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Zwei Betroffene über ihre Pandemie-Sorgen
Ausländische Studierende in Existenznöten

Ohne Geld ganz fern der Heimat: Ausländische Studierende werden von der Corona-Pandemie mit voller Härte getroffen.
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sabe Siegen. Sie kommen für neue Erfahrungen, eine andere Sprache, eine neue Kultur, mehr Chancen, den Lebenslauf, für ihren großen Traum. Es gibt viele Gründe, warum sich junge Menschen für ein Studium im Ausland entscheiden. Für Aubin und Alexandra aus Kamerun ist es ein bisschen von allem. Der Weg zwischen Weltoffenheit und Wissensdurst hat sie nach Deutschland geführt – an die Universität Siegen. Jetzt sind sie hier gestrandet.
Ausländische Studierende werden von Corona hart getroffen
Ausländische Studierende trifft die Pandemie oft mit voller Härte. Das kleine Studentenzimmer wird zum Gefängnis, der Job fällt weg, der soziale Austausch auch. Es fehlt an Geld für Miete und Essen, die Familie ist weit weg. Rund 80.000 ausländische Studierende haben Deutschland bereits verlassen.

sabe Siegen. Sie kommen für neue Erfahrungen, eine andere Sprache, eine neue Kultur, mehr Chancen, den Lebenslauf, für ihren großen Traum. Es gibt viele Gründe, warum sich junge Menschen für ein Studium im Ausland entscheiden. Für Aubin und Alexandra aus Kamerun ist es ein bisschen von allem. Der Weg zwischen Weltoffenheit und Wissensdurst hat sie nach Deutschland geführt – an die Universität Siegen. Jetzt sind sie hier gestrandet.

Ausländische Studierende werden von Corona hart getroffen

Ausländische Studierende trifft die Pandemie oft mit voller Härte. Das kleine Studentenzimmer wird zum Gefängnis, der Job fällt weg, der soziale Austausch auch. Es fehlt an Geld für Miete und Essen, die Familie ist weit weg. Rund 80.000 ausländische Studierende haben Deutschland bereits verlassen. Kein Wunder: Der Wechsel in ein digitales Semester aus dem Wohnzimmer heraus fällt schon vielen heimischen Studierenden schwer. Wie ist das erst, wenn man dann noch aus einem völlig anderen Land kommt, eigentlich mit Integration und Ankommen mehr als genug zu tun hat?

„Es ist schwer, sehr schwer“, sagt Aubin Ngoughi. Der 26-Jährige studiert Elektrotechnik an der Uni Siegen und arbeitet bei Invers in Netphen zweimal die Woche als Werkstudent. Seinen Job hat ihm die Pandemie noch nicht geraubt. Seinen Traum auch (noch) nicht. Aubin ist für seine Zukunft nach Deutschland gekommen. Schon immer hat er sich für Technologie interessiert, die Luftfahrtbranche zieht ihn auch jetzt noch magisch an. Mit einem Abschluss an der Uni Siegen, „einem deutschen Diplom“, wie er sagt, hofft er darauf, dass ihm die Welt ein bisschen weiter offensteht.

Corona hat das Vereinsleben eingefroren

Gerade sieht er aber den Durchgang nur verschwommen. Die Pandemie kostet Nerven, multipliziert Ängste, nimmt die Leichtigkeit des Studentenlebens. Von den Einnahmen seines Nebenjobs muss Aubin seinen ganzen Lebensunterhalt bezahlen. BAföG bekommt er keins, seine Eltern in Kamerun haben früher ein bisschen Geld geschickt. Seit Corona geht das nicht mehr. Den Eltern geht es finanziell auch nicht gut.

Für Alexandra Nodshogwe ist die Situation ähnlich. Zwar schickt ihre Mutter ihr ab und an noch etwas, ihren Nebenjob als Reinigungskraft hat sie allerdings durch die Pandemie verloren. Jetzt ist sie auf der Suche nach etwas Neuem, nicht die leichteste Aufgabe in der Corona-Zeit – aber ihre 15 Quadratmeter Wohnraum wollen bezahlt werden. Aubin weiß von einigen seiner Kommilitonen, dass es für sie noch schwerer ist, sie am Existenzminimum leben. In der kamerunischen Gemeinde Siegerland (Cameroonian Community of Siegerland, CCS), der auch Aubin und Alexandra angehören, tauscht man sich aus, ist eng vernetzt, versucht sich zu helfen.

Dass diese Hilfsmöglichkeiten Grenzen kennen, weiß Dimitri Tschoya, 1. Vorsitzender des Vereins, nur zu gut. Corona, sagt er, habe das Vereinsleben eingefroren. Zusammen Fußball spielen? Feste feiern? Gemeinsam essen? Probleme besprechen? Nichts davon ist möglich. Besonders schlimm sei das auch für die Neuankömmlinge. Tatsächlich kommen nämlich auch während der Pandemie ausländische Studierende nach Siegen. Diesen Übergang ohne soziokulturellen Austausch und mit Sprachbarrieren zu meistern, sagt Dimitri Tschoya, der damals selbst in Siegen studierte und seinen Abschluss als Maschinenbauingenieur machte, sei fast nicht möglich. „Schon unter normalen Umständen bedeutet das viel Stress.“

Corona-Freiversuch als mögliche Entlastung

Dabei hatten es Aubin und Alexandra eigentlich geschafft. Beide, Aubin seit 2016, Alexandra seit 2019, sind schon länger in Siegen, fühlten sich aber erst seit einiger Zeit so wirklich angekommen. Mit der Pandemie sei „alles plötzlich gestoppt worden“. Corona wirft die beiden zurück. Alexandra hat Probleme in ihrem Chemiestudium. Sie kommt nicht an das so wichtige Praktikum, die digitalen Klausuren laufen nicht wie erhofft, der direkte Austausch zum Professor via E-Mail fällt ihr schwer.

Aubin nickt. Auch er habe manchmal Angst, sagt er in seinem fast perfekten Deutsch, eine Mail zu schreiben und womöglich einen sprachlichen Fehler einzubauen. Was helfen könnte? Dimitri Tschoya hofft auf finanzielle Spenden für die Studis, um zumindest die Sorgen um die Existenz zu minimieren. Außerdem wünscht er sich mehr Entgegenkommen von der Universität. Einen Corona-Freiversuch bringt er ins Spiel – irgendetwas, das entlasten könnte, das dem Kopfkino im kleinen Studentenzimmer zumindest ein paar der Schreckgespenster nehmen könnte.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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