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Mehr Neugeborene in Lockdown-Monaten
Baby-Boom durch Corona?

Ist die Geburtenrate durch die Lockdown-Phase nach oben gegangen? Bis jetzt lässt sich noch kein Trend feststellen.
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  • Ist die Geburtenrate durch die Lockdown-Phase nach oben gegangen? Bis jetzt lässt sich noch kein Trend feststellen.
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sabe Siegen. Corona als Lustbeschleuniger in Sachen Kinderwunsch. So prognostizierten es Experten im letzten Jahr, Ende März mit Beginn des ersten Lockdowns. Der leere Terminkalender würde ein „Mehr“ an Zweisamkeit und demnach auch Neuschwangerschaften multiplizieren, so die These. Im Sommer 2020 war von dem vermuteten Baby-Boom noch nicht wirklich etwas zu spüren. Die verkaufte Anzahl an Schwangerschaftstest in den heimischen Drogeriemärkten entpuppte sich als konstant, die Verkaufszahl in einigen Apotheken war sogar leicht rückläufig.

Dr. Christof Werner, Apotheker und Vorsitzender der Bezirksgruppe Siegen des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, sagte der SZ im Sommer dazu: „Der vermutete Trend lässt sich mit unserer Verkaufsstatistik so im Moment nicht belegen.

sabe Siegen. Corona als Lustbeschleuniger in Sachen Kinderwunsch. So prognostizierten es Experten im letzten Jahr, Ende März mit Beginn des ersten Lockdowns. Der leere Terminkalender würde ein „Mehr“ an Zweisamkeit und demnach auch Neuschwangerschaften multiplizieren, so die These. Im Sommer 2020 war von dem vermuteten Baby-Boom noch nicht wirklich etwas zu spüren. Die verkaufte Anzahl an Schwangerschaftstest in den heimischen Drogeriemärkten entpuppte sich als konstant, die Verkaufszahl in einigen Apotheken war sogar leicht rückläufig.

Dr. Christof Werner, Apotheker und Vorsitzender der Bezirksgruppe Siegen des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, sagte der SZ im Sommer dazu: „Der vermutete Trend lässt sich mit unserer Verkaufsstatistik so im Moment nicht belegen.“ Aber: „Schwangerschaftstest sind nicht apothekenpflichtig, können also über mehrere Kanäle bezogen werden.“

Keine verlässliche Statistiken

Jetzt, nach einem Jahr Corona, lässt sich die Mutmaßung in der Region vorsichtig, aber nicht gänzlich bestätigen. Zwar können sowohl das St. Marien-Krankenhaus wie auch das Diakonie Klinikum Jung-Stilling eine höhere Geburtenrate verzeichnen, allerdings weisen beide Häuser ausdrücklich darauf hin, dass noch keine verlässlichen Statistiken vorliegen, die einen Baby-Boom-Trend bestätigen könnten.

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18 Prozent mehr Entbindungen gab es in diesem Jahr in den Monaten Januar (96 Neugeborene) und Februar (102 Neugeborene) im St. Marien-Krankenhaus, im Jahr 2020 blieb die Geburtenrate im Vergleich zu 2019 stabil. Allerdings, so Dr. Badrig Melekian, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, seien die Geburtsstatistiken 2020 mit Blick auf einen Corona-Baby-Boom wenig aussagekräftig.

Noch kein Trend ausmachen

Spannender sei es, auf die Zahlen der kommenden Monate zu schauen. „Und die stehen noch aus.“ Somit rät der Chefarzt davon ab, die bisherigen hohen Prozentsätze aus 2021 zu schnell als Trendbeleg heranzuziehen, abwarten Zwecks Validität heiße vielmehr die Devise.

Trotzdem: Als gänzlich unwahrscheinlich will der Chefarzt die Theorie der „Lockdown-Babys“ auch nicht verstanden wissen: „Ich kann mir schon gut vorstellen, dass das auch einer der Gründe ist.“

Anstieg reine Spekulation

Im Jung-Stilling in Siegen stehen im Dezember 139 Geburten (147 Kinder) einer niedrigeren 2019er-Zahl gegenüber. „Hier waren es im Dezember 110 Geburten (113 Kinder). Ob dieser Anstieg allerdings wirklich an der Corona-bedingten „Ruhephase“ liegt, so sieht es auch Dr. Flutura Dede, Chefärztin der Abteilung Geburtshilfe und Pränatalmedizin im Diakonie Klinikum Jung-Stilling Siegen, „ist reine Spekulation.“

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Festzuhalten sei allerdings, dass das ganze Jahr 2020 einige Rekorde bereithielt: 1765 Mädchen und Jungen – und damit so viele wie noch nie – haben im Diakonie Klinikum Jung-Stilling im vergangenen Jahr das Licht der Welt erblickt. Das waren 204 Mädchen und Jungen mehr als im Jahr 2019. Auch die Zahl der Geburten stieg von 1471 auf 1663.

Baby-Rekord am 5. Februar

Die Differenz zwischen Babys und Geburten lässt es erahnen – 102 Zwillingspaare kamen 2020 auf die Welt. Auch hier ein Rekord. So viele Zwillinge hat es noch nie gegeben. Besonders herausragend dabei – der 5. Februar 2021. An diesem Tag wurden im „Jung-Stilling“ insgesamt elf Kinder geboren, einmal Drillinge, zwei Zwillingspaare sowie vier Einlinge. Ob „Corona“ hier die Finger im Spiel hatte, bleibt dennoch fraglich. Ansonsten zeigten sich im Januar (2020: 144; 2021: 145) und Februar ( 2020: 120, 2021: 140) nämlich „keine großen Auffälligkeiten.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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