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Dienstleister aus Düsseldorf
AvP-Insolvenz bringt Apotheker in die Bredouille

Unverschuldet in eine finanzielle Schieflage gekommen: Auch im Siegerland sind einige Apotheken von der Insolvenz des Abrechnungszentrums AvP betroffen – von heute auf morgen rutschten sie in die roten Zahlen.
  • Unverschuldet in eine finanzielle Schieflage gekommen: Auch im Siegerland sind einige Apotheken von der Insolvenz des Abrechnungszentrums AvP betroffen – von heute auf morgen rutschten sie in die roten Zahlen.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Siegen/Düsseldorf. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder – na klar, das ist bekannt – Apotheker: Denn sowohl der Mediziner als auch der Pharmazeut müssen sich auskennen mit den Medikamenten, mit denen sie ihren Patienten und Kunden helfen wollen. Dass sich jetzt die Gedanken zahlreicher Apotheker vor allem um ihre Finanzen drehen, hätten sie nicht einmal im Kleingedruckten der Packungsbeilage nachlesen können. Mit der Insolvenz des Düsseldorfer Unternehmens AvP sind 3500 aller 19 000 deutschen Apotheken über Nacht in die roten Zahlen gerutscht und könnten sogar in ihrer Existenz bedroht sein – auch einige der Region sind schmerzhaft betroffen.

js Siegen/Düsseldorf. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder – na klar, das ist bekannt – Apotheker: Denn sowohl der Mediziner als auch der Pharmazeut müssen sich auskennen mit den Medikamenten, mit denen sie ihren Patienten und Kunden helfen wollen. Dass sich jetzt die Gedanken zahlreicher Apotheker vor allem um ihre Finanzen drehen, hätten sie nicht einmal im Kleingedruckten der Packungsbeilage nachlesen können. Mit der Insolvenz des Düsseldorfer Unternehmens AvP sind 3500 aller 19 000 deutschen Apotheken über Nacht in die roten Zahlen gerutscht und könnten sogar in ihrer Existenz bedroht sein – auch einige der Region sind schmerzhaft betroffen.

Automatismus gerät ins Stocken

Das private Abrechnungszentrum AvP ist einer von 18 Dienstleistern in Deutschland, der die Zahlungsabwicklung zwischen Apotheken, deren Großhändlern und den Krankenkassen übernimmt. Die Summen, die auf diesem Wege überwiesen werden, haben es mitunter in sich. Insbesondere bei speziellen Medikamenten gehen die einzelnen Rechungsbeträge schon einmal in die Zehntausende. Als Treuhänder sorgen die Abrechnungszentren dafür, dass auf der einen Seite die Gelder von den Krankenkassen zum Apotheker fließen und die Rechnungen durch Großhändler beglichen werden. Dafür werden die Rezepte gebündelt beim Apotheker abgeholt und in Papierform an die zahlenden Krankenkassen weitergereicht, die dann wiederum die Rechnung begleichen. Genau dieser Automatismus geriet auf einmal ins Stocken.
Wie viele Apotheken in der Region betroffen sind, ist nicht bekannt. Wer mit welchem Dienstleister abrechnet, das gehört nicht unbedingt zu den Themen, die im Kollegenkreis besprochen werden. Bekannt ist nach SZ-Informationen aber, dass auch der eine oder andere Pharmazeut aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein über die Düsseldorfer abrechnet.

AvP-Debakel erwischt heimische Apotheker kalt

Sie erwischte das AvP-Debakel völlig kalt, wie zwei Betroffene im Gespräch erklärten. In beiden Fällen fiel Anfang des Monats auf, dass zum zugesagten Termin die fällige August-Abschlagszahlung von AvP nicht auf dem Konto eingegangen war. „Ich habe sofort angerufen und nachgefragt, was los war“, erklärt eine Pharmazeutin aus dem südlichen Siegerland. Die Hotline habe nicht weiterhelfen können, der Vertreter aus dem Außendienst hingegen habe von einer EDV-Umstellung gesprochen, die eine Verzögerung bei den Zahlungen „um ein paar Tage“ bedeute. Angeblich, so sei ihr gesagt worden, seien die Daten mehrerer Rechenzentren des Unternehmens zusammengeführt worden, das sei nicht rund gelaufen.
Auch einer ihrer betroffenen Kollegen aus dem nördlichen Siegerland berichtet von ähnlichen Fehlinformationen aus Düsseldorf. Als ihm aufgefallen war, dass die erwartete Abschlagzahlung nicht kam, seien ihm „technische Probleme“ als Grund genannt worden. „Ich habe mich darüber geärgert, dass wir darüber nicht von AvP proaktiv unterrichtet wurden.“ Zudem habe er an der Begründung gezweifelt, weil die Datenverbindung zwischen Apotheke und AvP stabil gewesen sei – trotz einer angeblichen Serverumstellung. Auch der Außendienstler habe ihn später mit der lapidaren Ausrede „Softwareprobleme“ abspeisen wollen. „Dabei müsste diesem klar gewesen sein, dass es für einige Betriebe zu großen Problemen kommen würde.“

AvP lügt Apotheker ganz offensichtlich an

Noch am Montag vergangener Woche habe AvP-Chef Mathias Wettstein seinen Kunden in einem Rundschreiben mitgeteilt, dass sich das Abrechnungszentrum in „nicht reibungslos verlaufenden Umstrukturierungen“ befinde. „Die Zahlungen für Ihre Rezepte sind sicher auf dem Weg.“ Das war offenbar gelogen, denn keine 24 Stunden später kam die Wahrheit ans Licht: Die AvP Deutschland GmbH hat beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag gestellt. Ein Insolvenzverwalter und ein Geschäftsleiter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüfen nun, „ob eine Fortführung des Unternehmens im Ganzen oder in Teilen unter Berücksichtigung der insolvenzrechtlichen Rahmenbedingungen möglich“ sei. Die BaFin hat Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf erstattet; diese prüft, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

Zitterpartie für die betroffenen Apotheken

Für die betroffenen Apotheken bleibt es eine Zitterpartie: Sie hoffen, dass die ihnen zustehenden Gelder auf Treuhandkonten liegen und ganz oder zumindest zu großen Teilen ausgezahlt werden. Die Rede ist von einem neunstelligen Betrag an Außenständen. Für die Abwicklung der neuen Rezepte haben sich die Apotheker nun andere Partner ins Boot geholt, rechnen über andere Dienstleister ab. Dennoch: Die Summen, die ihnen AvP schuldig geblieben sind, müssen sie nun zwischenfinanzieren. Wie hoch diese sind, hängt auch von der Größe der Apotheke und ihrer Lage ab – die Rede ist zumeist von sechsstelligen Eurobeträgen, auf denen die Pharmazeuten im schlimmsten Fall sitzen bleiben könnten. Manch eine Apotheke, heißt es in Branchenkreisen, könnten darüber selbst in die Knie gezwungen werden.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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