A45 bei Lüdenscheid: Schäden seit 2014 bekannt
Autobahn vermutlich monatelang gesperrt

Ein Neubau könnte acht bis zehn Jahre dauern, Verstärkungen sind auf jeden Fall nötig.

mir Siegen/Lüdenscheidt. Chaos pur auf der A 45, die am Donnerstagabend von Straßen NRW verfügte Sperrung der Talbrücke Rahmede zwischen Lüdenscheid und Lüdenscheid-Nord bleibt wahrscheinlich über Monate hinaus bestehen. Mitte nächster Woche sollen Ergebnisse von gerade anlaufenden Spezialuntersuchungen vorliegen.
Die Chance auf eine baldige Öffnung zumindest für Pkw auf einer Spur pro Richtung ist minimal: „Es müssen auf jeden Fall Verstärkungen vorgenommen werden“, dämpft Michael Neumann, Projektleiter Talbrücken bei der Autobahn GmbH, allzu große Erwartungen. Dafür brauche man Spezialfirmen und Material, beides müsse noch akquiriert werden.

Talbrücke ist labil

Was ist los mit der Talbrücke Rahmede? Das 453 Meter lange Bauwerk aus den Jahren 1965 bis 1968 besteht aus einem Stück, 2017 bei einer Hauptprüfung gab es die Gesamtnote 3, dazu eine Note 1 für die Standsicherheit. „Untersuchungen in den vergangenen Tagen haben Verformungen an einem Hauptträgersteg aufgezeigt. Das ist ein labiler Zustand“, schlussfolgert Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Niederlassung Westfalen in der Autobahn GmbH. Die weiteren Laserscans sollen zeigen, ob es Risse geben könnte oder ob Schweißnähte auffällig geworden sind. „Die schlichte Bauweise aus den 60er Jahre fällt uns jetzt als Nachteil auf die Füße“, so Sauerwein-Braksiek.

Schäden an der Autobahn seit 2014 bekannt

Dass die Brücke Probleme aufweist, ist seit 2014 bekannt. Seitdem sind die Fahrspuren eingeengt, für Lkw besteht Überholverbot, das Tempo ist reduziert worden. 2017 kam die Note 3,0 bei der Hauptprüfung hinzu. Mit der Folge, dass die Talbrücke Rahmede im Ranking der 60 neu zu bauenden Talbrücken eine nachrangige Priorität erhielt. Sauerwein-Braksiek: „Aus heutiger Sicht war das nicht richtig.“
Heißt: Die Planung für einen Neubau befinden sich noch in einer frühen Phase, ein Planfeststellungsverfahren gibt es noch nicht. Beides könnte acht bis zehn Jahre dauern, „ein nicht tragbarer Zustand. Da müssen neue, schnellere Wege gefunden werden“, fordert die Direktorin der Autobahn GmbH.

Umleitungen überlastet

Für Lüdenscheid bedeutet die Sperrung den Super-Gau in verkehrlicher Hinsicht. Zwei Umleitungsstrecken gibt es, die sind total überlastet. Aus Süden kommende Lkw werden in Olpe-Süd (Wenden) auf die A 4 Richtung Köln umgeleitet, im Norden fließt der Lkw-Verkehr vom Westhofener Kreuz ins Rheinland bzw. über die A 44 nach Kassel.
Speditionen haben mit der Sperrung ein dickes Zeitproblem aufgebürdet bekommen. Lkw der Spedition Hermann Busch (Hilchenbach) hingen am Donnerstag Abend schon zwei Stunden länger im Stau. „Wie fahren Schwertransporte für unsere Kunden über diese Strecke, nicht auszudenken, wenn die Sperrung länger anhalten sollte“, sagt Roman Sonntag, zuständig für die Disposition der Lkw-Flotte.

Beidseitige Sperrung der Autobahn der "Super-GAU"

„Wenn die beidseitige Sperrung bleibt, ist das der Super-GAU. Sollte das so werden wie bei der Brücke in Leverkusen, dann können wir uns warm anziehen“, hat IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener eine klare Meinung: „Aber Sicherheit geht vor.“ Sollten Bypass-Lösungen als Alternativen nötig werden, müsse die Umsetzung zügig in Gang gesetzt werden.
CDU-Landtagsabgeordneter Jens Kamieth sieht in dem Vorgang Positives: „Dass wir per Laserscan einen Fehler finden, ist gut. Sonst erginge es uns eines Tages wie den Menschen in Genua.“ Für Industrie und Gewerbe bedeute die Sperrung Zeitverluste, aber die Welt werde dadurch nicht untergehen. Es werde an guten Umleitungen gearbeitet, der Winterdienst solle auf Autobahnstandard ausgedehnt werden.

Hoffnung auf einspurige Fahrbahn auf A45 

„Grundsätzlich gilt aber, dass Infrastrukturmaßnahmen bei uns zu lange dauern, sieht man jetzt wieder hier an der A 45. Das gilt aber auch für die Bahn“, meint Kamieth. Die Autobahn GmbH werde alles tun, um die Durchgängigkeit wiederherzustellen: „Selbst eine Fahrspur für Pkw und Tempo 40 wären besser und schneller, als von der Autobahn runter fahren zu müssen.“

Autobahn bis Mitte nächster Woche gesperrt
Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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