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Geburtenrate im März gestiegen
Baby-Boom nach Lockdown-Schluss

Im März 2021 sind deutlich mehr Babys zur Welt gekommen als im Vorjahr - auch in unserer Region.
  • Im März 2021 sind deutlich mehr Babys zur Welt gekommen als im Vorjahr - auch in unserer Region.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

sp/thor Siegen/Kirchen/Olpe. Es ist eine immer wieder gern erzählt Geschichte, allerdings nicht mehr als ein Mythos: Beim großen Stromausfall in New York im November 1965 soll der „Big Apple“ neun Monate später einen wahren Babyboom erlebt haben. De facto falsch, grundsätzlich aber nicht nur für Kerzenschein-Romantiker eine durchaus nachvollziehbare „Spätfolge“. Und in dieser Tradition war mancher der festen Überzeugung, dass auch der erste Lockdown 2020 zu Überstunden in der Kreißsälen führen wird. Doch Pustekuchen statt Mutterkuchen: Gynäkologen und Hebammen hatten zu Jahresbeginn nicht mehr zu tun als sonst – auch in der heimischen Region.

sp/thor Siegen/Kirchen/Olpe. Es ist eine immer wieder gern erzählt Geschichte, allerdings nicht mehr als ein Mythos: Beim großen Stromausfall in New York im November 1965 soll der „Big Apple“ neun Monate später einen wahren Babyboom erlebt haben. De facto falsch, grundsätzlich aber nicht nur für Kerzenschein-Romantiker eine durchaus nachvollziehbare „Spätfolge“. Und in dieser Tradition war mancher der festen Überzeugung, dass auch der erste Lockdown 2020 zu Überstunden in der Kreißsälen führen wird. Doch Pustekuchen statt Mutterkuchen: Gynäkologen und Hebammen hatten zu Jahresbeginn nicht mehr zu tun als sonst – auch in der heimischen Region.

Doch nun sieht alles danach aus, dass Corona doch noch Auswirkungen auf die Geburtenstatistik hat, allerdings nicht die Einschränkungen, sondern die Lockerungen: Im März 2021 sind jedenfalls nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes 65 903 Kinder zur Welt gekommen. Mehr als 65 000 Geburten in einem März gab es zuletzt 1998. Im Vergleich zum März 2020 ist das ein stolzes Plus von 10 Prozent.

Zusammenhang mit Lockerungen im Mai 2020

Die Statistiker verweisen auf den zeitlichen Zusammenhang mit dem Abflachen der ersten Corona-Welle und den Lockerungen ab Anfang Mai 2020. Damals schien die Pandemie fast schon überwunden, ökonomische Unsicherheiten traten in den Hintergrund. Und offenbar bestand zu dieser Zeit ein gewisser Nachholbedarf unter der Bettdecke. Die SZ fragte in den Geburtskliniken von Kirchen bis Lennestadt nach, ob dieser deutschlandweite Trend auch für Südwestfalen und das nördliche Rheinland-Pfalz gilt.

"Einen ähnlichen Trend erwarten wir übrigens auch dann, wenn die DFB-Auswahl uns ein Sommermärchen bescheren sollte."
Dr. Christian Stoffers
Mariengesellschaft

Das St.-Marien-Krankenhaus in Siegen verzeichnete im ersten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahr zunächst ein Babyplus von ca. 8 Prozent. „Wichtig ist dabei, dass wir im März einen Corona-Ausbruch im Krankenhaus hatten und infolgedessen planbare ,Ereignisse’ gedrosselt wurden“, erklärt Dr. Christian Stoffers, Pressesprecher der Mariengesellschaft. „Bereinigt um diesen Einbruch gerade in den ersten eineinhalb März-Wochen können wir den Trend bestätigen, wenngleich wir etwas hinterherhinken.“ Die aufgestellte Prognose zu einem allgemeinen „Corona-Babyboom“ sieht das Krankenhaus als bestätigt. „Einen ähnlichen Trend erwarten wir übrigens auch dann, wenn die DFB-Auswahl uns ein Sommermärchen bescheren sollte“, so Stoffers.

Auch das Diakonie Klinikum Jung-Stilling kann den Trend bestätigen. Im Jahr 2020 hat die Klinik 122 Geburten für den Monat März verzeichnet. 2021 ist die Zahl auf 148 Geburten gestiegen. „Ob der Geburtenanstieg an der Corona-bedingten ,Ruhephase’ liegt, ist reine Spekulation. Eher gehen wir davon aus, dass die hohen Geburtenzahlen in unserem Haus auf ein vergrößertes Einzugsgebiet zurückzuführen sind“, sagt Dr. Flutura Dede, Chefärztin der Klinik für Geburtshilfe im Jung-Stilling. Und sie ergänzt: „Bereits 2020 begrüßte das Team der Geburtshilfe und Pränatalmedizin so viele Neugeborene wie noch nie. 1765 Babys und damit 204 mehr Kinder als 2019 erblickten das Licht der Welt.“

Plus in Kirchen, Konstanz in Lennestadt

Im DRK-Krankenhaus Kirchen hat es auf der geburtshilflichen Station einen eher ruhigen Jahresauftakt gegeben, so Chefarzt Dr. Bernd Mittag. Mit 83 Geburten sei auch der März völlig normal gewesen. Sei er da noch von 900 Neugeborenen am Jahresende 2021 ausgegangen, gehe es jetzt wieder auf die 1000 zu, denn: „Wir stehen vor einem heißen Sommer“, berichtete Mittag. Die Sprechstunden im MVZ seien voll mit Schwangeren. „Bei uns steht der Boom also erst noch bevor.“

Keinen Anstieg bei den Geburtenzahlen verzeichnet das St.-Josefs-Hospital in Lennestadt. „Das ist recht stabil gewesen in den vergangenen Jahren“, heißt es.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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