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Welttag des Brotes
Bäckereien müssen Corona-Einbußen verkraften

Der Verkauf über die Theke, etwa bei uns im ländlichen Raum, läuft glücklicherweise fast wieder normal. Die Rudersdorfer Bäckermeisterin Simone Hellmann, hier in der Backstube, freut es.
  • Der Verkauf über die Theke, etwa bei uns im ländlichen Raum, läuft glücklicherweise fast wieder normal. Die Rudersdorfer Bäckermeisterin Simone Hellmann, hier in der Backstube, freut es.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

kay Siegen/Olpe. Der heutige Tag (Freitag) wird für die meisten Menschen ein Tag wie jeder andere sein, für den Weltverband der Bäcker und Konditoren hingegen ist es ein ganz besonderes Datum. Die Organisation mit Sitz in Madrid feiert immer am 16. Oktober den „Welttag des Brotes“. Dabei gibt es derzeit gar keinen Grund zum Feiern. Trotz hoher Wertschätzung leiden auch die Bäcker unter der Corona-Pandemie. Auf Grund behördlicher Schließung von Bäckereicafés ist besonders in den Anfangsmonaten der Pandemie viel Umsatz verloren...

kay Siegen/Olpe. Der heutige Tag (Freitag) wird für die meisten Menschen ein Tag wie jeder andere sein, für den Weltverband der Bäcker und Konditoren hingegen ist es ein ganz besonderes Datum. Die Organisation mit Sitz in Madrid feiert immer am 16. Oktober den „Welttag des Brotes“. Dabei gibt es derzeit gar keinen Grund zum Feiern. Trotz hoher Wertschätzung leiden auch die Bäcker unter der Corona-Pandemie. Auf Grund behördlicher Schließung von Bäckereicafés ist besonders in den Anfangsmonaten der Pandemie viel Umsatz verloren gegangen.

Bundesweit fehlen den Bäckereien 1 Milliarde Euro

Laut einer Umfrage der Landesinnungsverbände und des Zentralverbandes des Bäckerhandwerks unter ihren Betrieben summieren sich die Umsatzeinbußen bislang auf ein Minus von insgesamt mehr als 1 Milliarde Euro, so Michael Wippler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Allein in NRW fehlen mindestens 250 Millionen Euro in der Kasse. Eitel Sonnenschein sieht anders aus – und: Die Handwerksbetriebe sehen mit getrübtem Blick in die Zukunft. Die Mehrzahl rechnet damit, dass eine Rückkehr zum Normalbetrieb frühestens Mitte nächsten Jahres wieder möglich sein wird.
„Besonders problematisch sieht es in den Innenstadtlagen aus“, so Georg Sangermann, Obermeister der Bäcker-Innung Westfalen-Süd, auf SZ-Nachfrage. Hier seien die Umsätze auf Grund verringerter Kundenfrequenz zurückgegangen. Auch die zum Teil beträchtlichen Mieten, besonders in großen Einkaufszentren, machen zu schaffen. Bäckereien mit integrierten Cafés hätten zudem Einbußen, da die Plätze wegen bestehender Abstandsregeln nicht voll ausgenutzt werden könnten. Umsätze durch Außengastronomie fallen witterungsbedingt ebenfalls weg. Betriebe, die einen hohen Anteil an Lieferservices bieten, seien ganz besonders betroffen, fügt der Obermeister hinzu: „Viele Kunden, wie große Unternehmen, dürfen gar nicht mehr angefahren werden. Große Feiern fallen derzeit ebenfalls aus, auch das bringt für etliche Lieferanten finanzielle Einbußen mit sich.“

Verkauf über die Theke läuft fast wieder normal

Der Verkauf über die Theke, so häufig im ländlichen Raum, laufe glücklicherweise fast wieder normal. „Auch bei uns sind viele staatliche Hilfen geflossen, die teilweise auch schon wieder zurückgezahlt worden sind, wenn sich die Hilfebedürftigkeit der Betriebe als nicht so gravierend erwiesen hat. Trotz aller widrigen Umstände wird natürlich weiter ausgebildet und es werden auch weiterhin Lehrlinge für Bäckerei und Verkauf gesucht“, betont Sangermann.

Unser tägliches Brot Für die SZ-Leser hat die Rudersdorfer Bäckermeisterin Simone Hellmann, Inhaberin des gleichnamigen Betriebes, ein paar kleine Tipps für den Alltag parat: Frisches Brot vom Handwerksbäcker ist besonders lange knusprig, haltbar und auch nach Tagen noch genießbar, wenn es richtig gelagert wird. Brot und Brötchen sollte man am besten bei Raumtemperatur lagern. Bemerkenswert: Steingutbehälter verhindern Schimmel und halten Brot frisch. Das Brot dabei immer auf der Schnittkante lagern.

Hilfreich sei in diesem Zusammenhang, dass zumindest für das Bäckerhandwerk in NRW und für die ehemaligen Regierungsbezirke Koblenz und Trier dieser Tage nach intensiven und zähen Verhandlungen mit der Gewerkschaft NGG ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen werden konnte. Die bis Anfang 2023 gültige Vereinbarung sieht mehr Geld für die Angestellten des Bäckerhandwerks vor. Auch die außergewöhnlichen Erschwernisse während der Corona-Pandemie finden Berücksichtigung – jeder Mitarbeiter erhält, umgerechnet je volle Stelle, einen bis Ende des Jahres auszahlbaren, betrieblichen Corona-Bonus in Höhe von 200 Euro. Die beiden Verhandlungsführer Heribert Kamm und Bernd Siebers betonen, dass der maßvolle und langfristige Tarifabschluss den Betrieben in der aktuell wegen der Corona-Pandemie nur sehr schwer planbaren Wirtschaftslage eine mittelfristige Planungssicherheit ermögliche. „Der neue Entgelttarifvertrag hilft dabei sicherzustellen, dass die vielen familiengeführten Betriebe der Branche weiterhin qualifizierte und motivierte Mitarbeiter finden können und man eine gute Chance hat, die Krise gemeinsam gut zu überstehen.“

Autor:

Kay-Helge Hercher (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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