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Große Herausforderung für die Betriebe
Azubis legen Prüfungen auch in Corona-Zeiten ab

Ein wichtige Grundlage für das Arbeitsleben: Auch in Zeiten der Pandemie finden Tausende von Prüfungen von
Auszubildenden in den Betrieben von Siegerland, Wittgenstein und dem Kreis Olpe statt.
  • Ein wichtige Grundlage für das Arbeitsleben: Auch in Zeiten der Pandemie finden Tausende von Prüfungen von
    Auszubildenden in den Betrieben von Siegerland, Wittgenstein und dem Kreis Olpe statt.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Corona ist uns allen eine Lehre. Allein das Thema Bildung in Zeiten der Pandemie könnte Bücher füllen. Die Schulen ächzen unter dem Kraftakt des Distanzunterrichts – und mit ihnen die Elternhäuser. Die Studenten der Universität wissen nicht, in welcher Form sie die anstehende Prüfungsphase hinter sich bringen können. Nicht weniger hart getroffen, aber weitaus weniger stark beleuchtet, ist der Bereich der beruflichen Ausbildung. Auch hier hat das vergangene Jahr seine Spuren hinterlassen.
Davon kann die Industrie- und Handelskammer Siegen ein Liedchen singen.

js Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Corona ist uns allen eine Lehre. Allein das Thema Bildung in Zeiten der Pandemie könnte Bücher füllen. Die Schulen ächzen unter dem Kraftakt des Distanzunterrichts – und mit ihnen die Elternhäuser. Die Studenten der Universität wissen nicht, in welcher Form sie die anstehende Prüfungsphase hinter sich bringen können. Nicht weniger hart getroffen, aber weitaus weniger stark beleuchtet, ist der Bereich der beruflichen Ausbildung. Auch hier hat das vergangene Jahr seine Spuren hinterlassen.
Davon kann die Industrie- und Handelskammer Siegen ein Liedchen singen. Von einer „großen organisatorischen Herausforderung“ spricht die für den Ausbildungsbereich zuständige Geschäftsführerin Sabine Bechheim, wenn sie auf die umgeworfenen und neu gestrickten Prüfungspläne im Jahr 2020 blickt. Sven Weber, Referatsleiter Bildung, untermauert dies mit Zahlen. 1152 Zwischen-, 3164 Abschluss- und 1931 Weiterbildungsprüfungen wurden im vergangenen Jahr im Kammerbezirk durchgeführt. Und das, obwohl die Krise den Terminplan ordentlich durcheinandergewirbelt hat.

Betriebe nahmen Corona anfangs nicht wirklich ernst

Im Februar habe sich das Problem angedeutet, richtig ernst genommen habe man die Auswirkungen des Virus damals noch nicht, erinnert sich Klaus-Jürgen Clemens. Der Ausbildungsleiter eines Automobilzulieferers gehört zu dem Trio, das jetzt als ehrenamtlicher Prüfungsausschuss in einem Fachgespräch einen angehenden Stanz- und Umformmechaniker geprüft hat. Für den März angesetzte Prüfungen hätten verschoben werden müssen; erst im September hätten die Azubis sich der wichtigen „Leistungsschau“ stellen können. „Da gab es auch Tränen“, erinnert sich Clemens mit vollstem Verständnis. Immerhin hätten sich die Prüflinge intensiv und mit viel Energie vorbereitet. „Für unsere Azubis war es wirklich hart“, pflichtet ihm Mirko Becker bei, der im Prüfungsausschuss die Arbeitnehmerseite vertritt. „Mit einem Schlag war die Planung dahin. Sie haben mir leidgetan.“

Prüfungen im Januar wurden trotz Lockdown durchgezogen

Von Woche zu Woche musste im Jahr 2020 praktisch auf Sichtweite weitergeplant werden bei den von der IHK koordinierten Prüfungen. Im Sommer galt es, verschobene Termine nachzuholen und beinahe parallel dazu die nächste Runde abzuarbeiten. „Das war eine enorme Doppelbelastung“, sagt Sabine Bechheim – und meint damit nicht nur die Mitglieder der Prüfungsausschüsse selbst, sondern auch die Betriebe, in denen diese ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen. Die Unternehmen müssten die ehrenamtlichen Prüfer schließlich freistellen. Das sei mitunter schwierig. Zudem habe man darauf geachtet, aus Infektionsschutzgründen die Schnittmengen zu reduzieren – also weniger Personen aus unterschiedlichen Betrieben zusammenzusetzen. „Jede Begegnung birgt schließlich ein gewisses Risiko.“
Inzwischen ist bereits eine dritte Runde von Prüfungen betroffen. Trotz des anhaltenden Lockdowns wurden sie in diesem Januar termingerecht durchgezogen. Inzwischen haben betriebliche und überbetriebliche Ausbildung Eingang gefunden in der Corona-Schutzverordnung. Unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen können auch die wichtigen Prüfungen durchgeführt werden. Bei den schriftlichen Prüfungsteilen mit vielen Teilnehmern werden mitunter größere Säle genutzt, bei mündlichen Terminen kann das Gespräch von Angesicht zu Angesicht geführt werden – entsprechende Abstände und Schutzscheiben machen es möglich.

Kammer will Prüfungen so gut es geht über die Bühne bekommen

Die Prüfungsphasen so gut es geht durchzuziehen, ist aus Sicht der Kammer ausgesprochen wichtig. Sie kann sich dabei auf das Engagement der Prüfer verlassen, auf die gute Vernetzung und die persönlichen Kontakte untereinander bauen. Dass die Beteiligung der Betriebe ruhig noch etwas stärker sein könnte, wie Prüfer Klaus-Jürgen Clemens findet, dass sich der Fachkräftemangel auch auf die Besetzung von Prüfungsausschüssen niederschlägt, wie Sabine Bechheim feststellt, ist zwar nicht direkt auf Corona zurückzuführen. Die Krise macht es aber noch einmal deutlicher.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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