Barockmusik – Balsam für die Seele

Il Piacere und Organist Peter Scholl gaben Benefizkonzert für »verbindlich verbunden«

aww Siegen. Mit einem barockmusikalischen Abend hat das heimische Streicherensemble Il Piacere unter der Leitung von Sohei Takahata am Freitagabend in der Martinikirche eine Veranstaltungsreihe der noch jungen Kooperation »verbindlich verbunden« eröffnet. Bei dem Zusammenschluss von ALF (Alternative Lebensräume für Frauen), Diakonischer Wohnungslosenhilfe Siegerland und der Fachstelle für Wohnungsnotfälle der Stadt Siegen handelt es sich um eine Initiative für menschenwürdiges Wohnen (wir berichteten im Lokalteil), über deren Zielsetzungen und Aufgaben ALF-Geschäftsführerin Sonja Becker eingangs informierte. Pfarrer Raimar Leng von der ev. Martini-Kirchengemeinde hatte zuvor die zahlreichen Besucher des Benefizkonzerts begrüßt, dessen Erlös der Ende vergangenen Jahres gegründeten Kooperation »verbindlich verbunden« zugute kommt.

Die siebenköpfige Streichergruppe um den 1. Konzertmeister der Philharmonie Südwestfalen eröffnete das kurzweilige wie unterhaltsame Programm mit dem vierteiligen Concertino V in B-Dur des kaum bekannten Barock-Violinisten Carlo Ricciotti. Verstärkt wurde das Ensemble an diesem Abend wechselweise an der Truhen- wie auch an der großen Orgel von dem jungen Instrumentalisten und Schüler von KMD Ulrich Stötzel, Peter Scholl, der 2003 einen 1. Preis beim Bundeswettbewerb von »Jugend musiziert« erlangte (wir berichteten).

Sohei Takahata, Guido Braun, Artur Prax, Barbara Thiele (alle Violine), Michael Geis (Bratsche), Naotaka Maejima (Cello), Yuji Tobita (Kontrabass) und Peter Scholl präsentierten sich von Beginn an mit einem sehr ausgewogenen, feinsinnig aufeinander abgestimmten Klangbild und homogenem Zusammenspiel. Hier, wie auch im weiteren Verlauf des Konzerts, fiel es schwer ,zu entscheiden, welche Momente das Ensemble besser meisterte – die lyrisch-expressiven, melancholischen oder die spritzig-lebhaften, heiteren. Es scheint, als ob es darauf keine Antwort gebe, denn dem eingespielten Streicherteam lagen und gelangen die flächigen, sanften Parts hörbar ebenso gut wie die technisch anspruchsvollen, flotten Sätze, bei denen die Streicher ihr hohes Maß an Präzision ein ums andere Mal bewiesen.

Georg Friedrich Händel sollte gleich dreimal zu Ehren kommen. Zweimal standen dabei die wunderbare Martini-Kirchenorgel und Peter Scholl im Mittelpunkt: Beim Concerto F-Dur für Orgel, Streicher und Basso continuo, bei dem die Streichergruppe meistenteils Begleitfunktion erfüllte, sich selten auch als sehr zurückhaltender Dialogpartner zeigte, hatte Peter Scholl ausgiebig Gelegenheit, seine beeindruckende Beherrschung der Königin der Instrumente zu demonstrieren. Besonders gefiel sein flüssiges Spiel, das im bewegten Finalsatz ein fortwährendes Fließen der Töne gewährleistete. Technisch schwierige Passagen hatte Peter Scholl auch beim B-Dur-Concerto zu meistern, wobei vor allem in dem von einem heiteren Dreiertakt geprägten zweiten Satz die exzellente Verständigung zwischen Orgel und Streichern auffiel. Zum dritten Mal Händel gab es zum furiosen Abschluss mit dem bekannten Concerto grosso G-Dur, op. 6 Nr.1, bei dem insbesondere – aber nicht nur – die Fuge im dritten Satz mit meisterlicher Klasse gegeben wurde.

Im Zentrum standen zwei Concertos von Antonio Vivaldi, bei denen vor allem die Violinisten gefordert waren. Ein viel beklatschtes Zweierteam gaben die Solisten Sohei Takahata und Guido Braun beim a-Moll-Concerto für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo ab. Ob es die »hektischen« Dialoge in den schnellen Ecksätzen waren, oder auch die wunderschönen Kantilenen im ruhigen Mittelsatz – die beiden Geiger schienen sich, gestützt vom souveränen Begleitensemble, blind zu verstehen. Wie aus einem Guss auch Vivaldis Concerto IV e-Moll für vier Violinen, Streicher und Basso continuo, bei dem sich vier bestens aufeinander eingespielte Geiger/innen ein Stelldichein gaben. Dieser Musikabend, vom Publikum mit viel Applaus aufgenommen, war Balsam für die Seele. Freilich durfte er nicht ohne Zugabe zu Ende gehen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen