BA und MA: Chance oder Sackgasse?

Siegener Forscherinnen schauten bei neuen Studiengängen auf die Geschlechtergleichheit

kk Siegen. In Siegen sind die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge von den Studierenden gut angenommen worden. Insgesamt gab es zu Beginn des Wintersemesters in Deutschland 1787 solcher Angebote. Das macht 16 Prozent aller Studiengänge an deutschen Hochschulen aus. Kürzer und vor allem praxisorientiert sollen die Bachelor-Studiengänge sein.

Wer aufsatteln will, muss auf den Master setzen. Was genau bringen die neuen Angebote für Studentinnen, für Mitarbeiterinnen im universitären Mittelbau sowie auf der Ebene der Professorinnen. Antworten auf diese Fragen suchten mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Prof. Dr. Sabine Hering, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Siegen, sowie ihre Mitarbeiterin Dr. Elke Kruse. Basis ihrer Abschlussbroschüre ist eine Tagung von Expertinnen sowohl aus dem Bereich der Hochschul-Strukturreform wie aus dem der Frauenförderung. Sabine Hering: »Wir versuchen das Thema aufzubringen, eine Diskussion anzustoßen.«

Wie so oft liegen Vor- und Nachteile nah beieinander. Die neuen Studiengänge sind noch recht jung; bislang gibt es nur wenige Absolventinnen und Absolventen. Dennoch steht fest: Binnen dreier Jahre stieg die Anzahl weiblicher BA-Studierender kontinuierlich an, sie liegt bei etwa 42,8 Prozent. Anders bei den MA-Studiengängen: Die Anzahl der Studentinnen verharrt kontinuierlich bei etwa 30 Prozent. Ein erster Blick auf die Absolventen bestätigt dieses Bild: Im Jahr 2002 waren 53,2 Prozent der Bachelor-Absolventen weiblich, aber nur 32,7 Prozent der Master-Absolventen.

Dabei, so die Forscherinnen, biete das gestufte Modell durchaus Chancen für Frauen. So gebe es beispielsweise häufiger Teilzeitstudiengänge, die Modularisierung ermögliche eine individuellere Studiengestaltung und erlaube den Erwerb von Schlüsselqualifikationen, deren Aneignung Frauen in der Regel leichter falle. Auch die unkonventionellen Zugangsmöglichkeiten wie der Einstieg über mehrjährige Berufserfahrung, die Aufwertung der Lehre, in der zurzeit mehr Frauen als Männer anzutreffen seien, und insgesamt planbarere Karrierewege seien für Frauen besonders interessant. Hinzu kämen die kürzere Dauer des Erststudiums sowie die Tatsache, dass Lehr- und Lernformen mit kooperativen und partizipatorischen Elementen, Interdisziplinarität und Praxisorientierung sowie die Vermittlung sozialer Komponenten den Frauenanteil der Studierenden erfahrungsgemäß erhöhe. Last not least könnten Juniorprofessuren als Alternative zur Habilitation Frauen den Weg in den Hochschuldienst erleichtern.

Die Siegener Forscherinnen stießen jedoch nicht nur auf Vorteile. Die größte Gefahr besteht ihrer Meinung nach darin, dass viele Frauen sich mit dem Bachelor zufriedengeben könnten. Gründe für einen raschen Berufseinstieg seien der Wunsch nach Familie, die Scheu vor einem Ortswechsel oder aber vor Zulassungsbeschränkungen sowie fehlende Finanzmittel. Die Folgen wären nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen fatal. Die Karrierechancen von Männern und Frauen würden sich aufgrund der Abschlüsse noch unterschiedlicher gestalten.

Sabine Hering und Elke Kruse kommen zu dem Schluss, dass jede Maßnahme, die die Durchlässigkeit zur höheren Qualifizierungsebene erschwere, Frauen ebenso eher von einem Aufbaustudium abhalte wie Masterstudiengänge mit hohen Studiengebühren und ohne finanzielle Förderung nach BAföG. Auch finanzielle Sanktionen für Studienzeitverlängerungen wegen inhaltlicher oder organisatorischer Gründe wirkten vor allem auf Frauen abschreckend.

Schon bei der Akkreditierung der Studiengänge sollte nach Meinung der Expertinnen auf die Geschlechtergerechtigkeit geachtet werden. Gute Beratungsangebote, Netzwerkbildung, die Einrichtung von Lerngruppen und die Möglichkeit, das Studium in Teilzeitform zu absolvieren seien für Studentinnen vorteilhaft. Für die Lehrenden sei besonders zu beachten, dass Frauen nicht durch Beratungsangebote überlastet würden und keine Trennung von Forschung und Lehre erfolge.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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