Aus und vorbei: Utsch zurückgetreten

Sportfr. Siegens Präsident zog Konsequenzen:

Erkrankung bestärkte Entschluss - Trainer Ingo Peter: »Jetzt noch enger zusammenrücken«

sz Siegen. Die Nachricht schlug gestern Abend wie eine Bombe ein: Manfred Utsch, 64-jähriger Präsident der Sportfr. Siegen, ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten! Per Eilboten benachrichtigte der Eiserfelder Unternehmer gestern Abend Vorstandsmitglieder und die Medien von seinem Entschluss.

In einer längeren, sehr persönlichen Erklärung nannte er neben gesundheitlichen Belastungen auch neue berufliche Herausforderungen in seinem Unternehmen und bei den »Sportfreunden« sowie besonders die Ereignisse der letzten beiden Monate als Gründe für seinen Rücktritt. Er werde sich aber nicht von den »Sportfreunden« verabschieden sondern dem Verein eng verbunden bleiben und wolle zu seiner Weiterentwicklung auch künftig beitragen, ließ Manfred Utsch am Ende seiner Erklärung verlauten.

Erfolgsära eng mit Ingo Peter verknüpft

Manfred Utsch war 1983 auf Bitten des damaligen Vorstandes als 2. Vorsitzende in einer schwierigen Phase in die Vereinsführung aufgerückt und hatte schon zwei Jahre später das damals verwaiste Amt des Präsidenten übernommen. Nach Jahren des sportlichen Auf- und Abstiegs läutete die Verpflichtung des heutigen Trainers Ingo Peter im Februar 1994 eine lange Erfolgsära ein, in der die »Sportfreunde« in die dritthöchste Spielklasse zurückkehrten, zwischenzeitlich gar an das Tor zur 2. Bundesliga klopften und auch im DFB-Vereinspokal bundesweit für Schlagzeilen sorgten.

Doch bei diesem Angriff auf noch höhere Ziele nahm es der Verein in Kauf, über seine finanziellen Verhältnisse hinaus zu wirtschaften und musste zwangsläufig das Ruder herumreißen. Ein enger Sparkurs schränkte auch die sportlichen Möglichkeiten dramatisch ein, die Folge war eine äußerst schwierige Hinrunde in der neuen Regionalliga Süd. Die Talfahrt eskalierte am 20. November, als der Verein Trainer Peter beurlaubte und ihn zweieinhalb Tage später unter spektakulären Umständen wieder ins Amt hievte - mit weitreichenden Nebengeräuschen, u.a. der Beurlaubung von Spielern, die die Stimmung im Verein mit jeder Woche mehr in den Keller drückte.

Auch Manfred Utsch, der wie kein anderer vor ihm den Verein mit Herz und Engagement geführt hatte, musste in den Tagen vor dem Weihnachtsfest offenbar seine persönlichen Grenzen schmerzlich erfahren. Ein Krankenhausaufenthalt, nur zehn Monate nach seiner sehr schweren Herzoperation, beschleunigte seine Meinungsbildung. Seinen endgültigen Entschluss wird er wohl in diesen letzten Tagen des Jahres 2000 gefasst haben.

»Jetzt stehen wir da im kurzen Hemd«

Aufgeschreckt von der Nachricht wurde gestern Abend der Vorstand der »Sportfreunde« und auch Trainer Ingo Peter, der gerade auf der Heimfahrt von einem Kurzurlaub mit seiner Familie war: »Jetzt fehlt dem Verein die Galionsfigur. Da müssen wir eben noch näher zusammenrücken, um den Kampf für Sportfr. Siegen zu einem guten Ende zu führen.« Aufgeschreckt von der Demission seines Dienstherrn war gestern auch Rolf Bleck, der Sportliche Leiter: »Jetzt stehen wir da im kurzen Hemd. Ich bin bestürzt über diese Entwicklung, aber die Gesundheit eines Menschen ist nun mal sein höchstes Gut.«

In den Blickpunkt rückt nun vor allem der 1. Vorsitzende Rolf Steinemann, nach den Vereinsstatuten nun derjenige, der den Verein nach außen repräsentiert. Zufällig findet heute Mittag eine bereits seit längerem terminierte, mehrstündige Vorstandssitzung statt, bei der über alle wesentlichen Fragen des neuen Jahres, insbesondere des anstehenden Lizenzierungsverfahrens, diskutiert werden sollte. Laut Steinemann wird Manfred Utsch an dieser Sitzung teilnehmen, da er noch vielfältig in die Abläufe eingebunden ist. Steinemann dazu vielsagend: »Zwischen Manfred Utsch und Sportfr. Siegen gibt es neben der emotionalen natürlich auch eine sehr starke finanzielle Verbundenheit. Der Verein Sportfr. Siegen wäre nämlich ohne dieses Engagement Manfred Utschs nicht dass, was er heute darstellt.«

Mutige Entscheidungen sind gefragt

Es kommt daher nun entscheidend auf den Umgang der Verantwortlichen miteinander an, wenn das nun heftig ins Schlingern geratende Vereinsschiff nicht Schlagseite nehmen oder gar kentern soll. Gefragt sind Loyalität und weise Entscheidungen - man könnte auch sagen: mutige Entscheidungen.

geo

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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