sechs Monate im Rückstand sein. Mit Spannung erwartet wird die Stellungsnahme des Gesundheitszentrums, die Anfang der Woche vorliegen soll.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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