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Prozess um Missbrauch in Kirchhundem
Aussagen des neunjährigen Mädchens glaubhaft

Die Gutachterin sieht keinen Hinweis auf eine Falschaussage bei der jungen Zeugin im Missbrauchsprozess.
  • Die Gutachterin sieht keinen Hinweis auf eine Falschaussage bei der jungen Zeugin im Missbrauchsprozess.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ihm Siegen/Kirchhundem. Bevor sich die 1. große Strafkammer des Siegener Landgerichts am Montag den Details der angeklagten Missbrauchstaten zuwenden konnte, stellte Klaus Söbke, der Verteidiger des wegen schweren sexuellen Missbrauchs an seiner Pflegetochter angeklagten Torsten H., erneut einen Befangenheitsantrag gegen die Kammer. Diese hatte den Antrag H.’s angelehnt, ein Glaubwürdigkeitsgutachten über ihn erstellen zu lassen. Damit war Torsten H. nicht einverstanden: Es sei im Sinne der „Waffengleichheit“ geboten, nicht nur die kleine Belastungszeugin im Hinblick auf ihre Glaubwürdigkeit zu begutachten, sondern auch ihn selbst.

ihm Siegen/Kirchhundem. Bevor sich die 1. große Strafkammer des Siegener Landgerichts am Montag den Details der angeklagten Missbrauchstaten zuwenden konnte, stellte Klaus Söbke, der Verteidiger des wegen schweren sexuellen Missbrauchs an seiner Pflegetochter angeklagten Torsten H., erneut einen Befangenheitsantrag gegen die Kammer. Diese hatte den Antrag H.’s angelehnt, ein Glaubwürdigkeitsgutachten über ihn erstellen zu lassen. Damit war Torsten H. nicht einverstanden: Es sei im Sinne der „Waffengleichheit“ geboten, nicht nur die kleine Belastungszeugin im Hinblick auf ihre Glaubwürdigkeit zu begutachten, sondern auch ihn selbst. Die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach hatte erklärt, das Gericht fühle sich sehr wohl in der Lage, die Glaubwürdigkeit des Angeklagten selbst zu beurteilen. Nun muss über den Befangenheitsantrag bis zum nächsten Verhandlungstermin entschieden werden.

Pflegevater wegen schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt

Mädchen berichtete von Gewalt

Dessen ungeachtet kamen am Montag fünf Zeugen zu Wort. Zwei Kriminalkommissare aus Olpe, die in der Angelegenheit ermittelt und auch die kleine Leila (Name von der Red. geändert) vernommen hatten, außerdem die Psychotherapeutin Antje Maaß-Quast von der ärztlichen Beratungsstelle der DRK-Kinderklinik Siegen, die psychologische Gutachterin Mia Lange und ein ehemaliger Mitbewohner der Pflegefamilie. Die Kommissare und die Psychologinnen, die mit dem Mädchen gesprochen hatten, berichteten weitgehend übereinstimmend über die Aussagen des Kindes, auf denen auch die Anklage beruht. Die Kleine hatte den Erwachsenen erzählt, dass der „Papa“ ihr mehrfach Gewalt angetan habe. Begonnen habe das, als sie fünf oder sechs Jahre alt war. Immer wieder kamen abstoßende Details zur Sprache – und immer dann schüttelte der Angeklagte, der ansonsten weitgehend unbewegt zuhörte, den Kopf.

Unklar, wann Missbrauch begangen wurde

In keiner Vernehmung und auch nicht im Gespräch mit Antje Maaß-Quast und Mia Lange ließ sich herausdestillieren, wann genau die mutmaßlichen Taten begangen wurden und um wie viele Tatvorgänge es sich handelt. Das Kind konnte, so sagten alle Zeugen, die zeitliche Dimension nicht konkretisieren. Dadurch, so Mia Lange, seien auch kleinere Unstimmigkeiten in den Aussagen erklärbar. „Es handelt sich nicht um Widersprüche“, sondern es gehe um Details, die das Kind vermutlich unterschiedlichen Vorgängen zuordne.

Pflegevater sieht sich als Opfer

Zeuge sitzt selbst wegen Missbrauchs im Gefängnis

Ein Zeuge hat den Alltag in der Pflegefamilie, zu der zwei weitere Pflegekinder und ein leibliches Kind gehörten, aus nächster Nähe miterlebt. Sebastian Z. (28) wurde am Montag aus der Haftanstalt in Hagen nach Siegen gebracht, um auszusagen. Er sitzt inzwischen selbst wegen Missbrauchs des leiblichen Kindes der Pflegeeltern im Gefängnis (die SZ berichtete). Einmal, so berichtete der zeitweilige Freund der Familie, sei ihm etwas seltsam vorgekommen. Der Pflegevater sei mit Leila allein im Schlafzimmer gewesen, und als er im Wohnzimmer auftauchte, habe Sebastian Z. Zeichen sexueller Erregung bei dem Mann gesehen. „Da war mir klar, dass da was nicht stimmt.“
Beim nächsten Verhandlungstermin am 11. September um 9.30 Uhr wird der Angeklagte zur Person vernommen, danach werden Staatsanwältin und Verteidiger ihre Plädoyers halten.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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